Ein Beitrag aus unserer Serie »Blick zurück – Rahden damals« von Claus-Dieter Brüning
Wo sind die Eier geblieben?

Rahden (WB). Auf interessante Dokumente ist Rahdens Stadtheimatpfleger Claus-Dieter Brüning gestoßen. Im Stadtarchiv hat er regelmäßig Aufzeichnungen und Bilder gefunden. Dieses Mal geht es um die „Nichterfüllung der Eierablieferungspflicht in 1944“. Claus-Dieter Brüning schreibt:

Sonntag, 06.09.2020, 08:03 Uhr aktualisiert: 06.09.2020, 08:06 Uhr
Die Aufnahme von etwa 1946 zeigt Karl Fürhölter und seine Ehefrau vor dem Geschäft – später Elektro Bökenheide/Althoff und Creativ-Café.

Man begegnet sich immer zweimal, dachte ich, als ich im Stadtarchiv auf einen kleinen Schriftwechsel stieß, den Karl Fürhölter, Sohn des Kupferschmiedes Frie­drich Fürhölter, im Februar 1944 mit dem „Milch-Fett- und Eierwirtschaftsverband Westfalen in Unna“ geführt hat. Zu dem Schreiben von Fürhölter an die Behörde gehörte ebenso ein gesundes Selbstbewusstsein wie auch für damalige Zeit sicher etwas Mut.

Über Karl Fürhölter, dessen 125. Geburtstag sich in diesen Tagen jährt, haben wir schon im November 2014 im Zuge dieser Serie berichtet. Grund war die Neueindeckung der Rahdener St. Johanniskirche im Oktober 1908, für die sein Vater Friedrich Fürhölter das Kreuz angefertigt hat. 2013 wurde dann das Kreuz und die Kugeln auf der Spitze des Turmes ausgetauscht und man entdeckte in einer der Kugeln am Ende des alten Kreuzes einen Glasbehälter mit einem Zettel und Briefmarken drin. Es handelte sich um die Briefmarkensammlung des Sohnes eben jenes Kupferschmiedes. Der Zettel und der Glasbehälter mit Briefmarken sind heute im Eingangsbereich der Kirche aufgestellt.

Kreisbauernschaft

36 Jahre später bekam Karl Fürhölter es am 16. Februar 1944 mit dem „Milch-Fett- und Eierwirtschaftsverband Westfalen“ mit Sitz in Unna zu tun. „Bei der Überprüfung Ihrer Eierablieferung wurde festgestellt, dass Sie im Legejahr 42/43 180 Stück Eier zu wenig abgeliefert haben. Bevor ich weitere Maßnahmen ergreife, ersuche ich um sofortige schriftliche Stellungnahme, auf welche Ursachen dieses zurückzuführen ist. Futtermangel kann als Entschuldigungsgrund für die Minderablieferung nicht geltend gemacht werden. Ebenso können eventuell eingetretene Veränderungen im Hennen- oder Entenbestand nur dann berücksichtigt werden, wenn diese der Kreisbauernschaft oder dem Eiererfassungsbetrieb gemeldet waren. Hierfür ist eine schriftliche Bestätigung der betreffenden Stelle beizufügen. Die Richtigkeit Ihrer Angaben ist vom Ortsbauernführer oder Bürgermeister zu bescheinigen. Liegt die Rückmeldung mit Bescheinigungen nicht innerhalb von 10 Tagen vor, werde ich ohne Ihre Stellungnahme abzuwarten, eine Bestrafung wegen Nichterfüllung der Eierablieferungspflicht veranlassen.”

Hühnerkrankheit

Karl Fürhölter hatte jetzt ein Problem. Nach einer Woche des Überlegens antwortete er wie folgt: „... Im Besitze ihres vorstehenden Schreibens teile ich ihnen mit, dass ich als Nichtlandwirt mir im vorigen Jahre einige Hühner angeschafft hatte, die erst sehr spät legten und somit eine zeitige Eierablieferung nicht möglich war. Nachdem eine Legetätigkeit eingesetzt hatte und die Eierablieferung möglich schien, trat eine Krankheit unter den Hühnern ein, die es ratsam erscheinen ließ, die meisten Hennen abzuschlachten, so daß eine Eierablieferung fast gar nicht mehr möglich war. Ich bitte aus vorsehenden Gründen das Vorkommnis zu entschuldigen und habe meine Frau angewiesen, in diesem Jahr und wenn möglich noch darüber an Eiern prompt abzuliefern.” Unterschrieben ist das Schriftstück mit „H.H. Karl Fürhölter“.

Weiterer Schriftwechsel fand in dieser Sache nicht statt. Karl Fürhölter schien also Gehör gefunden zu haben. Gut, dass er nicht erwähnte, dass Max und Moritz die gebratenen Hühner mit einer Angel aus dem Schornstein gezogen hätten, denn mit der Obrigkeit war zu jener Zeit sicher nicht zu spaßen und Karl Fürhölter hatte sich jedes Wort seines Antwortschreibens sicher gut überlegt.

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