Dr. Bert Honsel zieht Bilanz und blickt auf die Zukunft »Bürgermeister kann Motor sein«

Rahden (WB). Bert Honsel ist 2015 mit mehr als 60 Prozent von den Rahdenern zu ihrem Bürgermeister gewählt worden. Und dieses Amt möchte er auch weiterhin ausfüllen. Ob der Jurist, der über langjährige Verwaltungserfahrung verfügt, weiterhin im Chefsessel im Rathaus bleibt, entscheiden die Wähler am 13. September 2020. Dass er wieder antritt, ist jedoch schon klar. Seine Partei, die CDU, hat ihn erneut als Kandidaten aufgestellt. WB-Redakteurin Elke Bösch sprach mit Dr. Bert Honsel über Bilanz und Pläne.

Am Tag der offenen Tür öffnete Bürgermeister Dr. Bert Honsel auch die zu seinem Büro im Obergeschoss des neugestalteten und erweiterten Rathauses. Damals konnte er zahlreiche Besucher im Verwaltungsgebäude an der Langen Straße begrüßen.
Am Tag der offenen Tür öffnete Bürgermeister Dr. Bert Honsel auch die zu seinem Büro im Obergeschoss des neugestalteten und erweiterten Rathauses. Damals konnte er zahlreiche Besucher im Verwaltungsgebäude an der Langen Straße begrüßen. Foto: Florian Hemann

Dr. Honsel mussten Sie sich zur Kandidatur durchringen, oder gab es keine andere Option für Sie, als zum zweiten Mal anzutreten?

Dr. Bert Honsel: Letzteres ist eindeutig der Fall. Mir macht diese Aufgabe sehr viel Spaß, auch wenn sie nicht immer leicht ist. Natürlich muss ein Bürgermeister auch schwierige Situationen managen, aber da muss man durch. Ich freue mich einfach, dass mich die CDU so eindeutig nominiert hat und ich gehe mit dem CDU-Ticket in den Wahlkampf. Ich habe mir vorgenommen weiterhin ein Bürgermeister für alle Rahdener zu sein, aber meine politische Heimat sind die Christdemokraten. Ich möchte als Bürgermeister Motor sein und Projekte mit Herzblut begleiten.

Die Stadtverbandsvorsitzende Bianca Winkelmann hat Sie einen Glücksgriff für die Partei genannt und ihre hervorragende Arbeit gelobt. Wie beurteilen Sie selbst ihre Leistungen?

Honsel: Im März 2015 habe ich mir bei meiner Vorstellungsrede Ziele gesetzt. Ich wollte mich einsetzen für lebendige Ortschaften, für eine ansprechende Kernstadt, Rahden sollte als vielseitiger Bildungsstandort noch weiter ausgebaut werden und ein innovativer Wirtschaftsstandort sein.

Und konnten Sie diese Vorgaben erfüllen – sind zum Beispiel die Ortschaften lebendiger?

Honsel: Dank der Inanspruchnahme von Fördergeldern wurde im Rahmen des IKEK-Projektes in den Außenortschaften tatsächlich viel bewegt. So wird zum Beispiel ein Spiel- und Sportplatz in Varl, ein Dorfgemeinschaftshaus in Wehe oder die Renovierung des Kriegerdenkmals in Preußisch Ströhen umgesetzt. Eine gelungene Maßnahme ist zudem aktuell die Turnhalle in Wehe. Die Stadt hat dafür 100.000 Euro in die Hand genommen. Dabei haben sich viele Bürgerinnen und Bürger sowie die ortsansässigen Vereine eingebracht. Zu lebendigen Ortschaften gehören nämlich unbedingt die Vereine und die können sich meiner Unterstützung sicher sein.

Wie bewerten Sie generell das Engagement der Dorfgemeinschaften?

Honsel: Die sind in den Ortschaften sehr stark und für die Stadt auch unverzichtbar. Auf ihre Ideen und ihr Engagement möchte ich keinesfalls verzichten. So denke man nur an den kommenden Neubau der Kita für Varl und Sielhorst. Diese Idee ist aus den Dorfgemeinschaften gekommen. Das habe ich als Bürgermeister gerne aufgegriffen und mich persönlich dafür stark gemacht.

