Die RAHDENER ZEITUNG sprach mit Heinz Hohnstädt über die Neugestaltung
Nicht alle finden Kirchplatz schön

Rahden (WB). Am Kirchplatz scheiden sich die Geister. Der Rahdener Bürger Heinz Hohnstädt gehört zu den Kritikern. Er versteht nicht, warum Politik und Verwaltung sich stur an den Plänen des Architekturbüros Adam orientiert haben. Seine Vorschläge dagegen komplett ignorierten. Mit sprach WB-Redakteurin Elke Bösch.

Donnerstag, 01.08.2019, 02:00 Uhr
So hat der Vorschlag von Heinz Hohnstädt für Neugestaltung des Kirchplatzes ausgesehen.

Herr Hohnstädt, sie haben vor zwei Jahren alternative Ideen zur Neugestaltung des Kirchplatzes präsentiert. Ist etwas davon umgesetzt worden?

Heinz Hohnstädt: Im Gegenteil! Politik und Verwaltung haben alles ignoriert und wahrscheinlich mehr Geld ausgegeben als meine Ideen gekostet hätten. Ich hätte die alte intakte Wegführung beibehalten und die verwahrlosten Grünflächen aufgearbeitet. Ein neuer Belag für die Wege hätte gereicht. Ein wichtiger Bestandteil meiner Ausführungen war die Angleichung des Niveaus am Kircheneingang. Da hieß es: Das Plateau ist denkmalgeschützt und müsse so erhalten bleiben. Nun hat man es trotzdem erneuert, dabei höher geführt und mit einer Rampe versehen. Die gewohnte Stolperfalle im Türbereich ist damit nach außen verlagert worden.

 

Sie haben auch Pläne für Begrünung und Abgrenzung vorgelegt. Was haben Sie favorisiert?

Hohnstädt: Auch einen schattenspendenden Solitär-Baum mit interessanten künstlerischen Sitzelementen fand sich in meinen Ausführungen und der wird jetzt als Nachbesserung gefordert. Ein Baum auf dunklem Stein bringt zwar Schatten aber keine Linderung bei Hitze. Das funktioniert nur im Verbund mit einer Grünfläche. Wichtig war für mich die deutliche Abgrenzung zur Straße. Statt einer Hecke in großzügiger Linienführung nun eine Granit-Sitz-Kurve und eine flache Bordstein-Linie, die noch mit Pollern verstärkt werden soll – eine Arbeitsbeschaffung für das Karosserie-Handwerk.

 

Es ist mir noch gut in Erinnerung, dass sie eine Gestaltung mit einem Pavillon wünschte. Was steckte hinter dieser Idee?

Hohnstädt: Die Grundidee war ein Pavillon, der Highlight und Sehenswürdigkeit mit Strahlkraft für Rahden hätte sein können. Und eine anspruchsvolle Aufgabe für einige heimische Betriebe. Man argumentierte mit Denkmalschutz. Ich glaube allerdings, dass man sich einfach nicht getraut hat, mit Vehemenz dafür zu streiten. Mutige kreative Ideen hatten es in einer konservativen Umgebung schon immer schwer.

 

Wie reagierten die Bürger auf ihre Vorschläge?

Hohnstädt: Mit so viel Ignoranz auch aus der Bevölkerung hatte ich nicht gerechnet. Die Resonanz war gleich Null! Man hatte so sehr die Bäume und die Mauer im Focus, dass man trotz meines Hinweises bei der Präsentation Ende 2017 nicht realisiert hat, wie umfangreich die graue Granit-Fläche werden würde. Ohne eine perspektivische Darstellung war das auch für Laien nicht gut zu erkennen. Bemerkenswert ist noch, dass man für die einfache Planung bis zur Bekanntmachung ein halbes Jahr gebraucht hat, um sie dann in bester Merkel-Manier als alternativlos und mit der Begründung des Verfalls der Fördermittel kurz vor Ultimo durchzupeitschen. Das hat schon autokratische Züge.Vom Verfall der Fördermittel war übrigens bereits Ende des Jahres 2016 die Rede.

