Ortsvorsteher Christian Krüger schildert die Aufgaben des Ehrenamtes
Entwicklung des Dorfs immer im Blick

Tonnenheide (WB). „Transparenz schaffen, das ist mein oberstes Ziel“, sagt Christian Krüger. Er ist Ortsvorsteher in Tonnenheide und tritt als Kandidat der CDU bei der Kommunalwahl am kommenden Sonntag an. Was sind eigentlich Aufgaben der Ortsvorsteher in der Stadt Rahden? Das wollte diese Zeitung wissen und schildert dies am Beispiel des 58-jährigen Kommunalpolitikers.

Donnerstag, 10.09.2020, 02:00 Uhr aktualisiert: 10.09.2020, 05:07 Uhr
Die Arbeiten am neuen Feuerwehrgerätehaus gehen voran. Das neue Domizil ist Voraussetzung für ein Dorfgemeinschaftshaus. Foto: Nichau

Ortsvorsteher scheiden aus

Krüger ist neben Bianca Winkelmann und Frank Holtmann einer der Ortsvorsteher, die sich für die kommende Wahlperiode um ein Ratsmandat bewerben und – falls sie gewählt werden sollten – als Ortsvorsteher erneut zur Verfügung stellen würden. Die Ortsvorsteher Willi Kopmann (Sielhorst), Heinz Grundmann (Wehe), Ulla Thielemann (Kleinendorf) und Anette Streich (Varl) werden nicht wieder für ein Ratsmandat kandidieren. Letzteres – so erläutert Christian Krüger – sei zwar nicht Voraussetzung für dieses Ehrenamt, aber die mit der Ratstätigkeit erlangten Kenntnisse seien für die Ausübung dieser Tätigkeit vor Ort äußerst sinnvoll und zielführend.

Sinnvolle Einarbeitung

„Dass ich das Amt des Ortsvorstehers von meinem langjährigen Vorgänger Hermann Schmidt während der laufenden Amtsperiode übernehmen konnte, war schon ein großer Vorteil. So konnte ich mich in die mit diesem Amt verbundenen Aufgaben besser einarbeiten. Dennoch war es hier und da schon eine echte Herausforderung“, sagt er im Gespräch mit dieser Zeitung.

Letztlich sei der Ortsvorsteher der Repräsentant der Ortschaft. Dies sei in der Gemeindeordnung festgesetzt. „Der Ortsvorsteher muss sich als neutrales Bindeglied zwischen Verwaltung und Bürgern verstehen“, schildert er die Aufgaben. „Es handelt sich um ein reines Ehrenamt. Ortsvorsteher ist also kein Beruf und keine hauptamtliche Tätigkeit. „Ich nehme meine Aufgaben in meiner Freizeit wahr“, sagt Krüger.

Ansprechpartner

Und zu den Aufgaben gehören bei weitem nicht nur die Ehrenbesuche bei Ehe- und Altersjubiläen und die Beglaubigung von Dokumenten. „Ich bin Ansprechpartner und Kontaktperson für alle Tonnenheider und verfüge zudem auch über die erforderliche Ortskenntnis“, zählt er auf. Somit sei er der „direkte Draht der Bürgerinnen und Bürger ins Rathaus“. „Wichtig ist mir dabei, dass ich– unabhängig von meinem politischen Mandat für die CDU – für alle Bürger zuständig bin. Das bedeutet, ich verhalte mich in diesem Amt politisch neutral.“

„Als dieses Bindeglied zur Stadtverwaltung ist vielfach bei kleineren Belangen auch der kurze Dienstweg ins Rathaus möglich und es kann in vielen Fällen schnell Abhilfe bei Problemen geschaffen werden.“ Der Ortsvorsteher sei – einfach bezeichnet – der „Kümmerer“ der Ortschaft, vertrete im Bedarfsfall auch die örtlichen Vereine und sorge für die Stärkung der Dorfgemeinschaft. Auch ist ihm die Zusammenarbeit und der Austausch mit den örtlichen Ratsvertretern wichtig.

