154. Teil unserer Serie »Blick zurück – Rahden damals« von Claus-Dieter Brüning
Im „Letzten Heller“ sangen viele Stars

Rahden (WB). Auf interessante Dokumente ist Rahdens Stadtheimatpfleger Claus-Dieter Brüning gestoßen. Im Stadtarchiv hat er Aufzeichnungen und Bilder gefunden. Dieses Mal geht es erneut um die Geschichte des traditionsreichen Gasthauses „Zum letzten Heller“ in Kleinendorf. Claus-Dieter Brüning schreibt:

Samstag, 15.08.2020, 06:00 Uhr
Dieses Bild zeigt den Wirt „Hellers Fitz“ – Friedrich Albersmeyer – (links) bei einer Karnevalsveranstaltung der Landjugend.

Im Jahr 1961 wurde im „Letzten Heller“ der großen Tanz- oder Festsaal eingeweiht. Dieser aufgrund seiner gelungenen Architektur einmalige Raum ist vielen älteren Gästen auch weit über Rahden hinaus in guter Erinnerung – gerade aufgrund der vielen prominenten Gäste und wegen der Tanzveranstaltungen, die von 1961 bis in die 1980er-Jahre regelmäßig dort stattfanden.

Es dürfte sehr viele Ehepartner geben, die inzwischen ihre Goldene Hochzeit begangen und sich einst im „Letzten Heller“ beim Tanzen oder Feiern kennen gelernt haben.

Als Tanzbands traten hier unter anderem die Kapelle Rose, die Regina Band, die Dominos, Albatross, Clan und die Frisbees auf.

Bis zu 800 Essen

Große Familienfeiern wie Hochzeiten – auch mit mehr als 300 Personen – waren keine Seltenheit. Bis zu 800 Essen konnten an einem Abend serviert werden. Kein Wunder, dass auch einige „Samba-Züge“ der Bundesbahn Rahden als Ziel den „Letzter Heller“ ansteuerten. So wurden in den 1960er-Jahren Betriebsfeste der Meyerwerft aus Papenburg oder auch der Firma Kraft aus Fallingbostel beim „Heller“ gefeiert. Die halbe Nachbarschaft half bei der Bewirtung dann natürlich mit.

Brigitte Albersmeyer legte mir vor einigen Wochen das Gästebuch vor, in dem sich fast alle der prominenten Schlagerstars oder Bands zum Teil auch mit Widmungen und Zeichnungen verewigt haben. Mit Jürgen Marcus, Billy Mo, Ramona, Roberto Blanco, Tina York, Lena Valaitis, Chris Montez, Christian Anders, Job Fleming, Juliane Werding und den Scorpions sind hier nur einige der damaligen Stars erwähnt, die stets für einen ausverkauften Saal – und das waren immerhin gut 1000 Personen – sorgten. Die Kraftfahrzeuge der Gäste parkten oftmals vom Kleinendorfer Kriegerdenkmal bis weit über das Specker Feld.

Schlange vor dem Gasthaus

Bereits um 19 Uhr – heute geht man wohl erst vier Stunden später los – stand man nicht selten in der Schlange vor dem Gasthaus an und begehrte Einlass. Erheblich früher nach Hause ging man damals allerdings nicht, sondern traf sich hinterher noch zum Spiegeleier-Essen.

Selbst der „Blaue Bock“ mit Lia Wöhr und Heinz Schenk hatte im „Letzten Heller“ in Kleinendorf ein Gastspiel, ebenso wie Rudi Carrell mit seiner Show und Dieter Thomas Heck mit der ZDF-Hitparade.

Den schönsten Eintrag im Gästebuch hinterließen für mich die „Four Kings“: „Lieber Fritz, liebe Albersmeyers! Wenn wir mal reich sind, spielen wir für Euch – und verlangen dafür keinen Heller!“

„Klimperkasten”

Ein weiterer Eintrag der Gruppe ließ sich nicht finden, was vielleicht auch daran liegt, dass sich Fritz Albersmeyer 1984 als Veranstaltungswirt aus dem Geschäft zurückzog. Noch einige Jahre konnte der Saalbetrieb aufrecht erhalten werden. Und in das Gebäude, in dem man früher für „den letzten Heller“ übernachten konnte, zog für einige Jahre der „Klimperkasten”, ein bei der Jugend angesagtes Szenelokal, ein. Heute ist es sehr still geworden um das Gasthaus, in dem einst der Fußboden zum Beben gebracht wurden. Der alte Gastraum aus dem Jahr 1912 ist bis heute erhalten geblieben.

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