 

Die Platzgestaltung wird stark kritisiert. Können sie dem Kirchplatz noch etwas Positives abgewinnen?

Hohnstädt: Auch wenn die Verwaltung den Platz jetzt schönreden will: Kommunikativer solle der Platz nun sein. Vielleicht durch die vielen kritischen Bemerkungen, die dort getätigt werden. Die Gestaltung besteht aus zwei Ideen von zwei Personen. Vorbild der Idee des Bürgermeisters einer steinernen Großfläche war der Kirchplatz in Bad Essen, überhaupt nicht vergleichbar mit der Situation in Rahden. Das hat zu der tristen Atmosphäre des westlichen Platzes geführt. Das Mäuerchen und der schlichte Brunnen tragen wenig zur Auflockerung bei.

 

Gibt es für Sie auch Positives am Kirchplatz?

Hohnstädt: Die Forderung von Pfarrer Udo Schulte nach einem Ruhebereich mit einer kleinen Allee und Staudenbeeten ist, abgesehen von den klobigen Metall-Abgrenzungen, elegant umgesetzt worden und eine angenehme Bereicherung. Schließlich wollte man auch die Belange der Mauer-Schützer berücksichtigen. Ergebnis ist dieses Stück Alibi-Mauer in Granit. Wenn der Weihnachtsmarkt wie früher im Bereich der Kirche stattfinden kann, ist das natürlich ein positiver Aspekt.

 

Nun sollen Nachbesserungen vorgenommen werden. Was halten sie davon?

Hohnstädt: Lieber nicht! Wenn ein fertiggestellter architektonischer Entwurf nachgebessert werden muss, kommt es meist zu einer »Verschlimmbesserung«. Wenn schon dekoriert werden muss, dann aber auf hohem Niveau – mit Witz und Poesie. Man bewegt sich da am Rand von Kitsch und Albernheit. Ich denke, man hat hier bereits genug Steuergelder ausgegeben und sollte einfach einen Gewöhnungsprozess einleiten nach dem Motto »Ist das Kind erst auf der Welt muss es auch geliebt werden«.

 

Haben sie Ideen für eine Verbesserung des Platzes?

Hohnstädt: Wenn man zu angemessenen Kosten gestalterisch noch etwas verbessern will, kann man nur bei den vorhandenen Elementen ansetzen: dem Brunnen, der Mauer und insbesondere bei den Bänken, die mit ihrem banalen Design die Tristesse des Platzes noch unterstreichen. Ein Großbaum im vorderen Bereich würde später wieder den Kirchturm verdecken. Ideen, auch wenn sie von Laien kommen müssen professionell und qualitativ umgesetzt werden. Die Stadt könnte Interessierte mit Ideen zu einem Brainstorming in jeweils kleinem Kreis einladen oder gleich einen überregionalen Wettbewerb veranstalten. Dann muss aber Geld vorhanden sein und insbesondere der Wille, etwas Besonderes zu bekommen. Vielleicht sollte man zunächst an die beschlossene Insektenfreundlichkeit erinnern und die Bepflanzung der Beete überarbeiten.

 

Was meinen Sie zu der Randbebauung am Kirchring: Erhalt oder Abriss?

Hohnstädt: Selbstverständlich Erhalt in Kombination mit modernen Fassaden zur Langen Straße. Natürlich sind die Belange des Denkmalschutzes zu berücksichtigen. Ich sehe oft in der Fachpresse hervorragende bauliche Ergebnisse trotz Denkmalschutz. Wenn das Projekt für Investoren uninteressant ist, bleibt vielleicht das Prinzip Bauherren-Gemeinschaft: handwerklich begabte junge Leute machen die Sanierung in Eigenregie und schaffen sich so ihre Wohnimmobilie. Das wurde im Osten vielfach mit Erfolg praktiziert.

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