Traditionen wahren

Bisher gehörten zudem die Aktion Saubere Landschaft, Volkstrauertag und andere Veranstaltungen in den Bereich der Ortsvorsteher. „Mal sehen, welche Auswirkungen Corona auf diese Traditionen noch haben wird...“, meint Krüger, hofft aber auf eine Normalisierung der Situation. Dann – so meint er – könne man auch die Dorfgespräche wieder als größere Veranstaltungen durchführen. „Diese haben sich als sehr wertvoll erwiesen, da ich das Ohr dann direkt an den Bürgern haben kann. Auch hierbei spürt man, wo der Schuh drückt. Auch das sorgt für Transparenz.“ Nicht jede Aufgabe ergebe sich an jedem Tag. „Wir haben seit 1. August wieder mit den Jubilar-Besuchen angefangen. Dabei melde ich mich aber vorher an und frage, ob der Besuch auch gewünscht ist.“

Dorfentwicklung

Das Thema Dorfentwicklung sei ihm als Ziel immer wichtiger geworden. „Das will ich auch gemeinsam mit dem zweiten CDU-Kandidaten für Tonnenheide-Nord, Ulli Koors, verfolgen. Dabei ist uns der Erhalt und Ausbau der Begegnungsstätten sowie die Entwicklung neuer Baugebiete und der Erhalt von Grundschule und Kindergarten sehr wichtig“, beschreibt Krüger die gravierendsten Ziele.

Blick nach vorn

„Dorfentwicklung bedeutet den Blick nach vorn, denn hierfür muss in Perspektiven von fünf bis zehn Jahren gedacht werden. Und das geht nicht alleine. Hierzu ist eine Vernetzung mit den Vereinen sowie den Bürgerinnen und Bürgern sehr wichtig und hilfreich.“

Die Arbeit als Ortsvorsteher habe ihm bisher immer Spaß gemacht. Den zeitlichen Aufwand könne er gar nicht benennen: „Der Umfang der Arbeit kommt immer drauf an, was gerade ansteht. Es kann Stress bedeuten, aber hier und da gibt es sicherlich auch mal ein paar ruhige Tage.“

Institution im Ort

Abschließend machte Krüger noch einmal deutlich, das aus Sicht der CDU Rahden das Amt des Ortsvorstehers eine wichtige Institution ist, um die Ortschaften in ihren Besonderheiten wert zu schätzen und zu erhalten und darüber hinaus Bürgernähe im Zusammenspiel mit der Verwaltung zu gewährleisten.

 

Was sind Ortsvorsteher?

Mit der Gemeindereform von 1972 wurden die bislang selbstständigen Ortschaften mit der Stadt Rahden zusammengeschlossen. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es Ortsbürgermeister. Um die Interessen der Ortschaften auch weiterhin gebührend zu vertreten und den Bürgern neben den Ratsvertretern, die ja nicht zwingend in den Ortschaften wohnen müssen, direkte Ansprechpartner zu garantieren, wurde das Amt der Ortsvorsteher eingeführt. Soweit diese gewählt werden, hat der Stadtrat bei diesen Wahlen die Stimmenverhältnisse der Parteien im jeweiligen Bezirk zu berücksichtigen. Das bedeutet, dass die Partei, die bei der Wahl des Stadt- und Gemeinderates in der jeweiligen Ortschaft die meisten Stimmen erhalten hat, den Kandidaten für den Ortsvorsteher benennt, der dann auch zu wählen ist. Der Ortsvorsteher muss in dem Bezirk wohnen, für den er gewählt wird.

Ferner muss er dem Stadtrat angehören oder ihm angehören können. Der Ortsvorsteher kann für die Ortschaft mit der Erledigung bestimmter Geschäfte der laufenden Verwaltung beauftragt werden. In diesem Fall kann er zum Ehrenbeamten ernannt werden.

 

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