Zu viele Widersprüche und keine Zeugen für angebliche Tat
Vergewaltigungsvorwurf: 27-jähriger Rahdener freigesprochen

Rahden/Minden (WB). »Vieles hat sich widersprochen. Und es sind auch ganz neue Vorwürfe erhoben worden. Die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte«, fasste der Vorsitzende Richter Dr. Homeier einen Strafprozess vor dem Schöffengericht Minden zusammen.

Dienstag, 02.04.2019, 18:18 Uhr aktualisiert: 02.04.2019, 19:06 Uhr
Von 9 Uhr morgens bis in den späten Nachmittag hat das Schöffengericht am Dienstag verhandelt. Foto: Michael Nichau

Angeklagt war ein 29 Jahre alter deutscher Staatsbürger mit afghanischen Wurzeln. Ihm wurde zur Last gelegt, seine heute 24 Jahre alte Ex-Ehefrau kurz nach der Hochzeit in Odessa (Ukraine) und noch einmal in Rahden vergewaltigt und ihr körperliche Gewalt angetan zu haben.

Aussage gegen Aussage

Vor Gericht standen letztlich Aussage des vermeintlichen Opfers und des Ehemannes gegenüber. Und auch die geladenen Zeugen, die Mutter des 29-Jährigen und dessen 27-jähriger Bruder, konnten wenig zur Aufhellung der Vorfälle beitragen, die sich bereits 2014 ereigneten.

So musste sich das Gericht allein auf die Aussagen der Ex-Ehefrau stützen, die – wegen der Intimität des Themas – unter Ausschluss der Öffentlichkeit befragt wurde. Viereinhalb Stunden dauerte die Vernehmung der jungen Frau, die – wie die Familie ihres Ex-Mannes – aus Afghanistan stammt. Sie ist jedoch über Jahre bei ihrer Familie in der Ukraine aufgewachsen.

Die heute 24-Jährige hatte bereits nach der Trennung von der Familie des Ex-Mannes und einem Aufenthalt mit ihrer bereits geborenen Tochter im Frauenhaus in Espelkamp bei der Polizei zu Protokoll gegeben, dass sie in Odessa unter Einfluss von Alkohol zum Geschlechtsverkehr genötigt worden sei. Dabei habe sie ihr Mann gefesselt und geknebelt. Es sei jedoch beim Versucht geblieben, den sie ihm – laut Aussage – später verziehen habe.

Genaue Fakten nicht einschätzbar

Doch auch nach dem Umzug nach Rahden habe sich die junge Frau drangsaliert und genötigt gefühlt und es sei zu weiteren sexuellen Übergriffen seitens des Ehemannes gekommen, mit denen sie nicht einverstanden gewesen sei. Auch der Umstand, dass sie zu diesem Zeitpunkt bereits schwanger gewesen sei, habe nicht zur Besserung der Lage in den beengten Verhältnissen in der Rahdener Wohnung beigetragen.

Was genau sich zwischen den beiden Eheleuten abgespielt hatte, entzieht sich jeglicher Kenntnis. Die in der Verhandlung befragte Schwiegermutter stritt jegliche Beleidigungen und das von ihr angeblich geforderte Ritual zum Beleg der Jungfräulichkeit der 24-Jährigen vehement ab. Auch habe sie nie das Schlafzimmer des Paares betreten. »Das ist im Islam eine Unmöglichkeit«, sagte sie vor Gericht.

Staatsanwältin zieht Anklage zurück

Und so erübrigte es sich für das Gericht, näher auf deren Angaben einzugehen. Der Bruder des Ex-Ehemannes gab an, er habe »keinerlei Probleme« in der Ehe bemerkt.

So blieb der Staatsanwältin nur, die Anklage zurückzuziehen, da es keine Zeugen und zu viele Widersprüche in den Aussagen des Opfers gebe. Dies allerdings rechtfertige nicht die Behandlung der Ehefrau aus Odessa. »Das war eine schlechte Ehe vermutlich mit viel Gewalt, Streit und Drohungen«, sagte sie.

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