Clemens und Monika Becker sehen Schaden am Haus als Folge der Druckwelle
Überschall-Knall ärgert die Rahdener

Rahden (WB). Ein Knall, die Scheiben klirren und der Schreibtisch wackelt. Das haben viele Rahdener am Donnerstag, 24. Januar, am frühen Nachmittag erlebt. Eine Explosion? Darüber wurde in den sozialen Netzwerken spekuliert.

Mittwoch, 06.02.2019, 14:22 Uhr aktualisiert: 06.02.2019, 14:24 Uhr
Monika Becker zeigt die Verwerfungen an den Fliesen in der Wohndiele: Fast fünf Zentimeter hat sich der Boden gehoben. Foto: Nichau

Doch es handelte sich um einen charakteristischen Doppelknall, der vorkommt, wenn Militärflugzeuge die so genannte »Schallmauer« durchbrechen. Dabei erzeugen

Überschallflüge

Für Tiefflüge von Kampfflugzeugen in etwa 300 bis 500 Metern Höhe gilt eine grundsätzliche Höchstgeschwindigkeit von 780 km/h über Land. Bei bestimmten Flugübungen, etwa Abfangmanövern, darf die Geschwindigkeit kurzfristig bis 880 km/h betragen. Oberhalb dieses Höhenbereichs darf bis knapp unter Schallgeschwindigkeit geflogen werden.

Bei Überschallflügen erreicht ein Kampfflugzeug eine Geschwindigkeit von mehr als 1200 km/h (entspricht 330 Metern pro Sekunde). Der dabei entstehende so genannte Überschallknall ist trotz enormer Flughöhe sehr deutlich am Boden zu hören. Zur Lärmverminderung darf nur bei realen Abfangeinsätzen, Testflügen und angemeldeten Übungsflügen schneller als der Schall geflogen werden. Test- und Übungsflüge im Überschallbereich sind nur oberhalb von 11.000 Metern und nur werktags zwischen 8 und 12.30 Uhr sowie von 14 Uhr bis 20 Uhr zulässig.

Quelle: Bundeswehr

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sie mit Flügelkanten und Heckleitwerk (daher Doppelknall) zwei Druckwellen, die auch am Boden zu spüren und zu hören sind.

Bestätigt wurde das Ereignis durch die Bundeswehr. Eine Anfrage dieser Zeitung bei der Pressestelle der Luftabwehr erhielt Antwort: »Die Auswertung der Radardaten vom 24. Januar um 14.14 Uhr hat ergeben, dass ein Überschallknall von einem Eurofighter der Bundeswehr verursacht wurde. Dieser befand sich etwa 31,5 Kilometer nordwestlich von Rahden in einer Höhe von etwa 12.283 Metern mit einer Geschwindigkeit von 1315 Kilometern pro Stunde« schreibt Oberfeldwebel Schmidt vom Luftfahrtamt der Bundeswehr.

An sich nichts Ungewöhnliches, doch in einem Fachwerkhaus an der Bremer Straße fühlen sich Clemens Becker und seine Frau Monika von dem Überschallknall und der Druckwelle geschädigt: »Am Tag nach dem Knall hat sich unser Fußboden in der geheizten Diele nach oben gewölbt«, beschrieb Monika Becker die Beobachtungen. Das Ehepaar ist fest davon überzeugt, dass der Schaden mit der Druckwelle in Verbindung steht, weil eine zeitliche Verbindung da sei.

Schäden durch Frost und Dehnung schließen die Eigentümer des Hauses aus: »Es ist Fundament unter den Bodenplatten und es ist auch kein Frost im Raum.«

Zuständig für Schäden durch Überschall-Ereignisse seien zunächst die Gebäudeversicherungen. »Das kommt aber immer auf die Versicherungsbedingungen in der Police an«, meinen Horst Schwarze (LVM) und Klaus-Dieter Döpke (Allianz) einvernehmlich. Schäden durch einen Überschall-Knall? »Das ist bei mir in 35 Jahren, die ich im Versicherungsgewerbe tätig bin, noch nicht vorgekommen«, sagte Döpke auf Anfrage. Horst Schwarze erinnert sich aber an einen Fall aus den 80-er oder 90-er Jahren: »Da ist eine Fensterscheibe durch so etwas zu Bruch gegangen.«

Die Nachweispflicht, ob es sich um einen Schaden durch die Druckwelle handele, liege aber immer bei den Versicherten selbst, betonen beide Experten. Und auch der Bundeswehrvertreter gab gleich eine Adresse für Regressforderungen an das Militär an: »Für die Bearbeitung von Schadensersatzforderungen aufgrund militärischen Flugbetriebs ist das Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr zuständig. Die Anschrift lautet: Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr, Dezernat DL II 1, Fontainengraben 200, 53123 Bonn.« Es besteht also Hoffnung, dass das Rahdener Ehepaar vielleicht doch seine Ansprüche geltend machen kann.

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