Prozessauftakt: 28-jähriger Rahdener soll zwei Espelkamper entführt und mit Waffe bedroht haben
War es eine Geiselnahme in Stemwede?

Rahden/Espelkamp/Stemwede (WB). Was mit einem Hilfsangebot begann, soll in einer Geiselnahme geendet haben: Unter dem Vorwand, ihnen beim Umzug zu helfen, soll ein 28-jähriger Rahdener eine 18-Jährige und ihren Stiefvater in seinem Auto zu einem abgelegenen Waldweg in Stemwede gefahren und mit einer Pistole bedroht haben.

Freitag, 06.12.2019, 02:00 Uhr aktualisiert: 06.12.2019, 05:03 Uhr
Vor dem Landgericht Bielefeld hat sich derzeit ein 28-jähriger Rahdener zu verantworten.

Der 28-jährige Familienvater wirkte sichtlich angespannt, als er am Donnerstagvormittag auf der Anklagebank Platz nahm und erklärte, dass er in der vergangenen Nacht kaum geschlafen habe. Sollte sich der Verdacht auf Geiselnahme bewahrheiten, drohen ihm fünf Jahre Haft. Was ist dran an den schweren Vorwürfen gegen ihn? Mit dieser Frage befasste sich am Donnerstag die 10. Strafkammer des Landgerichts Bielefelds in der ersten Sitzung eines skurrilen Prozesses.

Dass sich dabei längst noch nicht klären ließ, was sich am 30. November 2018 auf einem Waldgrundstück in Stemwede zugetragen hat, liegt vor allem an einer schwer zu überblickenden Hintergrundgeschichte zwischen dem Angeklagten und den Geschädigten – einer zum damaligen Zeitpunkt in Espelkamp lebenden Familie.

Anfang November 2018 soll der Rahdener unter mehreren Vorwänden zu der Familie, insbesondere der 18-jährigen Tochter Kontakt gesucht haben, wobei er verschwieg, dass es sich bei ihm um den Schwager der Vermieterin der Wohnung in Espelkamp handelt, mit der sich die Familie im Streit befand. Möglicherweise wollte er die Familie durch sein Vorgehen zum Auszug aus der Wohnung bewegen. Doch hat er dabei tatsächlich zu derart drastischen Mitteln gegriffen, dass er die Frau letztlich entführte und mit einer Waffe bedrohte?

Schenkt man den Aussagen der 18-jährigen Geschädigten Glauben, hatte der Angeklagte am Morgen des 30. November 2018 angeboten, sie und ihren Stiefvater zum Baumarkt zu fahren, um Umzugskartons zu besorgen. Statt des Baumarkts habe er dann aber mehrere Feldwege in Stemwede angesteuert, wo die Stimmung im Auto plötzlich umgeschlagen sei:

„Er hat uns angeschrien und gedroht, wir sollten aus dem Auto aussteigen. Da sah ich seine Waffe“, schilderte die Zeugin. Ihr Stiefvater habe sich flach auf den Boden legen müssen, während sie vom Angeklagten im Auto zu einem anderen Waldgrundstück gebracht worden sei. Dort habe er sie angewiesen, weiter in den Wald zu gehen. Als er sich nach einem heruntergefallenen Gegenstand bückte, sei ihr schließlich die Flucht zu einem nahegelegen Bauernhaus gelungen.

Die 18-Jährige verstrickte sich während der Befragung teilweise in Widersprüche. So konnte sie – anders als noch bei der ersten Polizeibefragung – nicht mehr sagen, ob der Angeklagte auch gedroht hatte, sie und ihrem Stiefvater umzubringen und wann und ob er ihr die Pistole an die Schläfe gehalten habe. Auch auf die bedeutende Frage, ob der mutmaßliche Täter, nachdem ihr Stiefvater bereits zuvor ausgesetzt wurde, versucht hat, sie zu vergewaltigen, konnte sie keine eindeutige Antwort geben. „Ich hatte halt Angst und wollte das alles verdrängen. Es ist ja auch schon ein Jahr her“, erklärte sie die Erinnerungslücken.

In mindestens einem weiteren Termin wird das Gericht nun weiter ermitteln, ehe am 9. Januar ein Urteil verkündet werden soll.

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