Unvergessene Aktionswoche in 1996: Rahden erinnert sich gern an Künstler Uli Stein
„Ist ja Wahnsinn, was ihr auf die Beine stellt”

Rahden (WB). Als in der vergangenen Woche die Nachricht eintraf, dass der an Parkinson erkrankte Uli Stein im Alter von 73 Jahren gestorben war, sind auch viele Rahdener berührt gewesen.

Montag, 07.09.2020, 01:17 Uhr aktualisiert: 07.09.2020, 02:00 Uhr
Ein Bild aus dem Archiv der Familie Schierbaum: Das Schild am Geschäft Schierbaum in der Steinstraße 2 erinnert heute noch an das “Uli-Stein Festival”, veranstaltet durch Kul-Tür. Der Meister beim Händeabdruck am 6. September 1996. Detthard Witter, der damalige Kul-Tür-Vorsitzende, schaut zu. Auf Wittlers Initiative war damals zu den Aktionstagen gekommen.

Sie haben den kreativen Cartoonisten und Macher von putzigen Mäusen, lustigen Pinguinen und Co. in einer unvergessenen Aktionswoche im Jahr 1996 kennengelernt. Es war der damalige Vorsitzende und heutige Ehrenvorsitzende der Rahdener Vereins Kul-Tür, Detthard Wittler, der die originelle Idee dazu hatte und sie auch tatsächlich umsetzen konnte. Mit ihm sprach diese Zeitung über die damaligen Ereignisse.

Vieles mit Namen Stein

„In unserem Rahden gab und gibt es ja so vieles mit dem Namen Stein”, beschreibt Wittler seine damalige Überlegung. „Denken wir nur an die Steinstraße, die Freiherr vom Stein-Realschule, den Großen Stein in Tonnenheide oder den Steinschluck. Deshalb fand mein Vorschlag im Kul-Tür-Vorstand, etwas mit Uli Stein zu machen, große Zustimmung.“

Damals sei aber schon bekannt gewesen, dass der berühmte Künstler eigentlich nicht zu Veranstaltungen komme. „Das Management zeigte sich am Telefon dementsprechend skeptisch, lud mich aber nach Isernhagen bei Hannover zum Gespräch ein“, erinnert sich Wittler. „Als ich dort mit dem Management sprach, war auch Uli Stein im Haus. Ich konnte selbst mit ihm sprechen und zählte ihm auf, was Rahden alles mit Stein-Bezeichnungen aufweisen kann.” Noch heute hat Detthard Wittler die Worte im Kopf, die Uli Stein ihm sagte: „Hören Sie auf, ich komme.”

„Tolle Idee, da komme ich”

Danach warb der Kul-Tür-Vorsitzende in den Rahdener Geschäften für die geplante Aktion und Ausstellung. „Ein Großteil fand die Idee gut und schaffte Platz für die lustig-verrückten Uli-Stein-Objekte.“ Wittler wusste, dass Stein ein Trike hatte – ein Motorrad mit drei Rädern. Er versprach dem Künstler eine spektakuläre Aktion: „Wir bauen eine Mauer aus Kartons, die beklebt werden, und Sie durchbrechen die Mauer mit ihrem Trike.“ Steins spontane Antwort: „Tolle Idee, da komme ich.“

Lindner Kartonagen stellte Kartons zur Verfügung. Der Kultur-Vorstand beklebte sie mit Stein-Tapeten und baute in Höhe des Geschäfts Kaiser eine drei Meter hohe Mauer auf, die sich quer über die ganze Straße erstreckte. „Uli Stein saß hinten auf dem Trike, am Lenker sein Manager Gerd Koch. Sie kamen die Osnabrücker Straße herunter und ballerten durch die Karton-Mauer“, erzählt Detthard Witter.

Kul-Tür hatte für die Aktionswoche eine Rolling-Stones-Coverband verpflichtet, die auf dem Parkplatz Grotemeier auftrat. „Wir sprachen zudem Schulen an. Sie versahen fünf riesige Spanplatten, drei mal vier Meter groß, mit den Uli-Stein-Cartoons, die vier Wochen an den Ortseingängen Rahdens standen.“ Als Stein kam und von seinen eigenen Cartoons begrüßt wurde, war er hellauf begeistert: „Ist ja Wahnsinn, was ihr hier auf die Beine stellt.“

Napf für dicken Hund

Es gab auch eine Autogramm-Stunde mit dem Künstler. Der WDR berichtete aus Rahden. „Zur Eröffnung der Aktionstage trug ich eine Uli-Stein-Krawatte, die er spontan signierte. Ich habe sie heute noch”, sagt Detthard Wittler.

Für eine Verlosungsaktion stellte Uli Stein Puppen seiner Figuren, Cartoons und Bücher zur Verfügung. „Er hatte tolle Ideen und war auch für unser Rahdener Projekt sehr kreativ”, betont Wittler. „Ich erinnere mich noch an seinen witzigen ‚Sicherheits-Spaten‘. Stein hatte in die Spaten-Klinge einen halbrunden Ausschnitt reingesägt, in die ein Schuh reinpasste. So sollten die Zehen beim Zustechen geschützt sein. Oder an einen Spezial-Fressnapf für einen dicken Hund. Er bestand aus einem halben Napf mit einem Spiegel davor, damit der Hund glauben solle, er fresse einen ganzen Napf leer.“

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