„Marie Diot“ bietet im Livestream-Konzert mehr als nur ein Geisterspiel
Kultur trotz(t) Kontaktsperre

Rahden (WB). Die Rahdenerin Julia Geusch und Partner Fabian Großberg haben zwar keinerlei Online-Berührungsängste, waren aber im Vorfeld sehr gespannt, was denn so, nach über 95 realen Auftritten, bei ihrem ersten Konzert ohne echtes Publikum auf sie zukommen wird. Umso überraschter waren die zwei sympathischen Musikprofis über die reibungslose Interaktion mit dem Computer-Publikum.

Dienstag, 02.06.2020, 02:00 Uhr aktualisiert: 02.06.2020, 05:01 Uhr
Julia Geusch (rechts) und Fabian Großberg (links) wissen die Vorzüge eines Livestreams zu nutzen. Foto: Peter Götz

„Es war viel toller, als ich erwartet hatte“ resümiert Julia Geusch im Telefoninterview am Morgen nach der Online-Premiere, „ich hatte schon einige Livestreams von Kollegen und Freunden vorher gesehen, die entweder wie im Fernsehstudio, also ohne Beteiligung der Zuschauer rüberkamen, oder Übertragungen, die beim Streaming und der Kommunikation technische Probleme hatten und dadurch nicht wirklich authentisch rüberkamen, deshalb wollten wir das zuerst gar nicht machen.“

Gut, dass sie sich dann doch darauf eingelassen haben, denn übertragungstechnisch lieferten die drei anwesenden Produzenten Ralf Giese (Ton), Oliver Knoblich (Bild) und Carl Giese (Chatkommunikation) eine souveräne Performance aus dem improvisierten, aber nicht minder hochprofessionellen heimischen „Wohnküchenstudio“ in Celle.

So wurden zwischen den Liedern die (durchweg positiven) Kommentare der etwa 200 Zuschauerinnen und Zuschauer eingeblendet, von denen offensichtlich viele aus Rahden bzw. Wehe stammten, wo Julia Geusch, durch ihre musikalischen Beiträge sehr bekannt ist und sicher auch zahlreiche Fans hat.

Typisch „Marie Diot“ ist der Umstand, dass die Beiden es schaffen, in einer 100-minütigen Show genau 13 Songs mit einer Spieldauer von knapp 40 Minuten unterzubringen und den Rest der Zeit mit, gefühlt spontanen, Wortbeiträgen zu füllen. „Musik und Quatsch“, so steht es auf der Marie Diot-Website, sei das prägende Merkmal des Duos, wobei mit „Quatsch“ keinesfalls Nonsens oder Klamauk gemeint sein dürfte!

Sicher, bei „Marie Diot“ gibt es viel Humor, aber immer als Ausdruck von tiefen oder sogar schmerzlichen Gefühlen, die, über eine künstlerische Transformation bis hin zur Umkehr, in musikalisch gängige Begriffe gepackt werden und das Zuhören so berührend machen.

Unterstützt wird das Ganze durch äußerst präzises kompositorisch-musikalisches Handwerk, das im Zusammenspiel mit dem jederzeit spürbaren Band-Gefühl zu dem wird, was es ist – ein eigener, unverwechselbarer Stil, dargeboten in Perfektion.

Das Schöne am Live-Stream Konzert vom 5. Mai ist die Tatsache, dass die Veranstaltung noch immer in voller Länge und ansprechender Qualität auf YouTube zu genießen ist und selbst als Aufzeichnung genauso spontan rüberkommt, als wäre man tatsächlich live dabei.

Auch der sprichwörtliche Optimismus, der Wortwitz und die Spielfreude finden nahezu verlustfrei ihren Weg von der virtuellen Wohnzimmerbühne in Celle auf die Bildschirme der inzwischen weit über 1100 Zuschauer. Einzig für den Ton sollten gute Lautsprecher zur Verfügung stehen, um der hochwertigen musikalischen Komponente gerecht zu werden.

Wer es sich also (nochmals) zu Gemüte führen möchte, findet die Aufzeichnung unter www.youtube.com im Internet. Ein kleiner Tipp: Die ersten 20 Minuten des Videos können Sie getrost überspringen, da sich dort nichts tut, außer, um es mit Julias Worten zu sagen: „Ratemusik“.

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