Rahdener Verein feiert 30. Geburtstag – Monika Büntemeyer zieht Bilanz
Der Kultur die Tür geöffnet

Rahden (WB). Seinen 30. Geburtstag feiert der Rahdener Kulturverein »KUL-TÜR« in diesem Jahr. Das hat WB-Redakteur Michael Nichau zum Anlass genommen, auf die Geschichte des Kulturvereins zurückzublicken und über aktuelle Projekte mit der Vorsitzenden Monika Büntemeyer zu sprechen.

Mittwoch, 04.09.2019, 02:00 Uhr
Blick in das unfrangreiche Gästebuch: Hier hat sich Olivia Molina nach einem Auftritt in der Rahdener Kirche eingetragen. Foto: MichaelNichau

Wie ist es eigentlich zur Gründung des Kulturvereins gekommen?

Monika Büntemeyer: Es gab im April 1989 die Idee, den Kulturverein neu zu gründen. Den hat es seit 1935 schon einmal gegeben. In den 60er Jahren stellte er aber die Arbeit ein. Mit der Neugründung sollte die Kultur in Rahden wieder verstärkt ins Blickfeld rücken. Es sollten auch alle Menschen mitgenommen werden mit Literatur, Musik, Theater und Ausstellungen.

Gab es damals Probleme?

Büntemeyer: Das Problem war im Prinzip dasselbe wie heute: Man hatte kein eigenes Haus, kein Theater. Das bot aber auch eine Chance: Man brachte die Kultur zu den Menschen. Und das mit kleinen Mitteln. Das Programm sollte keine Konkurrenz zu Heimatvereinen oder etwa dem schon bestehenden Volksbildungswerk in Espelkamp darstellen.

Wer war damals mit dabei?

Büntemeyer: Treibende Kräfte waren Detthard Wittler, Michael Heise, Rainer Tschech, Hans-Eckhard Meyer, Friedrich Stork und Frauke Marc. Frühzeitig holte man auch den damaligen Bürgermeister mit ins Boot. Gestartet wurde mit 237,50 Mark aus einer Spendendose.

Was sollte geboten werden?

Büntemeyer: Die Rede war immer davon, auch für unter 30-Jährige ein Programm anzubieten, das »getrost Ungewohntes und Schockierendes präsentieren« sollte.

Ziel war also konkret die jüngere Zielgruppe?

Büntemeyer: Ja vielleicht, aber wir möchten keine Konkurrenz. Es gibt in der Nachbarschaft andere Anbieter wie »Schäppchen« in Lübbecke, Weher Dorfgemeinschaft und den Verein JFK in Stemwede. Unser Ziel ist, dass wir für die Menschen schöne Abende schaffen. Es gibt schon andere spezielle Richtungen, aber die wollen wir vermeiden. Die Jugendlichen fahren für »ihr« Programm auch weiter bis nach Minden oder nach Stemwede. Unser Publikum ist aktuell die Altersgruppe um die 50 Jahre, die Zeit und Muße hat, abends auszugehen.

Wer sucht eigentlich die Programmpunkte aus?

Büntemeyer: Wir machen das zusammen. Es fällt aber oft schwer, Dinge anzubieten, die für mich zu platt sind, etwa Blödelabende mit zu niveaulosem Kabarett. Die Geschmäcker sind da sehr unterschiedlich.

Was waren denn Höhepunkte der Vergangenheit?

Büntemeyer: Mit Sicherheit die Auftritte der Dubliners bei Bohne, Dieter Nuhr, Hans-Dieter Hüsch, Scheibner (1992), Volker Pispers. Detthard Wittler hat das Händchen fürs Kabarett. Zu den Höhepunkte zählte auch die Beatles-Woche 2004 und der Besuch des bekannten Cartoonisten Uli Stein im Jahr 1996 in der Steinstraße. Das Kulturfrühstück beziehungsweise das Muttertagsfrühstück könnte man heute vielleicht wiederbeleben.

Sind mache Dinge vielleicht überreizt?

Büntemeyer: Wir bieten den Kabarettpreis »Rahdener Spargel« jetzt alle drei Jahre an. Sonst wird das zu viel. Auf der anderen Seite gibt es das Neujahrskonzert mit den Ungarn seit zehn Jahren. Was gut besucht ist, machen wir auch so weiter. Das ist ein Aushängeschild für Rahden.

Gibt es auch Dinge, die schwer angenommen werden?

Büntemeyer: Es ist mit den Schriftstellern nicht so ganz einfach, weil es auch in der Umgebung viele Lesungen gibt. Doch konnten wir hier mit Prominenten punkten, wie Max von der Grün, Mechthild Borrmann mit einer Krimi-Lesung und John von Düffel beim LandArt Festival. Aktuell ist es die Lesung von Lukas Rietzschel, mit der ich junges Publikum ansprechen möchte. Immerhin ist der Autor selbst auch erst 25 Jahre alt.

Die gute Mischung macht also ein gutes Programm?

Büntemeyer: Wir hatten große Namen hier, wie Wolf Biermann, Bläck Föös, Ulrike Folkerts, Katja Epstein, Helen Schneider und so weiter. Man kann sie nicht aufzählen. Immer aber haben wir auch Künstler aus der Region geholt, gefördert und ihnen eine Bühne gegeben: Julia Geusch (Marie Diot), der Chor WeTo, Uwe Müller, die Schatulle mit Beiträgen, die Mindener Stichlinge und der Jazz-Chor Minden.

Zu guter Letzt: Wo kommt eigentlich der Name des Rahdener Kulturvereins her?

Büntemeyer: Die Namensgebung hatte leichte Geburtswehen . . . »Kulturgemeinde« wollte man nicht. So kamen dann Namen wie »Klappstuhl«, »Gießkanne«, KuKuK (Kultur und Kunstkreis) auf. Sie fanden aber keine Mehrheit. »KUL-TÜR« stammt von einem Plakat von Friedrich Stork aus dem Jahr 1985. Damals gab es einen Kulturabend in der Schatulle und auf dem Flugblatt war eine Tür abgebildet. Man kam dann wohl von »Litera-Tour« zu »Kul-Tour« und letztlich dann eben zu »KUL-TÜR«. Die Leute kennen heute nur diesen Namen und daran wollen wir auch nichts ändern.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6898377?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198399%2F2516046%2F
Experten begutachten Corona-Hygienepläne im Tönnies-Werk
Symbolbild. Foto: dpa
Nachrichten-Ticker