Archäologen graben auf Feld an der Kläranlage und nehmen ihre Theorie zurück
»Rahdener Burg« ist eine Speichergräfte

Rahden (WB). »Die vermeintliche Burg ist eine Speichergräfte.« Mit diesen Worten fasst Archäologe Dr. Hans Otto Pollmann die Ergebnisse von gerade durchgeführten Grabungen in Rahden zusammen.

Samstag, 03.08.2019, 02:00 Uhr aktualisiert: 03.08.2019, 03:00 Uhr
Im April 2016 hat Dr. Bert Wiegel (links) in einer Veranstaltung die Theorie erläutert, dass sich hinter den auf dem Luftbild erkennbaren Strukturen eine Burg verbergen könnte. Er hatte damals dem Bürgermeister die Großaufnahme geschenkt. Foto: WB-Archiv/Nichau

2016 hatten die Forscher aufgrund eines Luftbildes genau gegenüber des Rahdener Klärwerkes eine ringförmige Grabenanlage ausgemacht. Gemeinsam waren die Forscher rund um Dr. Bert Wiegel damals der Ansicht, eine weitere Rahdener Burg gefunden zu haben. Jetzt lüftet sich das Geheimnis um die drei konzentrischen Kreise, die sich unter der Ackerfläche befinden.

Asu dem 13. Jahrhundert

»Es soll in Rahden eine Burgruine aus dem 13. Jahrhundert geben. Diese hatten wir aufgrund des Luftbildes in diesem Bereich vermutet. Jetzt haben wir gegraben und wissen mehr«, sagt der Archäologe des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe.

Mit zwei Bagger-Schnitten in Nord-Süd und West-Ost Richtung wurde das Gelände erkundet. Gefunden haben die Wissenschaftler tatsächlich eine ringförmige Grabenanlage. »Diese ist aber wesentlich kleiner, als wir gedacht hatten. Die Gräben sind etwa 2 Meter breit und eineinhalb Meter tief gewesen«, sagt Pollmann, der die Grabungen leitete.

Ausmaße passen nicht

Für eine »Burg« wie vermutet, also einen hölzernen oder gemauerten Turm, der von Wassergräben umgeben war, habe dies nicht die richtigen Ausmaße, sagte Pollmann. Wohl aber lasse die Ringstruktur auf eine so genannte Speichergräfte schließen.

»Dabei wurde früher ein Speicher, Getreidelager oder ähnliches, mit einer Wall- oder Grabenanlage gegen Tiere oder Räuber geschützt«, erläuterte Pollmann im Gespräch mit dieser Zeitung. »Alles deutet wohl darauf hin, dass es sich um so etwas gehandelt haben muss.«

Zusätzlich haben die Archäologen Holzreste aus den Gräben gefunden. Mit Hilfe der so genannten C14 Radiokarbonmethode soll jetzt das Alter bestimmt werden. »Dann wissen wir auf etwa 50 Jahre genau, wann das Gebäude dort gestanden haben muss. Wir tippen auf die Zeit von 1500 bis 1800. Die Strukturen sind im Urkataster von 1827 nicht verzeichnet.«

Strukturen sind ähnlich

Eine ähnliche Struktur hätten die Wissenschaftler »Auf der Masch« entdeckt. Dort handele es sich vermutlich um einen ähnlich geschützten Bienenstand.

Die endgültige Datierung der Speichergräfte stehe aber erst Ende dieses Jahres fest, sagte Pollmann.

»Wir sind aber immer noch auf der Suche nach der großen Burg. Die muss es hier gegeben haben. Ein gutes Mittel für die Suche sind diese Luftbildaufnahmen, an denen man sich orientieren kann«, erläutert Pollmann. Gewissheit habe man jedoch immer erst, wenn tatsächlich gegraben würde.

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