Stadtverwaltung möchte Bau-Möglichkeit für Neise und ATP schaffen
Gebäude-Eigentümer völlig überrascht

Rahden (WB). »Auf meinem Gelände wäre genug Platz gewesen, um die für den Neubau vorgesehenen Hallen zusätzlich zu errichten«, hat sich Helmut Neise, Eigentümer des Gebäudekomplexes, in dem sich die Firmen Neise, ATP-Autoteile und die Postfiliale befinden, in der Sitzung des Bauausschusses der Stadt Rahden entrüstet.

Freitag, 01.11.2019, 11:33 Uhr aktualisiert: 01.11.2019, 11:52 Uhr
Neise und ATP an der Weher Straße. Helmut Neise wollte – nach eigenen Angaben – einen Umbau mit neuem Eingang ähnlich Gosewehr und Röthemeier in Lavelsloh schaffen.

Hintergrund: Die drei Pächter des Geländes, die – nach Angaben von Helmut Neise – an Post und ATP untervermietet haben, wollen in Rahden neu bauen . Seit längerer Zeit seien die Geschäftsleute auf der Suche nach Möglichkeiten, hätten bei der Stadtverwaltung Rahden angefragt. Diese präsentierte in der Bauausschuss-Sitzung eine mögliche Planung für eine bislang unbebaute Fläche neben dem ehemaligen »Euro-Fuchs« an der Mindener Straße.

Dort – so weisen es die Entwürfe für die weitere Bauleitplanung aus – sei ausreichend Platz für ein Gebäude mit 1700 Quadratmeter Fläche für Neise und knapp 800 Quadratmeter für den Autoteilehandel ATP. Rund um das Gebäude sieht der (vorläufige) Entwurf eine Zufahrt und Parkplätze vor. Der Rest der Freifläche ist für Wohnbebauung vorgesehen.

Bebauungsplan ändern

Damit die Antragsteller die Fläche für ihre Zwecke nutzen können, ist eine Änderung des Bebauungsplanes erforderlich. Dieser sieht dann zwischen zwei Mischgebieten (Euro-Fuchs und Bebauung) ein »sonstiges Sondergebiet« für großflächigen Einzelhandel vor. Dies – so sagte es der Vertreter der Ingenieurplanung Wallenhorst – sei in einem zweistufigen Verfahren genehmigungsfähig.

Eigentlich eine »ganz normale« Änderung eines Bebauungsplanes. Doch dann eröffnete während der Sitzung in der Bürgerfragestunde der Eigentümer des Neise-Geländes neue Aspekte: Helmut Neise habe – nach eigenen Angaben – nichts von dem Bauvorhaben seiner Pächter gewusst. Und dies, obwohl er selbst wegen Umbauvorhaben und des Grunderwerbs von der S-Immobiliengesellschaft Gespräche mit der Verwaltung geführt habe. »Niemand hat mir auch nur ein Sterbenswörtchen gesagt«, zeigte er sich erschüttert von den Vorgängen, von denen er selbst erst aus der Zeitung erfahren musste.

Konzept entwickelt

Für ihn sei das Handeln seiner Pächter unverständlich und rätselhaft, zumal er auf Wunsch eines der Pächter ein Konzept für eine Erweiterung und Umgestaltung der Geschäftsräume erstellen ließ und dafür Geld in nicht unbeträchtlicher Höhe investiert habe.

»Nach diesem Plan wäre die Halle zur Weher Straße um etwa 1300 Quadratmeter erweitert worden. Allerdings würde demnach eine Feuerwehrzufahrt erforderlich. Diese konnte jetzt – es hat fast ein Jahr gedauert – von dem angrenzenden Grundstück der S-Immobilien-Gesellschaft erworben werden«, sagte Helmut Neise. Der Kaufvertrag liege seit Dienstag vor.

»Genug Platz vorhanden«

Die Begründung, die Pächter würden auf dem Grundstück keine Perspektiven zur Erweiterung sehen und deswegen neu bauen wollen, sieht Helmut Neise kritisch: »Das ist doch wohl ein Witz bei 13.000 Quadratmetern vorhandener Fläche.« Er richtete seine Bitte an Stadtverwaltung und Bauausschuss, den neuen Standort an der Mindener Straße zu verwerfen und eine gemeinsame Lösung mit Stadt Rahden, den Pächtern und ihm selbst zu suchen.

Die Resonanz der Ausschuss-Mitglieder war unterschiedlich: Udo Högemeier (SPD) sieht einen Konflikt zwischen Eigentümer und Pächtern. »Da sollte sich die Stadt nicht einmischen.« Er stellte die Frage, ob nicht auch das Euro-Fuchs-Gelände genutzt werden könne, erhielt vom Bürgermeister aber eine abschlägige Antwort.

Winrich Dodenhöft (Grüne) sprach sich gegen weitere Versiegelung von Flächen und damit gegen einen Neubau aus. Er regte an. Immobilien im Bestand zu nutzen. Annette Streich (CDU) stellte den Antrag, in der kommenden Ratssitzung zu entscheiden. »Es sind hier doch viele Fragen aufgekommen, die wir besprechen müssen.« Unterstützung erhielt sie aus den Reihen der SPD von Marion Spreen, die sich ebenfalls für einen Aufschub aussprach und Diskussionsbedarf sah.

Handel fördern

Thomas Möller (FDP) hingegen sprach sich dafür aus, das Neubauvorhaben anzustoßen. »Es ist ganz toll, wenn der heimische Einzelhandel investieren möchte. Das bedeutet, dass eine Zukunftsperspektive da ist.« Er regte aber an, sich auch über den Verbleib der Post Gedanken zu machen. Bürgermeister Bert Honsel sicherte zu: »Wenn es zur Planung kommt, werden wir auch mit der Post Kontakt aufnehmen.«

Keine Alternative

Honsel machte auch deutlich, dass die Verwaltung auf einen Antrag von zwei Firmen nicht anders reagieren könne: »An mich herangetragen wurde vor eineinhalb bis zwei Jahren der Wunsch, dass jemand neu bauen möchte. Es hat sich der Eindruck verfestigt, dass beide Firmen am Altstandort keine Entwicklungsmöglichkeiten sehen. Wir haben dann nach Alternativen gesucht, das Neubauvorhaben planerisch möglich zu machen und einen Vorschlag gemacht, wie dies zu lösen ist. Wir möchten die ›Einzelhandelsfirmen Neise‹ als Frequenzbringer für Rahden gerne in der Stadt halten.«

Die Pächter von Neise waren gestern nicht zu einer Stellungnahme bereit: »Wir möchten uns zurückhalten, um nichts auszulösen«, sagte Alexander Diener am Donnerstag auf Anfrage dieser Zeitung.

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