149. Teil unserer Serie „Blick zurück – Rahden damals“
Der Ostergruß kommt per Post

Rahden (WB). Auf interessante Dokumente ist Rahdens Stadtheimatpfleger Claus-Dieter Brüning gestoßen. Im Stadtarchiv hat er Aufzeichnungen und Bilder gefunden. Dieses Mal geht es um die Postkartensammlung einer Rahdenerin, die vor allem Oster- und Feiertagskarten aufbewahrt hat.

Samstag, 11.04.2020, 08:00 Uhr aktualisiert: 11.04.2020, 08:10 Uhr
Für die Feldpostbriefe (hier zur Jahreswende) nahm man auch schon mal eine Karte aus dem Land, in dem man gerade an der Front war.

Claus-Dieter Brüning schreibt: „Zu Beginn der Corona-Zeit stieß ich vor einigen Wochen im Stadtarchiv auf ein altes in Leder eingebundenes Album, dass sofort mein Interesse fand. Es war von den Nachfahren einer alten Rahdenerin, die ursprünglich einmal in Dahlinghausen gewohnt hat, vor geraumer Zeit dem Stadtarchiv vermacht worden.

Postkarten aus Zeiten des Ersten Weltkrieges

In der Postkartensammlung des Rahdener Stadtarchives hat Stadtheimatpfleger Claus-Dieter Brüning sogar ein Motiv von Zille (auf Platt) gefunden.

In der Postkartensammlung des Rahdener Stadtarchives hat Stadtheimatpfleger Claus-Dieter Brüning sogar ein Motiv von Zille (auf Platt) gefunden.

Über einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren hatte sie von 1911 bis 1922 Post-, Gruß-, und Ansichtskarten gesammelt und sorgsam im Album sortiert. Besonders interessant, waren die Karten, die sie von ihrem Freund und Verlobten in der Zeit von 1914 bis 1918, also während des Ersten Weltkrieges aus Belgien, Frankreich, Polen und Russland bekommen hatte. Diese Karten waren zunächst von Zuversicht später dann schon mehr von Hoffnung auf ein Wiedersehen geprägt. Auch die Karten selbst waren gerade in dieser Zeit auch optisch einer Wandlung unterworfen. Ob und was aus der Beziehung geworden ist, war aus den Karten nicht zu entnehmen.

Sogar eine Karte mit plattdeutschem Text und Motiven von Heinrich Zille war darunter. Soldaten betätigen sich hinter dem Schützengraben als Gärtner und bringen die Hoffnung zum Ausdruck, den ganzen Garten mit nach Hause zu bringen.

Erstaunlich viele Karten wurden in jener Zeit nicht nur zu Weihnachten und Neujahr sondern auch zu Ostern oder zu Pfingsten versandt. Spürbar wird beim Betrachten der Bilder aber auch, dass es den Schreibenden ebenso eine Freude bereitet haben wird, die Karten auszuwählen und sogar auch beidseitig zu beschriften, als auch den Empfängern, die nicht selten auch befürchteten, dass es auch die letzte Karte sein könnte, die von der Front die Heimat erreicht.

Schreiben von Briefen in Corona-Zeiten wieder aufleben lassen

Man glaubt es kaum, aber auch damals schon waren die Karten, die zu den Geburtstagen oder auch ohne besonderen Anlass geschrieben wurden, durchaus etwas frivol, zweideutig oder auch hintersinnig. Heute ist das Schreiben von Postkarten oder gar handgeschriebenen Briefen in Smartphonezeiten fast schon ausgestorben, denn wer nimmt sich heute noch die Zeit dazu? Aber wer kann sich heute noch wirklich an eine Mail oder Whatsapp erinnern, die mehrere Tage alt ist?

Die klassischen Ostergrüße an die Familie wurden ebenfalls mit Postkarten versendet.

Die klassischen Ostergrüße an die Familie wurden ebenfalls mit Postkarten versendet.

Aber die Idee des Schreibens von Hand scheint in der Corona-Zeit wieder aufzuleben. Das Rahdener Projektbüro ‚Miteinander und nicht allein – Zeit schenken Macht Freude‘ (Katzengasse 6, 32360 Rahden) nahm die Idee von vier jungen Leuten aus der Nähe von Freiburg auf, einfach mal jenem einen Brief zu Schreiben, die derzeit keinerlei Besuch empfangen dürfen (Bewohnern von Pflege- und Seniorenheimen). Wobei man ihren Namen gar nicht kennen braucht.

Wer weiß, vielleicht tauchen genau diese Briefe oder Karten in 100 Jahren wieder in einem verstaubten Lederalbum auf. Wie hieß es so schön, als vor mehr als 50 Jahren (1962) die vierstelligen Postleitzahlen (4993 Rahden) eingeführt wurden? ‚Schreib mal wieder!‘‘‘

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