Die Feuerwehr ist auch ein wichtiges Thema – gleich zu Beginn ihrer Amtszeit, mussten Sie da ja Krisenmanagement betreiben . . .

Honsel: Sie sprechen den Zwist in der Löschgruppe Varl bezüglich des Standortes für das gemeinsame Gerätehaus mit Sielhorst an. Da war tatsächlich Krisenmanagement angesagt. Damals sind zu meinem Bedauern 13 Kameraden aus der Varler Gruppe ausgetreten. Doch es hat sich alles zum Guten gewendet. Wir haben ein funktionstüchtiges neues Domizil am richtigen Standort und eine schlagkräftige Löschgruppe Varl/Sielhorst, die sogar Zulauf von neuen Mitgliedern erhält.

Die Freiwillige Feuerwehr leistet ehrenamtliche Arbeit, genauso wie zahlreiche andere engagierte Bürger. Wird für sie genug getan?

Honsel: Auch das Ehrenamt gehört zu meinen Herzensangelegenheiten. Die Stadt zeichnet einmal im Jahr Menschen für ihren Einsatz für das Allgemeinwohl mit dem Ehrenamtspreis der Stadt Rahden aus. Zudem haben wir die Ehrenamtskarte eingeführt. Dass sie nicht nur Makulatur bleibt, dafür musste ich mich einfach einsetzen. Also habe ich mit unserer Familienbeauftragten Heike Krüger Klinken geputzt und wir haben zwei drei Tage in der Stadt Einzelhändler persönlich angesprochen. So ist es gelungen, zahlreiche Vergütungspartner zu finden – so viele wie keine andere Kommune im Kreis. Vergütungspartner gewähren den Inhabern der Ehrenamtskarte – wie auch die Stadt in ihren öffentlichen Einrichtungen – Rabatte.

Ein heftig diskutiertes und nicht unumstrittenes Thema war die Kernstadtsanierung. Ist sie aus Ihrer Sicht gelungen?

Honsel: Ja. Der Kirchplatz hat eine deutliche Aufwertung erfahren, ein Plus an Aufenthaltsqualität und an Attraktivität gewonnen. Und jetzt wollen wir diesen Platz mit der Kirchengemeinde weiter entwickeln. Ich könnte mir Mosaikstadtmöbel vorstellen und natürlich mehr Pflanzen. Auch dass die Eisdiele umgestaltet wird, halte ich für einen Gewinn für diesen Platz, dessen Sanierung natürlich in enger Zusammenarbeit mit der Kirchengemeinde erfolgte. Wir haben vertrauensvoll zusammengearbeitet. Jetzt freuen wir uns, dass der kleine Weihnachtsmarkt in diesem Jahr hier veranstaltet wird.

Wie beurteilen Sie die Entwicklung am Kirchring?

Honsel: Das ist für mich ein ganz wichtiges Projekt. Die Stadt hat die drei Häuser Lange Straße 4, 6 und 8 erworben, Dadurch können wir mehr Einfluss nehmen. Wir brauchen jetzt ein Masterkonzept und müssen die Gutachten des Denkmalschutzes abwarten. Es muss abgeklärt werden, ob die drei Objekte alle denkmalwürdig sind. Das ist in diesem Jahr nicht mehr zu schaffen. Wenn das, hoffentlich frühzeitig in 2020, geklärt ist, werde ich zusammen mit Bauamtsleiter Dieter Drunagel verstärkt nach Investoren suchen. Positiv stimmt mich auch, dass eine Nutzung in Aussicht steht.

Ganz in der Nähe zum Kirchring steht ein weiteres Gebäude, die Stadtbücherei. Gibt es dafür schon Pläne?

Honsel: Abriss ist natürlich auch eine Option, wenn die Bibliothek umgezogen ist. Dafür haben schon eine Förderbewilligung.

Und wie steht es um Rahden als innovativen Wirtschaftsstandort?

