Was passiert, wenn bei der Leitstelle ein Notruf eingeht?
„Jeder bekommt Hilfe“

Rahden (WB). Es ruft jemand bei der Leitstelle an und es kommt keine Hilfe? „Das kann eigentlich nicht vorkommen“, sagt Oliver Burkert, stellvertretender Leiter der Kreisleitstelle Minden-Lübbecke. „Jedem Anrufer werde weitergeholfen.“ Einen konkreten Fall hat diese Zeitung als Anlass genommen, einmal nachzufragen, wie ein Notruf – aus Rahden oder anderen Kommunen – dort entgegengenommen wird. Ein Rahdener (Name ist der Redaktion bekannt) hat aus der Reha seinen Fall geschildert: Er habe den Notruf gewählt , weil er unter ungewöhnlich starken Kopfschmerzen litt. Daraufhin sei kein Rettungsmittel geschickt worden. Erst nach einem weiteren Anruf sei er mit Gehirnblutung in eine Klinik transportiert und behandelt worden, so der Vorwurf.

Donnerstag, 11.06.2020, 02:00 Uhr aktualisiert: 11.06.2020, 05:03 Uhr
In den Rettungswachen im Kreis stehen die Spezialfahrzeuge bereit. Die Disponenten der Leitstelle koordinieren sie. Foto: WB-Archiv

„Wir zeichnen hier alle Notrufe auf“, sagte Burkert im Gespräch. „Laut Protokoll ist hier lediglich ein Notruf eingegangen, und zu diesem wurde auch zeitnah ein Rettungswagen entsandt. Alle Notrufe, die über die 112 erfolgen, laufen grundsätzlich in der Kreisleitstelle auf, werden protokolliert und für eine Zeitlang archiviert.

Im Gespräch mit Oliver Burkert wird deutlich, wie so ein Anruf vom Disponenten der Leitstelle entgegen genommen wird: „Es gibt derzeit kein einheitliches Verfahren der Notrufabfrage, weder auf Landes- noch auf Bundesebene. Eine strukturierte Notrufabfrage ist in vielen Leitstellen eingeführt und wird als Abfragesystem etabliert“, erläutert Burkert. In jedem Fall übernehme der Disponent die Gesprächsführung und frage zunächst ab, wo der Notfall eingetreten sei.

„Mit der genauen Adresse oder einer exakten Ortsangabe und der Telefonnummer können wir arbeiten und selbst, wenn dann die Telefonverbindung abbricht, ein Rettungsmittel entsenden. Das ist das Wichtigste. Diese Praxis hat seit Jahren Einzug gehalten“, erläutert der Experte. Danach hänge es von dem Gespräch ab, welche Maßnahmen ergriffen werden. Bei der Gesprächsführung sei der Disponent bisher noch relativ frei.

„Er muss entscheiden, ob es sich um einen Rettungsdienst- Feuerwehr oder Notdienst-Einsatz handelt“, sagt Burkert. Manchmal werde man auch kontaktiert bei Fahrzeugpannen oder zugefallenen Haustüren, weil der Anrufer nicht weiterwisse. „Geht es um einem medizinischen Notfall wird der Disponent genau nachfragen, wie es um Atmung, Bewusstsein und Ansprechbarkeit des Patienten steht, Er wird Helfern auch Anweisungen geben, wie weiter gehandelt werden sollte, etwa um eine Herz-Lungen-Wiederbelebung zu beginnen.“ Der Disponent begleite den Helfer oder Patienten bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes.

Ganz allgemein gilt bei der Notrufabfrage: „Der Disponent muss sich ein Bild der Lage machen und dann entscheiden. Daher ist die Ausbildung der feuerwehrtechnischen Beamten, die ausschließlich in der Leitstelle arbeiten, enorm wichtig.“ Deshalb hat ein Disponent zu seiner feuerwehrtechnischen Ausbildung auch eine rettungsdienstliche.

„Der Anrufer soll in der Leitung bleiben, bis der Disponent das Ende des Gesprächs signalisiert. Auch spätere Rückrufe sind möglich.”

„Dabei wird ganz genau nachgefragt. Es gibt etwa auch Kieferschmerzen, die auf einen Herzinfarkt hindeuten können. Es wird hier also nichts auf die leichte Schulter genommen, was die Patienten schildern“, sagt Burkert. „Jeder bekommt Hilfe, aber nicht immer führt ein Notruf zur Entsendung von Rettungsmitteln.“ Nicht ungewöhnlich ist eine hohe Auslastung der Rettungsmittel: „Gibt es viele parallele Einsätze, wird der beste Weg zur Hilfeleistung gesucht“, sagt Burkert. In grenznahen Bereichen zu Niedersachsen, wie etwa in Rahden und Stemwede würden sich die Leitstellen auch gegenseitig unterstützen und Rettungsmittel auf Anforderung in den anderen Bereich entsenden. „Man hilft sich gegenseitig aus. Das ist kein Thema.“

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