Wasserwerksleiter Christoph Flieder: »Tiefbrunnen sind nicht betroffen – keine Gefahr«
Brunnenbesitzer dürfen Gärten wässern

Rahden (WB). Verärgerte Bürger sprechen vermehrt Hausbesitzer an, die ihre Gärten wässern und Rasenflächen sprengen. Sie weisen auf den Aufruf der Stadt hin, Trinkwasser zu sparen.

Freitag, 02.08.2019, 02:00 Uhr aktualisiert: 02.08.2019, 03:00 Uhr
Wasserwerksleiter Christoph Flieder an seinem Schreibtisch im Rahdener Rathaus. Er will für 2019 demnächst aktuelle Zahlen des Wasserverbrauchs vorlegen. Foto: Elke Bösch

Nur: Nicht selten gehen sie die Falschen an, denn in Rahden gibt es zahlreiche Hausbrunnen und Zisternen. Das bestätigte auch der Leiter des Wasserwerkes, Christoph Flieder, im Gespräch mit dieser Zeitung.

Wasserwerk nicht betroffen

»Dass ist es Ärger gibt, ist uns hier im Amt auch schon zu Ohren gekommen. Alle Gartenbesitzer mit Regenwasseranlagen dürfen wässern. Auch durch die Entnahme aus Haubrunnen werden unsere Brunnen in 25 Meter Tiefe in Wehe nicht berührt. Die legen unsere Brunnen nicht trocken«, betont Flieder. »Wir kriegen die Versorgung mit Trinkwasser hin, sie ist sicher gestellt. Wenn wirklich Not am Mann ist, helfen sich die Nachbarkommunen.«

Entnahme aus Überlauf

Und er stellt sich auch vor die Bauhofmitarbeiter, denn auch sie würden beim Wässern öffentlicher Flächen angesprochen, ob sie unbedingt wässern und gießen müssten, erzählt Flieder. »Die Bauhofmitarbeiter entnehmen das Wasser aber fast ausschließlich aus dem Regenüberlaufbecken an der Straße »Auf der Welle«, sagt er.

Brunnen bauen

Die Sportvereine habe die Stadt gebeten, das Bewässern der Rasensportplätze auf ein Minimum zu reduzieren. »Zum Teil gibt es aber schon Brunnen wie in Preußisch Ströhen. In Varl werde ein neuer Brunnen gebaut.«

Auch die SPD hat sich dieses Problems angenommen und einen Fragenkatalog erarbeitet, den Christoph Flieder beantwortet hat. »Wie groß ist die Gefahr, dass die Grundwasservorräte im Ortsteil Wehe so niedrig werden, dass ein Wassernotstand eintreten kann?«, wollen die Rahdener Sozialdemokraten unter anderem wissen.

»Kein Wassernotstand«

Flieder antwortet: »Die Gefahr eines ›Wassernotstandes‹ aufgrund zu geringer Wasservorräte ist im gesamten Stadtgebiet praktisch ausgeschlossen. Die sechs Brunnen des Wasserwerkes in Wehe reichen jeweils etwa 25 Meter tief. Eine derartige Grundwasserabsenkung durch gewerbliche oder landwirtschaftliche Entnahmen, die den städtischen Brunnen ›das Wasser abgräbt‹, ist nach Rücksprache mit den Wasserwerkern vor Ort in der Vergangenheit nicht nur nicht vorgekommen, sondern auch nicht möglich.«

Genaue Regelungen

Zudem benötigten Gewerbe und Landwirte eine Genehmigung des Kreises Minden-Lübbecke für die Entnahme aus dem Grundwasserkörper. Es würden maximale Fördermengen festgelegt, die Entnahme überwacht und Berichtspflichten festgelegt. »Beanstandungen haben sich bisher keine ergeben«, versichert Flieder.

Abendstunden kritisch

Die Bezirksregierung Detmold habe festgestellt, dass vor allem in den Abendstunden die Reserven in den Wasserwerken erheblich zurückgegangen seien, so dass diese zum Teil bereits kritische Werte erreichten. »Ursächlich hierfür ist anhand einschlägiger Erfahrungen die ausgiebige Bewässerung von Rasenflächen in den Abendstunden. Deshalb sind Aufrufe an die Bevölkerung zum sparsamen Umgang mit dem ›Lebensmittel Trinkwasser‹ ergangen«, berichtet der Wasserwerksleiter.

Bald neue Angaben

»Welche Wassermengen Landwirtschaft und Unternehmen mit Sonderkulturen jährlich gefördert?, fragte die SPD nach. Flieders Antwort: »Die verfügbaren Zahlen stammen aus dem Sommer 2017. In der Ausschusssitzung des Betriebsausschusses Wasser/Abwasser im September werden dann aber auch Angaben zum Stand Sommer 2019 gemacht werden«, kündigt Flieder an.

Zudem will die Verwaltung dann auch die Aspekte zur Wasserversorgungssituation in Rahden erläutern.

HINTERGRUND: Das sagt Meteorologe Friedrich Föst

»Der Juli 2019 geht als einer der trockensten in die Geschichtsbücher ein. In Rahden sind nicht mal 20 Liter pro Quadratmeter gefallen. Das toppt sogar noch den Juli 2018. Überhaupt ist das Jahr 2019 ein sehr trockenes bei uns, vor allem im Raum Stemwede und Rahden. Es fehlen neuerdings weit mehr als 100 Liter in der Bilanz, nimmt man 2018 dazu, dann sind wir schon rund 400 Liter unter dem langjährigen Klimamittel. 400 Liter. Das sind 40 volle zehn-Liter-Gartengießkannen auf jeden einzelnen Quadratmeter.

Eine unvorstellbare Trockenheit, die, von ein paar Unterbrechungen abgesehen, nun fast eineinhalb Jahre andauert. Zwar hat es mengenmäßig im Juli von Lübbecke bis Minden im Vergleich zum Raum Rahden mehr geregnet, dieses Plus setzt sich aber fast ausschließlich aus dem Gewittervolltreffer vom 20. Juli zusammen. Letztlich war es auch hier nur der berühmte Tropfen auf den heißen Stein.

Daher ist es nicht weiter verwunderlich, dass der Mühlenkreis oftmals die Waldbrandgefahrenstufen vier und fünf (mehr geht nicht, die Skala endet bei fünf) aufgebrummt bekam. Auch im heimischen Bereich haben die Feuerwehren viel zu tun gehabt.

Selbst wenn wieder verregnete Sommer kommen, werden, ist absehbar, dass in den nächsten Jahrzehnten wetterbedingte Einsätze nicht weniger werden. Und das gilt nicht nur bei Trockenheit! Die vergangenen Jahre haben gezeigt, wohin die Reise führen wird.

Kleiner Hoffnungsschimmer: Immerhin kommen jetzt ein paar Schauer und es kühlt auch ab. Somit wird zumindest die Wald- und Flurbrandgefahr gemindert.«

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