Müller-Martini investiert in Standort Rahden – Kurzarbeit nur zwei Monate
»Arbeitsplätze sind bei uns sicher«

Rahden (WB). Der Umgangston wirkt locker. Geschäftsführer Bernd Gosewehr hat das »Du« bei Müller-Martini in Rahden eingeführt. »Das gehört zur neuen Unternehmenskultur dazu«, sagt der 41-jährige Gehlenbecker.

Donnerstag, 07.02.2019, 02:00 Uhr aktualisiert: 07.02.2019, 07:00 Uhr
Der neue Geschäftsführer der Müller Martini Buchbindesysteme GmbH in Rahden, Bernd Gosewehr, setzt neue Schwerpunkte. Foto: Michael Nichau

Seit dem 26. Januar 2018 leitet er die Geschicke der Müller Martini Buchbindesysteme GmbH in Rahden. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Schweizer Familienunternehmen die Buchbinde-Sparte von Kolbus übernommen. Ein harter Umbruch für viele der 250 Mitarbeiter. Gosewehr selbst war seit November 2014 an der Seite von Kai Büntemeyer stellvertretender Geschäftsführer bei Kolbus, arbeitete zuvor in Konstruktion, Projektierung und war Gebietsverkaufsleiter des Rahdener Unternehmens.

I m Prozess des Übergangs sei er gefragt worden, ob er sich vorstellen könne, die Geschäftsleitung des neuen Unternehmens zu übernehmen und sagte zu . Unmittelbar mit dem Übergang der Kolbus-Sparte zu Müller-Martini startete das Unternehmen das Projekt »Matterhorn«. »Dabei geht es um die Integration des Standortes Rahden mit den Mitarbeitern in die Müller-Martini-Gruppe«, erläuterte Gosewehr.

Der Übergang, vorbereitet von Büntemeyer, den Gosewehr als »genialen Strategen« würdigt, brachte viele Unsicherheiten für die Mitarbeiter mit sich. »Das habe ich deutlich gespürt und nach der Betriebsversammlung auch Gespräche mit den Mitarbeitern angeboten«, erläuterte Gosewehr.

Mitarbeitet haben seit der Übernahme sehr viel geleistet

»Mein Büro ist immer offen«, sagt er und auch dies sei Teil der neuen Kommunikationsstruktur. Inzwischen sei der »Gemeinschaftsbetrieb« mit Kolbus aufgelöst. Müller Martini hat die Verwaltung in den ehemaligen Räumen der Kolbus-Forschung und Entwicklung untergebracht. »Auf einer Ebene mit meinem Büro«, erklärte er.

»Auf Augenhöhe« wolle er den Mitarbeitern begegnen. Transparenz aller Entscheidungen und Beteiligung werde ganz groß geschrieben. Es gebe einen Newsletter für die Beschäftigten.

Der Umbruch in beiden Unternehmen vor einem Jahr habe klar zu einer Verringerung der Aufträge in der gesamten Müller-Martini-Gruppe geführt, erklärte der Rahdener Geschäftsführer die angemeldete Kurzarbeit. »Die Kunden waren sich nicht mehr sicher, ob sie Kolbus- oder Müller-Martini-Maschinen bestellen sollten.«

»Im Dezember hat es jedoch schon eine Belebung auf dem Markt gegeben, die dazu führte, dass im Januar mehr Aufträge hereinkamen, die Ende Februar abgearbeitet werden. Daher wird es nur zwei Monate Kurzarbeit bei Müller-Martini in Rahden geben«, sagte Gosewehr.

Vor allem die Mitarbeiter hätten in dem einen Jahr seit der Übernahme sehr viel geleistet. »Sie haben sich offen und kon­struktiv eingebracht. Das hat zum Erfolg des Integrationsprojektes ›Matterhorn‹ beigetragen. Inzwischen haben die Mitarbeiter von sich aus vorgeschlagen, Schilder mit dem neuen Firmenlogo aufzuhängen und Müller-Martini-Arbeitskleidung zu tragen.«

Das Schweizer Unternehmen habe in Rahden im Millionenbereich investiert, schilderte Gosewehr. Dies mache deutlich, dass es den Standort Rahden tragen und hier investieren solle. Geld wurde etwa in neue EDV-Server, zeitgemäße SAP-Software und die Umgestaltung der Büros und Besprechungsräume – »Think-Tanks – genannt gesteckt.

Im Zuge der so genannten »5-S« Qualitätsoffensive haben die Mitarbeiter ihre Arbeitsplätze in der von Müller-Martini angemieteten Montagehalle umgestaltet. »Das ist jetzt ganz toll«, sagte einer der Arbeiter beim Rundgang durch die Halle. »Die Motivation ist da«, meinte Gosewehr.

Marktumfeld derzeit schwierig

»Langsam wird deutlich, dass hier niemand um seinen Arbeitsplatz fürchten muss«, sagte der Geschäftsführer. Er selbst sehe es als gutes Zeichen, dass Müller-Martini ihn als »Kolbus-Eigengewächs« zum Geschäftsführer gemacht habe. »Hier ist kein Schweizer im Betrieb«, meinte er.

Klar sei das Marktumfeld derzeit schwierig: »Es gibt keine Kataloge, keine Atlanten mehr« Doch Fotobücher und Bücher im Eigenverlag, kleine Stückzahlen würden Perspektiven für die Entwickler der Buchbindemaschinen aufzeigen. »Wir erhoffen uns eine planbare, stabile Auslastung durch die Zwei-Marken-Strategie: Es gibt weiter Kolbus- und Müller-Martini-Maschinen und einen gemeinsamen Vertrieb.«

Konkret für Rahden bedeutet das: »Wir sind ein reiner Montagebetrieb, haben auch alle 45 Kundendienst-Mitarbeiter übernommen«, erklärte Gosewehr. Kolbus sei zu fast 100 Prozent Zulieferer der Metallteile und der zugekauften Bauteile und liefere bis in die Regale von Müller-Martini. Die Teile würden dort zu fertigen Maschinen zusammengefügt.

»Für die Zusammenarbeit mit Kolbus ist extra eine Schnittstelle in der SAP-Software eingerichtet worden. Das ist nicht billig und zeigt, dass hier auf lange Sicht kooperiert werden soll«, betont Gosewehr.

Ein KOMMENTAR von Michael Nichau

Die Stimmung ist gut. Das war beim Rundgang durch den Betrieb spürbar. Jetzt ist zu hoffen, dass die allgemeine Konjunktur nicht erneut – wie schon vor einigen Jahren – einen Einbruch erlebt. Dann scheinen Müller-Martini und Kolbus – in den jetzt unterschiedlichen Sparten – hoffentlich ideal für die Zukunft gerüstet zu sein. Letztlich kann tatsächlich niemand wissen, wie sich der Markt für Buchbindemaschinen und auch Herstellungsmaschinen für Verpackungen (Kolbus) entwickelt. Sicher ist aber, dass nur Innovationen zählen. Diese haben beide Unternehmen im Programm.

 

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