Bauausschuss verschiebt Entscheidung über Einbahnstraßenregelung
Bürger machen ihrem Ärger Luft

Rahden (WB). Mit einer Einwohnerfragestunde hat die Sitzung des Bau- und Planungsausschusses der Stadt Rahden am Donnerstag begonnen. Damit, dass so viele Bürger mit Statements ihrem Unmut über die Verkehrsregelung auf dem »Weg ohne Namen« und auf der Straße »Stellerloh« Luft machen würden, hätten die Kommunalpolitiker wohl nicht gerechnet.

Samstag, 06.04.2019, 02:08 Uhr aktualisiert: 06.04.2019, 10:46 Uhr
Die Seitenstreifen am so genannten »Pattweg«, der Verbindung zwischen Weher Straße und Stellerloh sind deutlich zerfahren. Außerdem gestaltet sich die Einmündung mit dem Radweg (links im Bild) als sehr unübersichtlich. Foto: Michael Nichau

Da half auch der Hinweis des Ausschussvorsitzenden Wilhelm Kopmann nicht, dass diese Regelung nach der Bürgerfragestunde vom Ausschuss erörtert werden soll. Zu allererst fragte Jürgen Brase – er ist Landwirt und Anlieger an der Einmündung des Weges zu Stellerloh – wie er denn bei einer Einbahnstraßenregelung, wie sie die Fraktion UfR (Unabhängig für Rahden) beantragt hatte, mit Landmaschinen seine Hofstelle erreichen könne. »Mit Trecker und Anhänger komme ich dann nicht auf den Hof, wenn dort eine Einbahnstraße ist«, meinte er.

In der Sitzung durften sich Bürger nicht mehr äußern

»Es wird auf der Straße Stellerloh ständig gerast und alles kaputt gefahren«, sagte Sabine Warner. Außerdem kritisierte sie, dass immer vom »Weg ohne Namen« gesprochen werde. »Der heißt bei uns seit vielen Jahren ›Pattweg‹. Und so sollte man auch darüber reden.« Was unternehme die Stadt gegen die zerfahrenen Banketten und die überhöhten Geschwindigkeiten in den mit Tempo 30 verkehrsberuhigten Straßen, wollte sie wissen. »Welche Möglichkeiten haben wir Anwohner, etwas zu unternehmen?«

»Ich muss Frau Warner recht geben: Die Straßenränder werden tatsächlich kaputt gefahren«, meinte ein anderer Bürger. »Vielleicht gibt es eine Möglichkeit, die Straße (den Pattweg) offen zu halten und vielleicht mit Ausweichbuchten zu versehen.« Wenn man aus dem Pattweg eine Einbahnstraße mache, belaste dies den nördlichen Teil von Stellerloh umso mehr.

»Da muss eine vernünftige Überplanung her. Dies ist nicht in Ordnung. Es gibt außerdem keine Überwachung der Geschwindigkeiten«, entrüstete sich Warner weiter.

In der anschließenden Sitzung durften sich die Bürger nicht mehr äußern. Dieter Sprado (UfR) verteidigte den Antrag seiner Fraktion, den Pattweg in eine Einbahnstraße (mit Zufahrt von der Weher Straße) umzuwandeln. »Wir waren ursprünglich für eine komplette Sperrung dieses Verbindungsweges, stimmen aber jetzt für eine Einbahn-Regelung«, sagte er. Ansonsten kämen mit der ständigen Erneuerung der Banketten Kosten auf die Stadt zu, die nicht notwendig seien.

Negative Auswirkungen des Autoverkehrs

Auch Thomas Möller (FDP) unterstützte den Antrag der UfR: »Wir haben 2017 beschlossen, diese Straße offen zu lassen. Man sieht aber jetzt die negativen Auswirkungen des Autoverkehrs.

Marion Spreen (SPD) bemerkte, dass nach der Schließung der Straße »Auf der Welle« bei Meierguss der Verkehr über die übrigen Straßen laufe. »Das haben wir alle gewusst. Das ist keine große Überraschung. Eine Einbahnstraßenregelung wird daran nicht viel ändern«, meinte sie. »Eine Verkehrsberuhigung ist einfach nicht da. Es wird keine Rücksicht genommen, trotz der Blumenkübel.«

Auch Friedrich Schepsmeier stellte die Frage, ob da »gleich eine Einbahnstraßenregelung hermuss.« Er sehe d0rt – aus seiner Erfahrung – keinen starken Verkehr und keine Geschwindigkeitsüberschreitungen.

Bauamtsleiter Dieter Drunagel versuchte, die Wogen zu glätten, etwa indem er Landwirt Brase sagte, man könne eine Regelung zugunsten der Landwirtschaft aufnehmen.

Letztlich rettete Christian Krüger (CDU) die Situation: »Es ist doch wirklich nicht nötig, hier etwas übers Knie zu brechen. Wir sollten uns die ganze Situation einmal ansehen und objektive Fakten sammeln. Vor allem aber müssen wir die Bedenken der Anwohner aufnehmen.« Es sei doch nicht drängend, einen Beschluss über die Einbahnstraßenregelung schon in der kommenden Ratssitzung zu fassen. Vielleicht könne man ja auch aktuelle Verkehrszählungen durchführen, statt der bisherigen Schätzungen. Diese fasste Dieter Drunagel noch einmal zusammen. Auch er plädierte aber dafür, reale Zählungen durchzuführen. Letztlich wurde der Antrag der UfR-Fraktion zur Beratung in die Fraktionen verwiesen. Er wird bei der nächsten Sitzung wieder aufgegriffen. Bürgermeister Bert Honsel merkte noch kritisch an, dass die Einmündung des Pattweges in die Weher Straße zu einer unübersichtlichen Situation am dortigen Radweg führe.

Ein Kommentar von Michael Nichau

Auch eine Einbahnstraßenregelung, geschweige denn eine Schließung des so genannten »Pattweges« zwischen Stellerloh und Weher Straße, würde die aktuellen Probleme räumlich nur verlagern, aber nicht beseitigen.

Bei einer Einbahnstraßenregelung wären es – nach der vorgestellten Verkehrsschätzung – 190 Autos und bei einer Sperrung sogar 390 Autos, die dann den nördlichen Teil der Straße Stellerloh zusätzlich befahren würden. Und auch dort würden exakt die gleichen Probleme auftauchen, wie an anderen Stellen: Entgegenkommende Fahrzeuge müssen auf den Seitenstreifen oder sogar auf die Einfahrten von Anliegern ausweichen, um den Gegenverkehr durchzulassen. Ist kein Gegenverkehr da, erhöht sich die Geschwindigkeit der Autos – trotz Tempo-30-Schildern – merklich.

Haben also die Anlieger recht? Sind hier wirklich bei der Planung Fehler gemacht worden? Oder muss die Stadt Rahden einfach in den sauren Apfel beißen und die Banketten befestigen – vielleicht auch immer wieder?

Das wären Kosten, die auf die Stadt zukommen würden – egal wie die Entscheidung um die Einbahnstraßen-Regelung ausfallen mag. Die Politiker sind nicht zu beneiden.

 

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