Fachleute stellen künftig hohe Ansprüche an öffentliche Bibliotheken
Stadtbücherei: Wohin führt der Weg?

Rahden (WB). Wie geht es weiter mit der Stadtbücherei Rahden? Mit dieser Frage haben sich am Mittwoch die Mitglieder des Kulturausschusses beschäftigt. Dabei ging es – voneinander unabhängig – um Konzept und neue Räume.

Freitag, 07.06.2019, 12:41 Uhr aktualisiert: 07.06.2019, 12:44 Uhr
In diesem Altbauteil der Grundschule Rahden könnte die Stadtbücherei auf drei Etagen ein neues Zuhause finden. Foto: Michael Nichau

Petra Büning und Christina Kaper von der Fachstelle für öffentliche Bibliotheken des Landes NRW informierten die Ausschuss-Mitglieder zunächst über die veränderten Ansprüche, die heutzutage an öffentliche Bibliotheken gestellt würden. Doch an erster Stelle für Rahden steht ein Umzug in neue Räume, vor allem wegen der möglichen Innenstadt-Förderung von bis zu 90 Prozent.

Dabei schlägt die Stadtverwaltung den direkten Wechsel der Einrichtung in den wenige Schritte von der derzeitigen Stadtbücherei entfernten und kaum genutzten Altbau der Grundschule Rahden vor. Dies biete sich vor allem wegen der bereits bestehenden engen Zusammenarbeit mit der Schule und wegen möglicher Fördermittel an. Manfred Cording vom Bauamt der Stadt präsentierte Umbau-Pläne für die ehemaligen Klassenräume, die die Stadt – nach Ratsbeschluss im Juni/Juli – bereits dem Förderantrag beifügen wolle und müsse.

Cording machte deutlich, dass es zum Umzug der Stadtbücherei keine Alternative gebe: »Das derzeitige Gebäude hat keine Wärmedämmung, so dass wir nach günstigen Möglichkeiten suchen«, sagte er. Und so biete sich ein Anbau mit Fahrstuhl (identisch mit dem Lift im Rathaus) an das vorhandene Grundschul-Gebäude an, um es barrierefrei zu machen.

»Im Inneren müssen wir einige Wände entfernen, so dass ein Veranstaltungsraum und größere Flächen entstehen«, sagte Cording. Nutzbar seien dort Keller-, Erdgeschoss und Obergeschoss mit knapp 560 Quadratmetern Nutzfläche. »Die Ansprüche des Brandschutzes sind mit den bereits erstellten Außentreppen schon gegeben. Das Dachgeschoss ist wegen des Brandschutzes nicht zu nutzen«, erläuterte Cording.

Ein weiterer Vorteil: Ein Teil des Außengeländes lasse sich als »Lesegarten« nutzen und sei schon in die geschätzten Baukosten integriert. Größer sei der Umbauaufwand im Keller. Dort müssten der Lichtgraben verbreitert und die Fenster vergrößert werden, erläuterte Cording. Er schätzt die Baukosten auf etwa 734.000 Euro. Zwei Förderanträge für 70 und 90 Prozent seien bereits gestellt.

Zweimal brachte Hannelore Kühnen (UWG) die Alternative am Schulzentrum in die Diskussion. »Auch dort müssten wir in der frei werdenden Realschule die Räume aufbrechen und es ist mit etwa identischen Baukosten zu rechnen«, wandte Bürgermeister Bert Honsel ein. »Wenn wir in der Innenstadt aber 90 statt 70 Prozent an Förderung bekommen, ist für mich deutlich, wo die Reise hingeht«, sagte er. Nach der Information durch die beiden Bibliotheksfachfrauen aus Düsseldorf will sich die Verwaltung von der Architektin der Bücherei-Fachstelle nochmals beraten lassen.

Über die von den beiden Frauen gestellten Ansprüche an eine öffentliche Bibliothek in einer Stadt der Größenordnung von Rahden muss noch in einem Arbeitskreis beraten werden. Immerhin sei eine der Voraussetzungen für eine Förderung von Personal und Innenausstattung die Schaffung einer dauerhaften Planstelle für eine Diplom-Bibliothekarin. »Die schlägt mit mindestens 60.000 Euro jährlich zu Buche«, meinte der Bürgermeister. Wohl aber wolle man die Ratschläge der Bibliotheks-Fachfrauen im weiteren Konzept berücksichtigen.

Das raten die Fachleute:

Man stehe vor einem digitalen Wandel, der sich bereits vollziehe. So lautete die Grundthese von Petra Büning und Christina Kaper von der Fachstelle für öffentliche Büchereien.

So sei eine Stadbücherei künftig nicht nur Entleihstelle für Bücher aus Papier, sondern ein Treffpunkt, in dem man Zugang zu Informationen habe, wo man an Projekten arbeiten und diese auch elektronisch präsentieren könne. Es müsse Veranstaltungsmöglichkeiten und dementsprechende Technik geben. Das Buch sei nur eines von verschiedenen Medien.

Vor allem an das Personal würden künftig höhere Ansprüche gestellt, daher begründe sich auch die Forderung nach einer qualifizierten Leitungsstelle.

»Man muss nicht alle Ansprüche erfüllen«, sagte Kaper. Dennoch gehe es darum, Räume und Treffpunkte mit hoher Aufenthaltsqualität zu schaffen. Vor allem auch die Ausstattung mit Internet-Zugangsterminals sei enorm wichtig für die Zukunft, wurde betont. Ob in Rahden der Zugang zu einem 3D-Drucker oder zu einer ausleihbaren Drohne erforderlich ist, sei eher fraglich. Wichtig sei eine konkrete Analyse: Was haben wir und was brauchen wir?

Ein KOMMENTAR von Michael Nichau

Was braucht Rahden? Mit Sicherheit geht der digitale Wandel nicht an der Stadt vorbei. Doch noch ist die Analyse – allein wegen des lahmen Internets – düster. Es stehen für die Schulen bereits jetzt nicht genügend Kapazitäten zur Verfügung. Dringend notwendig: der Glasfaser-Ausbau!

Ob die neue Bibliothek nun ein »flippiger Jugendtreff« oder ein »Bücher-Café« werden kann, müssen alle vor Ort entscheiden. Eine Frage sind auch die Kosten, denn anstelle in eine Diplom-Bibliothekarin könnte man ja auch in neue Regale, Internet-Terminals und E-Book-Geräte investieren.

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