Honsel: Das Gewerbegebiet-Süd wird gut angenommen. Es ist fast gefüllt. Auch das Gewerbegebiet an der B 239 in Preußisch Ströhen entwickelt sich gut. Durch die Werkstraße für Meier-Guss haben wir ein wichtiges Unternehmen in Rahden gehalten. Ich habe ein gutes Verhältnis zur Geschäftsleitung seit meinem Dienstantritt aufgebaut. Diese hat ihre Versprechungen gehalten und an diesem Standort investiert, dabei Millionen in die Hand genommen. Meier hat geliefert. Die Eisengießerei ist ein wichtiger Gewerbesteuerzahler und Arbeitgeber für mehr als 200 Beschäftigte. Wichtig auch für Rahden, die Stelle für Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing wird nachbesetzt. Auch das schnelle Internet ist für die Wirtschaft unverzichtbar. In Rahden wird als zweite Kommune im Kreis das Glasfasernetz ausgebaut. Mein Ziel für die Zukunft: Alle Unternehmen und privaten Haushalte sollen einen Glasfaseranschluss erhalten. Dabei sind wir Kommunen allerdings auf weitere Fördergelder von Bund und Land angewiesen.

Sind Sie mit der Entwicklung auf dem Bildungssektor zufrieden?

Honsel: Dank dem Verbund mit der Grundschule Tonnenheide/ Wehe bleibt Preußisch Ströhen als Teilstandort erhalten und alle vier Grundschulen sind sicher. An der Sekundarschule wird neu angebaut, wir bekommen so eine tolle Sekundarschule, die – wie alle anderen Bildungseinrichtungen auch – dank Fördermitteln vom Bund digital sehr gut ausgestattet wird.

Während das Gesundheitszentrum, für das Sie und Bauamtsleiter Dieter Drunagel die neuen Investoren fanden, ein großer Erfolg war, bleibt das Krankenhaus ein Sorgenkind. Wie beurteilen Sie die Zukunft am Standort Rahden?

Honsel: Wir müssen unser Krankenhaus als somatisches Haus erhalten, spricht Notaufnahmebereich, Chirurgie und Innere Medizin behalten. Angesichts des Problems Ärztemangel erwarten wir Ideen aus der Feder der Mühlenkreiskliniken (MKK). Der MKK-Vorstand ist hier gefordert. Schließlich geht es um die Versorgung von 50.000 Menschen In Rahden und Stemwede sowie in den niedersächsischen Nachbargemeinden. Das Gesundheitszen­trum macht natürlich Freude. Leider hat Preußisch Ströhen seinen Arzt dadurch verloren. Wir arbeiten gerade daran, mit ÖPNV eine bessere Verbindung nach Rahden und damit auch zum Ärztehaus zu bekommen.

Der Klimawandel macht auch vor Rahden nicht halt. Welche Strategien verfolgen Sie?

Honsel: Erneuerbare Energien spielen für Verwaltung, Politik und mich persönlich schon seit längerer Zeit eine bedeutende Rolle. Wir haben in Rahden allein mehr als 100.000 Bäume neben unseren Straßen und Wegen über die Jahre gepflanzt. Städtische Gebäude werden zudem über Solaranlagen versorgt und sind CO2-arm saniert worden. Im Beekebruch sind darüber hinaus vier Windkraftanlagen mit einer Flügelhöhe von 250 Metern im Genehmigungsverfahren beim Kreis. Wenn diese gebaut sind, sollten wir Rahdener diese »Türme« allerdings erst einmal räumlich auf uns wirken lassen. Nach Expertenmeinung liegt schließlich ein riesiges Potenzial in Anlagen im Meer in Küstennähe.

Das Bürgermeisteramt besteht ja nicht nur aus Verwaltung und Politik, sondern Sie haben auch zahlreiche gesellschaftliche Verpflichtungen. Ist das nicht manchmal lästig?

Honsel: Nein, das ist für mich überhaupt keine Belastung. Ich besuche zum Beispiel die Vereine immer sehr gerne. Das ist keine lästige Pflicht, sondern ein reines Vergnügen. Der Kontakt zur Bevölkerung ist mir enorm wichtig. So kann ich mir eine Meinung bilden.

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