Bundeswehr will Wittloge ausbauen – 600 Hubschrauber-Landungen – Schießbahnen
Erweiterungspläne sorgen für Kritik

Tonnenheide/Hille (WB). Ist es bald vorbei mit Ruhe und Naturschutz auf dem Truppenübungsplatz der Bundeswehr im Bereich Wittloge Range? Die Bundeswehr hat Pläne für einen Ausbau des Lande- und Schießplatzes im Norden der L 770 am Abzweig Hille.

Freitag, 08.02.2019, 08:00 Uhr aktualisiert: 08.02.2019, 14:16 Uhr
Der Schießstand Wittloge. Unmittelbar dahinter beginnt das Areal des weitläufigen Truppenübungsplatzes. Foto: Michael Nichau

Diese Pläne würden sich noch in einen frühen Stadium befinden, heißt es von der Bundeswehr. Doch sieht man bereits in den vergangenen Tagen Radlader und Lastwagen auf den Truppenübungsplatz fahren und Erde über die Wiesenflächen verteilen.

Das 150 Hektar große Gelände an der L 770 grenzt an Tonnenheide, Diepenau und Schmalge. Es ging in den frühen 1990-er Jahren von den Briten an die Bundeswehr über. Jetzt soll es zum Übungsplatz des Mindener Pionierbataillons ausgebaut werden.

Nabu soll Stellung nehmen

Das Gelände – vor allem die Wiesen vor dem Wald – liegen den Naturschützern des NABU Minden-Lübbecke am Herzen. Und so war es auch Vorsitzender Lothar Meckling, der als einer der ersten den Antrag der Bundeswehr auf Immissionschutzprüfung auf den Tisch bekam. Der NABU (Naturschutzbund) soll dazu eine Stellungnahme abgeben.

Der Inhalt des Antrags im Wesentlichen: Die Bundeswehr hat vor, das Gelände nördlich der Landesstraße an viereinhalb Tagen in der Woche für militärische Übungen zu nutzen. Drei neue Übungsschießbahnen seien dafür vorgesehen. Dort soll mit Übungsmunition aus Maschinengewehren geschossen werden. Geplant ist auch ein Sprengplatz.

800 Landungen

»Bisher landen dort häufiger die Bückeburger Heeresflieger mit ihren Hubschraubern«, sagte Meck­ling auf Anfrage dieser Zeitung. Jetzt sei aber vorgesehen, die Zahl der Hubschrauberlandungen auf 800 Im Jahr aufzustocken. Angesichts der Planungen machte Meckling keinen Hehl daraus, dass die Antwort des NABU negativ ausfallen werde.

Maßgebliche Prüfungsbehörde für den Antrag sei der Kreis Minden-Lübbecke. Von dort war noch keine Tendenz in der Beurteilung des Antrages zu erhalten. Wohl aber enthält der Antrag der Bundeswehr bereits ein eigenes Artenschutz-Gutachten. »Laut diesem liegt aus Sicht des Sachverständigen keine Betroffenheit bei Mensch und Tier vor«, verrät Meckling.

Lebensraum für Tiere

Der Nabu-Chef will diese Aussage so nicht hinnehmen. Er sieht vor allem im Wiesen-Bereich vor dem Wald Lebensbereiche für Feldlerche, Laubfrosch, Teichfrosch, Heidelerche und Wachtel. »Außerdem leben aus unserer Sicht in dem Bereich Wittloge Tierarten, die durch rollende Panzer und Schüsse ganz erheblich beeinträchtigt würden«, sagt Meckling. Zudem sei der so genannten »Bereich Wickriede« ein Ort, an dem es ungewöhnlich viele Orchideen gebe.

Menschen betroffen

Ganz andere Bedenken haben die Menschen aus den drei Anlieger-Kommunen: »17 Anwohner wären mit ihren Häusern davon betroffen«, sagt Ortsvorsteherin Marlies Schröder aus Schmalge. Wie sich zudem zeigte, ist die Stadt Espelkamp als unmittelbarer Nachbar des Gelände weder informiert noch im Verfahren des Kreises beteiligt worden. Das bestätigte Thorsten Blauert von der Espelkamper Bauverwaltung.

Lärmbelastung befürchtet

Und so regt sich Widerstand vor allem aus dem Bereich Osterwald. Auch dort gibt es ein Naturschutzgebiet und den Campingplatz. Dieses Naturschutzgebiet ist etwa 74,5 Hektar groß und liegt östlich von Schmalge auf beiden Seiten der L 770. »Besonders schützenswert sind dort die Eichen- und Hainbuchenwälder mit Sümpfen, Röhricht, Seggen und Hochstauden«, heißt es. Außerdem seien dort regelmäßig Amphibienwege zu sichern, lauten die Infos der Naturschützer. Auch dort wären schützenswerte Vogelarten ansässig, die möglicherweise durch Lärm und Schüsse beeinträchtigt würden.

Campingplatz in Gefahr

Sorgen um die eigene Zukunft macht sich aber auch der Campingplatzbetreiber Werner Vehlber. »Wenn die hier mit ihren Bundeswehr-Hubschraubern im Tiefflug drübergehen, wackeln die Möbel«, sagte er. Eine Ausweitung der Flugzahlen hält er für »unmöglich«. »Dann kann ich hier bald dicht machen...« Er hat sich bereits deutlich gegen die Bundeswehr-Pläne ausgesprochen und sucht Verstärkung bei Bürgern im benachbarten Hille. Er will protestieren, hat bereits eine Bundestagsabgeordnete im Verteidigungsausschuss angeschrieben.

»Die umliegenden Kommunen sind überhaupt nicht informiert worden«, beklagt er die Informationspolitik vor allem der Genehmigungsbehörde, des Kreises Minden-Lübbecke. Die sagt nur: »Es handelt sich um ein immissionsschutzrechtliches Verfahren. Das wird abgearbeitet.«

Ein KOMMENTAR von Michael Nichau

Niemandsland, diesen Eindruck erweckt das riesige Naturgebiet mit Wiesen und Wald nördlich der Landesstraße. Doch ganz klar: Das Gelände gehört der Bundeswehr und die kann eigentlich machen, was sie will.

Doch gerade auf Truppenübungsplätzen entwickelt sich die Natur positiv. Tiere und Pflanzen fühlen sich dort wohl. Schon aus diesem ökologischen Grund müsste der Kreis jetzt schon die Notbremse ziehen und die vorgesehenen Militär-Aktivitäten zumindest einschränken.

Dass auch Menschen betroffen sind – wenn auch wenige – wird erst auf den zweiten Blick deutlich. Drei Schießbahnen machen sicherlich erheblichen Lärm, auch wenn nur mit Übungsmunition geballert wird. Und gar Sprengungen? Da fallen die Camper am Osterwald aus dem Bett.

 

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