Krankenhaus Rahden fährt OP-Betrieb hoch – mehr Testkapazitäten für Covid-19
Bedingungen für Operationen sind wieder ideal

Rahden (WB). „Wir wollen die Behandlungen an den Krankenhäusern, wie hier in Rahden, wieder hochfahren“ , sagen Dr. Berthold Gerdes und Dr. Marcus Wiemer. Der Allgemeinchirurg und der Kardiologe werben dafür, dass die Bevölkerung wieder mehr Vertrauen in das heimische Krankenhaus bekommt.

Donnerstag, 07.05.2020, 06:00 Uhr
Der Allgemeinchirurg Dr. Berthold Gerdes (links) und der Kardiologe Dr. Marcus Wiemer werben für mehr Vertrauen in das heimische Krankenhaus. Laut den beiden Medizinern seien Operationen auch in Corona-Zeiten kein Problem. Foto: Michael Nichau

„Es gibt eine Entwicklung, die auch das Krankenhaus Rahden betrifft: Die Menschen haben Angst, sich bei einem Krankenhaus-Aufenthalt mit dem Covid-19-Virus anzustecken. Daher vermeiden sie, sich mit leichten Beschwerden an die Fachleute zu wenden. Und dann kann es vielfach zu spät sein“, meint Dr. Marcus Wiemer.

Bei akuten Beschwerden besser ins Krankenhaus gehen

Er ist Kardiologe (Herzspezialist) und sieht die Gefahr, dass die Patienten, die eigentlich etwa Herzbeschwerden wie Brustenge oder Atemnot haben, nicht ins Krankenhaus wollen und dies so lange wie möglich hinziehen. „Sie reagieren dann nicht richtig auf die Symptome. Bei einem Herzinfarkt kommen die Patienten dann oft spät, so dass oft bleibende Schäden auftreten“, sagt Wiemer. In Minden habe er dies an zwei Fällen feststellen können, die zu lange gewartet hätten, bis sie das Krankenhaus aufgesucht hätten.

„Mal erst ins Bett gehen und einen Tee trinken und hoffen, dass es wieder besser wird, ist die falsche Reaktion“ sagt er. Dann sei möglicherweise das Muskelgewebe des Herzens abgestorben. „Man spricht von den so genannten goldenen Stunden. Das sind etwa sechs bis zwölf Stunden, in denen man sich in Behandlung begeben sollte. Man darf keine Zeit verlieren.“ Und damit macht Wiemer klar: Das Herzproblem ist größer als die Gefahr, sich im Krankenhaus anzustecken.“

Testkapazität wurde erhört

„Wir sind traurig, weil in der Vergangenheit eigentlich viel Aufklärungsarbeit geleistet wurde. Die Prognosen hatten sich eigentlich verbessert, weil die Patienten eher zu uns kamen.“ Im Prinzip sei es in allen medizinischen Bereichen das Gleiche, ob es um Herzkrankheiten, neurologische Probleme (wie etwa Schlaganfall) oder aber Darmkrebs gehe. „Die Patienten sollen nach Möglichkeit einen Notarzt rufen, der sie sofort ins Krankenhaus einweist. In Rahden haben wir sogar die Möglichkeiten der erweiterten Diagnostik“, sagt der Chirurg. Bei schweren Fällen werde der Patient dann im Johannes-Wesling-Klinikum in Minden behandelt.

Er sehe vor allem das Problem, dass Menschen, bei denen etwa Blut im Stuhl festgestellt wurde, aus Angst vor Corona keine Darmspiegelung vornehmen lassen. „Sie setzen sich damit aber einem viel höheren Risiko aus, als sich zu infizieren“, sagt er.

Mittlerweile seien die Rahmenbedingungen ideal, um den normalen Betrieb für geplante Operationen in Rahden wieder aufzunehmen. Voraussetzung dafür ist eine erhöhte Covid-19-Testkapazität, die das Mindener Klinikum zur Verfügung stellen könne. „Wir haben mittlerweile zwei automatische Maschinen, die eine Testkapazität von bis zu 2000 Tests am Tag bereitstellen können. Zum Vergleich: Wir haben mit 150 Tests am Tag angefangen“, schildert Krankenhaus-Sprecher Christian Busse.

„So ist es jetzt möglich, Patienten, die eine OP vor sich haben, einen oder zwei Tage vorher auf Covid-19 testen zu können. Und auch an jedem unvorhergesehenen Patienten wird jetzt ein Rachenabstrich gemacht. Er kommt in ein Einzelzimmer, bis das Testergebnis (nach 12 Stunden) vorliegt“, erläutert Gerdes die neuen Maßnahmen zum Patientenschutz und ergänzt: „Es liegt uns daran, die Sicherheit zu maximieren.“

Narkosemittel ist zeitweise knapp gewesen

„Die MKK sind das einzige Krankenhaus in der Region, das diese Kapazitäten der so genannten PCR-Tests (dabei wird das Gen-Material des speziellen Corona-Virus identifiziert) vorhalten kann“, berichtet Busse.

Eines sei aber auch klar: Die bisher aufgeschobenen Operationen könnten nur im Rahmen der vorhandenen Möglichkeiten vorgenommen werden. Es gebe zudem noch andere Schwierigkeiten in der derzeitigen Krise: So seien etwa Filter für Beatmungsgeräte Mangelware und auch ein bekanntes Narkosemittel sei zeitweise schwer zu bekommen.

„Dennoch ist es derzeit möglich, diesen Schritt zu tun, aber wir müssen die Entscheidungen bei abweichenden Entwicklungen auch immer wieder überdenken“, sagen die beiden Mediziner.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7398406?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198399%2F2516046%2F
Alm-Auftrieb nach klaren Regeln
Krisenstableiter Ingo Nürnberger (links) und Arminia-Geschäftsführer Markus Rejek erläutern das Hygiene-Konzept. Foto: Thomas F. Starke
Nachrichten-Ticker