Erste fünf Tests am Johannes-Wesling-Klinikum – alle bisher negativ
Kliniken rüsten sich für Corona

Rahden/Minden (WB). Das Virus kommt – so viel scheint sicher. Am Johannes-Wesling-Klinikum haben sich die ersten Personen auf das Corona-Virus testen lassen. Im Hintergrund der Informationsveranstaltung zum neuen Konzept des Rahdener Krankenhauses war Gelegenheit zum Gespräch mit den Fachärzten.

Mittwoch, 26.02.2020, 20:25 Uhr aktualisiert: 26.02.2020, 20:28 Uhr
Auch am Rahdener Krankenhaus wird vor den Eingang eine Corona-Test-Station gebaut werden, sagen die Mediziner. Foto: Nichau

„Die ersten fünf Tests sind in Minden durchgeführt worden. Es hatten sich Menschen mit Atemwegsbeschwerden gemeldet. Alle Tests sind negativ ausgefallen“, erklärte Professor Dr. Hansjürgen Piechota, Ärztlicher Direktor der Mühlenkreis-Kliniken.

Seit etwa einem Monat bereiten sich die Mühlenkreiskliniken auf das Auftreten der ersten Virus-Fälle in Deutschland und in Ostwestfalen vor. „Düsseldorf ist nicht mehr allzu weit entfernt“, sagte auch Prof. Dr. Carsten Gartung, Experte für Infektionskrankheiten in Minden und Rahden.

„Wir befürchten eine Mischung aus Angst, Selbstmedikation und Panik bei den Bürgerinnen und Bürgern“, hieß es von den Ärzten der Kliniken. Denn: Auch vor den Toren der Mindener, Lübbecker und Rahdener Krankenhäuser wird die neue Infektionskrankheit nicht halt machen.

„Wichtig ist, dass wir die möglichen Fälle aus dem Krankenhaus und auch aus der Notaufnahme heraus halten. Wenn auch nur ein Infektionsfall in die Notaufnahme kommt, sind alle dort gefährdet, einschließlich des medizinischen Personals“, sagte Gartung.

Und so erwägen die Mühlenkreiskliniken eine vorgelagerte Lösung mit Containern oder Zelten, in denen sich Verdachtsfälle untersuchen lassen können. „Es handelt sich um einen Abstrich. Das Ergebnis liegt innerhalb von 24 Stunden vor. Bis dahin müssen die betroffenen Personen zu Hause in Quarantäne bleiben. Das Gesundheitsamt muss auch informiert werden“, sagte Piechota.

Ähnliche Testorte seien auch für Rahden und Lübbecke angedacht. Denn: „Kommt auch nur ein tatsächlicher Corona-Fall in eine Notaufnahme, müssen wir vier 5 bis 7 Ärzte, Schwestern, Pfleger ebenfalls testen und aus dem Krankenhausbetrieb herausnehmen. Das würde unsere Personaldecke schnell ausdünnen.“

Man will sich also um Zelte oder ähnliches bemühen. „Vielleicht bekommen wir etwas von der Bundeswehr oder dem Roten Kreuz“, hoffen die Mediziner. Die Kliniken hätten im Vorfeld bereits entsprechende Schutzmasken für das Personal eingelagert. „Heute sind keine mehr zu bekommen“, berichtet Krankenhaus-Sprecher Christian Busse. „Die – auch deutschen Herstellerfirmen – liegen in China und das Militär dort lässt keine Lieferungen ins Ausland mehr zu“, sagt er.

„Erste Instanz, wenn jemand glaubt, an Corona erkrankt zu sein, ist der Hausarzt“, sagt Dr. Gartung. Doch wäre es fatal, wenn die Verdachtsfälle auch in die Wartezimmer geraten würden. „Wer meint, erkrankt zu sein, sollte den Hausarzt anrufen. Im Akutfall mit Fieber und Atembeschwerden werden die Patienten dann an die Krankenhäuser verwiesen“, sagte Dr. Piechota. In der Pflicht mit Nachweisen seien dann auch die Gesundheitsämter. Sie müssten Kontaktdaten erfassen und die Haus-Quarantäne überwachen.

„Für die tatsächlich Erkrankten haben wir besondere Stationen eingerichtet. Dort werden sie dann unter erheblichen Sicherheitsbedingungen fachgerecht behandelt“, so der Fachmann.

Wichtig für die Bürger sei weniger die Atemschutzmaske, als das regelmäßige Händewaschen beziehungsweise Desinfizieren, sagen alle befragten Ärzte. Sie fühlen sich von der Politik alleingelassen denn: „Die Abstriche für die Tests sind keine Leistungen der Krankenkassen. Hier wäre eine Entscheidung zur Kostenübernahme von der Bundesregierung von Vorteil“, sagen sie.

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