Mehr als 100 Motorradfahrer kommen zum Gottesdienst in Preußisch Ströhen
Glockenschläge für 98 gestorbene Biker

Rahden (WB). Zehn Glockenschläge ließ Roland Mettenbrink für die 98 Zweiradfahrer erklingen, die von Januar 2018 bis Ende April 2019 auf den Straßen in Nordrhein-Westfalen ihr Leben verloren. Der Himmel weinte für einen Moment, als viele Biker zum Gedenken an ihre verstorbenen Kameraden ein Kreuz aus Helmen legten.

Sonntag, 06.10.2019, 18:00 Uhr
Zum Gedenken an ihre Kameraden, die auf den Straßen ihr Leben verloren, legten die Biker ein Kreuz aus Helmen. Foto: Anja Schubert

»Jedes Opfer ist eines zuviel«, sagte der Gemeindepfarrer. Doch der Open-Air-Gottesdienst im Schatten der Immanuelkirche beim 17. Bikertreffens in Preußisch Ströhen bot auch wärmende Sonnenstrahlen und mit der Predigt von Bikerpfarrer Uli Hüsemann zudem Hoffnung.

Ausfahrt ab Nordpunkt

Mit mehr als 100 Maschinen aus der näheren und weiteren Umgebung war die Zusammenkunft PS-starker Maschinen, mit der am Nordpunkt traditionell Saisonabschluss gefeiert wird, trotz wechselhafter Witterung gut besucht. Beim Frühstück wurde bereits vor der Ausfahrt gefachsimpelt. Die Tour, die über Steinbrink in Richtung L 770 durch Rahden und entlang der Weher Bockwindmühle zum Schulhof in Preußisch Ströhen führte, stärkte einmal mehr das Gemeinschaftsgefühl.

Predigt beeindruckt

»Wenn dich das Motorradfahren vom Beten abhält, solltest du es vorher oder nachher tun. Wenn es dich aber zum Beten verleitet, solltest du deinen Fahrstil überdenken«, untermalte Pfarrer Hüsemann die Gratwanderung zwischen Genuss und Gefahr. »Das Bremsen und Beschleunigen, das Schwingen in den Kurven macht einfach Spaß, ein Gefühl, das man nur schwer beschreiben kann«, führte der leidenschaftliche Biker weiter aus.

»Aber es gibt auch diejenigen, die die Kurve nicht kriegen, ohne Raser zu sein.« Die Kurve kriegen nach der Schräglage, nach Erlebnissen, die einen aus der Bahn werfen, dieses Bild fokussierte der Seelsorger nicht nur auf das Bikerleben. »Der Blickkontakt zu Gott ist wichtig, denn er hilft uns durch die Stürme des Lebens und im Vertrauen, im Einlassen auf das Wagnis des Glaubens, kriegen wir die Kurve, oder haben jemanden an unserer Seite, der für uns die Kurve kriegt.«

Zum Abschluss des Gottesdienstes, der von der Band »Return« umrahmt wurde, durfte auch das knatternde Biker-Halleluja nicht fehlen.

Besondere Atmosphäre

»Es war eine mitreißende Predigt und ein sehr bewegender Gottesdienst«, zeigte sich Jörg Rosemann beeindruckt. Insgesamt überzeuge das Treffen mit einer ganz besonderen Atmosphäre, lobte der Bohmter, der zum ersten Mal dabei war und mit seinem Gefährt für großes Aufsehen sorgte – einem alten amerikanischen Polizeiwagen der Marke Fury, von denen in den Vereinigten Staaten in den 1970er Jahren nur drei Fahrzeuge gebaut wurden. »Ein Jahr habe ich nach solch einem Unikat gesucht. Dieser Wagen wurde in Kalifornien nur von einem Chief gefahren«, wusste Rose zu berichten. Zum Bikertreffen in Preußisch Ströhen hatte er durch Gerhard Obering, Mitglied des organisierenden Bikerstammtisches, gefunden, der bei einem Backtag in Oppenwehe auf das imposante Fahrzeug aufmerksam wurde. Nach dem Open-Air-Gottesdienst kehrten die meisten Biker zurück zum nördlichsten Punkt in NRW.

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