Rassegeflügelzuchtvereine Sielhorst und Weher sagen ihre Ortsschauen ab
Corona vermiest die Ausstellungssaison

Rahden (WB). Die Züchter haben ihre edlen Tiere liebevoll umsorgt – von der Brut im zeitigen Frühjahr, der Aufzucht der Küken bis hin zum ausstellungsreifen Rassehuhn. Doch beim Rassegeflügelzuchtverein Sielhorst und beim Rassegeflügelzuchtverein Wehe kam es letztendlich wie schon befürchtet: Aus der traditionellen Ortsausstellung im Oktober wird zumindest in Sielhorst wegen Corona nichts. Einige Nachbar-Geflügelvereine im Stadtgebiet verfügen allerdings über große Ausstellungsräume und wollen unter Corona-Bedingungen eine Ortsschau organisieren – darunter auch Preußisch Ströhen am kommenden Wochenende (wir berichten noch).

Donnerstag, 01.10.2020, 04:00 Uhr
Ausstellungserfolge mit ihren Hühnern liegen bei den Beckmanns in der Familie, werden aber in diesem Jahr leider nicht prämiert – Aaron, Vater Andre und Alia mit zwei federfüßigen Zwerghähnen vor dem großen Hühnergehege im Garten. Foto: Peter Götz

„Der Rassegeflügelzuchtverein Wehe muss leider die diesjährige Ausstellung am 17. und 18. Oktober absagen. Aufgrund der Vorgaben der Corona-Schutzverordnung hat sich der Vorstand für eine Absage der Veranstaltung, die wieder an der Bockwindmühle in Wehe stattgefunden hätte, entschieden”, teilte der RGZV Wehe am 14. September mit.

„2020 kein Vereinsleben“

„Wir haben für Sielhorst viele Möglichkeiten durchgespielt, fanden aber am Ende keine wirtschaftlich tragbare Lösung, um die Ortschau auszurichten”, erklärt Andre Beckmann, Vorsitzender des örtlichen RGZV. Er zeigt Verständnis dafür, dass der Gesundheits- und Sicherheitsaspekt für die Aussteller und Besucher in jedem Fall Vorrang haben muss. Beckmann musste in Absprache mit den Vorstandskollegen nicht nur die Geflügelschau streichen: „In diesem Jahr gibt es bei uns praktisch kein Vereinsleben.“

Neben Boßeln, Grillen und Wettkrähen ist der Wegfall der Ausstellung wohl der schmerzlichste Ausfall für die Züchter seit Beginn der Corona-Maßnahmen. Auch Vereinsversammlungen kamen nach der Hauptversammlung im Februar nicht mehr zustande. „Das Ziel unserer Züchter ist es, auf der Ausstellung das schönste Tier zu präsentieren. Wenn diese Veranstaltung ausfallen muss, ist das ein Totalausfall für das Zuchtjahr“, sagt Beckmann. „Unser Hobby ist anders als etwa beim Fußball, wo jede Woche etwas stattfindet. Wir Züchter haben ja nur die eine Ortsschau, auf die wir unsere Tiere seit Monaten vorbereiten“, sagt der Vorsitzende, „Auch in unserem traditionell sehr starken Sielhorster Jugendbereich liegt dieses Jahr alles brach, weil keine Veranstaltungen möglich sind.“

Ausstellungszelt zu klein

Andre Beckmann beschreibt die Probleme, die zumindest in Sielhorst eine Ortsschau unmöglich machen. „Im üblichen Ausstellungszelt neben dem Dorfgemeinschaftshaus wären die Abstands-Auflagen (1,5 Meter zwischen den Käfigen) nicht zu erfüllen gewesen, ohne die Anzahl der Aussteller zu beschränken“, sagt Beckmann. „Bevor wir aber unsere Züchter nach Hause schicken oder einigen Ausstellern absagen müssen, war letzten Endes die Absage der diesjährigen Schau die einzig richtige Entscheidung.”

„Wenn es im nächsten Jahr mit den Beschränkungen so weitergehen sollte, müssen wir uns wirklich Alternativen überlegen“, spannt Andre Beckmann den Bogen ins kommende Jahr. „Zwei Ausstellungsjahre in Folge ausfallen zu lassen, das geht definitiv nicht. Irgendeine Ausstellung werden wir 2021 machen.“

Wie in allen Rassegeflügelzuchtvereinen – viele leiden ohnehin unter Mitgliederschwund – ist die Sorge groß, dass noch mehr Geflügelfreunde in diesen Krisenzeiten ganz mit der Zucht aufhören könnten. Um beispielsweise eine Hühnerrasse dauerhaft im eigenen Bestand zu züchten, ist es notwendig, praktisch jährlich von jungen Hühnern Küken aufzuziehen. Das bedeutet viel Arbeit und ebensolche Kosten. Fallen die gewohnten Ausstellungen aus, erfolgte die Aufzucht so gut wie vergebens. Ein ganzer Hühner-Jahrgang ist zumindest für die Ortsschau verloren.

Bei Tauben ist das Problem nicht ganz so schlimm, denn hier können die Elterntiere auch im höheren Alter noch Nachwuchs bekommen. Bei Hühnern setzt der Alterungsprozess schon früh Grenzen für die Fortpflanzung.

Überlegungen für 2021

In Sielhorst gibt es zumindest schon Überlegungen, wie die Misere – falls sie denn 2021 andauert – abgemildert werden könnte. In Frage kämen eventuell ein größeres Ausstellungszelt, eine Halle oder eine Aufteilung der Ausstellung in mehrere Abteilungen. Der Preußisch Ströher RGZV etwa kann Ausstellungen in der großen örtlichen Reithalle durchführen, weil hier größere Sicherheitsabstände zwischen den Käfigreihen möglich sind.

„Konkret können wir Sielhorster aber erst Entscheidungen treffen, wenn sich abzeichnet, welche Hygiene-Bestimmungen im Herbst 2021 gelten. Der nächste sichere Vereinstermin soll ja die Hauptversammlung Mitte Februar 2021 sein. Vielleicht ist zu diesem Zeitpunkt schon ein Trend abzusehen“, hofft Andre Beckmann.

Ein Lichtblick für die Sielhorster Geflügelzüchter sind immerhin die überörtlichen Bezirks- und Landesausstellungen, von denen sie Preise mit nach Hause nehmen wollen. Hier halten sich – derzeit – Absagen noch in Grenzen. Hinzu kommen geplante Ortsschauen der Nachbarvereine Varl, Tonnenheide/Kleinendorf und Preußisch Ströhen, in denen auch einige Sielhorster Züchter Mitglied sind und ausstellen dürfen.

Das ist ein Trost, aber nur ein schwacher, wenn man an die schönen Präsentationen der Zuchtergebnisse der vergangenen Jahre im Zelt denkt. Die Sielhorster sind auch wehmütig, wenn sie an die stets tolle Stimmung an den Ortsschau-Wochenenden an der alten Sielhorster Schule denken. Traditionell ist die Geflügelausstellung im Ort auch ein geselliger Treffpunkt der Dorfgemeinschaft, die in Sielhorst bekanntermaßen vorbildlich ist.

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