Gericht sieht Vorwürfe von Geiselnahme und sexueller Nötigung als erwiesen an – Revision ist möglich
Rahdener soll ins Gefängnis

Rahden (WB). Im Prozess gegen einen 28-jährigen Rahdener, der sich wegen mutmaßlicher Geiselnahme vor dem Landgericht Bielefeld verantworten musste, hat das Gericht am Donnerstag ein hartes Urteil gefällt: Es sah den Vorwurf der Geiselnahme in Tateinheit mit schwerer sexueller Nötigung als bestätigt an. Für den Angeklagten bedeutet dies drei Jahre und drei Monate Haft. Er kann allerdings noch in Revision gehen.

Donnerstag, 09.01.2020, 18:20 Uhr aktualisiert: 09.01.2020, 18:22 Uhr
Vor dem Landgericht Bielefeld ist gestern ein Rahdener schuldig gesprochen worden. Er soll Geiseln genommen haben.

„Ich habe keine Zweifel daran, dass sich die Geschehnisse am 30. November 2018 auf dem Waldgrundstück in Stemwede so zugetragen haben, wie die beiden Geschädigten es uns vortrugen“, stellte der Vorsitzende Richter Christoph Meiring gleich zu Beginn der Urteilsbegründung heraus. Für das Gericht gilt es nach drei Prozesstagen als erwiesen, dass der Rahdener eine 18-Jährige und ihren Stiefvater an besagtem Tag unter dem Vorwand, ihnen beim Umzug zu helfen, zu einem abgelegenen Waldweg in Stemwede gefahren hat. Hier habe er unter Drohung mit einer Pistole erst den Stiefvater ausgesetzt, um anschließend mit der Tochter zu einem weitergelegenen Waldweg zu fahren, um auch sie mit der Waffe zu bedrohen, wobei er auch versucht haben soll, das Mädchen zu vergewaltigen.

Gericht zweifelt nicht

Im Verlauf der Hauptverhandlung hatten sämtliche Zeugen, die auf unterschiedliche Art mit der Geschichte der Geschädigten in Kontakt getreten sind, diese als „ungewöhnlich“, „skurril“ und „abenteuerlustig“ bezeichnet. Für das Gericht bot dies allein aber keinen Anlass, die Gegebenheiten anzuzweifeln. Widersprüche in den Zeugenaussagen der Geschädigten, die Strafverteidiger Peter Rostek in seinem auf Freispruch gerichteten Plädoyer vortrug, sah es nicht: „Die Schilderungen der Geschädigten waren lebensecht und schlüssig“.

Dem Angeklagten stand bei der Urteilsverkündung der Schock ins Gesicht geschrieben. „Das ist nicht fair!“, hatte er schon zuvor mit Tränen in den Augen ausgerufen, als ihm die Gelegenheit zum letzten Wort eingeräumt wurde. Er sieht sich als Opfer einer Geschichte, die die Mieter der Wohnung seiner Schwägerin in weiten Teilen erfunden hätten, um ihn und seine Familie gezielt zu schädigen.

Keine Aussage gemacht

Der Angeklagte hatte sich im Rahmen der Hauptversammlung nicht persönlich zu den Geschehnissen eingelassen, jedoch fand über den Polizeibeamten, der die Erstvernehmung durchgeführt hat, seine Aussage in den Prozess Eingang. Er hat darin sämtliche Anklagevorwürfe in Abrede gestellt. Zwar sei es bei der besagten Autofahrt am 30. November 2018 zu einem Disput zwischen den Parteien gekommen, der derartig eskaliert sei, dass er erst den Stiefvater und dann, einige hundert Meter weiter, auch die 18-jährige Tochter aus dem Auto geschmissen habe. Er habe jedoch keine Waffe gehabt und schon gar nicht versucht, das Mädchen zu vergewaltigen.

Gab es eine Waffe?

Der Nachweis über die Existenz der in Rede stehenden Waffe, die bei der Durchsuchung des Beschuldigten nicht aufgefunden wurde, war ein entscheidender Punkt im Prozess. Das Gericht kam zu der Einschätzung, dass der Angeklagte zumindest eine echt aussehende Spielzeugpistole zur Drohung der Geschädigten verwendet haben muss, da es für die beiden Geschädigten in Bezug auf die Waffe keine Gelegenheit gegeben habe, sich abzustimmen: „Unabhängig voneinander haben die Zeugen bei Eintreffen auf den Bauernhöfen, die einige hundert Meter voneinander entfernt liegen, von einer Waffe gesprochen“.

Zwar nahm das Gericht insgesamt nur einen minder schweren Fall der Geiselnahme an, was zu dem für diesen Straftatbestand vergleichsweise geringen Strafmaß von drei Jahren und drei Monaten Freiheitsstrafe führte. Es ging damit jedoch bereits weit über das von der Staatsanwältin geforderte Strafmaß von eineinhalb Jahren Haft hinaus.

Die Staatsanwaltschaft hatte die Geiselnahme als nicht hinreichend bewiesen angesehen. Zu Gunsten des Angeklagten müsse davon ausgegangen werden, dass es nicht zu einer schweren Bedrohung der Geschädigten mit dem Leben gekommen sei, so dass nur der Vorwurf der versuchten schweren sexuellen Nötigung an der Tochter und der Nötigung des Stiefvaters bleibe. Die Kammer sah dies anders. Es bleibt abzuwarten, ob der Angeklagte nun in Revision geht.

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