Kai Büntemeyer äußert sich auch zu Brexit und englischer »Tochter«
Ein Jahr Kurzarbeit bei Kolbus

Rahden (WB). Die Firmen Kolbus und Müller-Martini haben in Rahden Kurzarbeit angemeldet. Diese Vereinbarung wurde mit dem gemeinsamen Betriebsrat getroffen und gilt noch bis Ende des Jahres. Das hat am Freitag der geschäftsführende Gesellschafter der Kolbus GmbH bestätigt.

Freitag, 18.01.2019, 22:00 Uhr
Kai Büntemeyer zeigt eines der Bauteile für die Maschinen, die die hochwertigen Verpackungen anfertigen. Foto: Michael Nichau

Kai Büntemeyer nannte als Grund erhebliche Einbußen beim Absatz der Buchbindesysteme, die seit Anfang des Jahres von Müller-Martini auch in Rahden produziert werden. Damals hatte der Schweizer Marktführer diese Sparte von Kolbus übernommen, während Kolbus sich auf die Herstellung von Komponenten konzentrierte und gleichzeitig die Herstellung von Verpackungsmaschinen ausbaute.

»Umstrukturierung war richtig

»Die Entscheidung für diese Umstrukturierung hat sich jetzt als goldrichtig erwiesen. Denn so stehen wir zwar einem ärgerlichen Problem, aber keinem katastrophalen gegenüber.« Die Kurzarbeit bei Müller-Martini sei Folge des Absatzrückgangs besonders auf dem nordamerikanischen Markt. Dort verzeichnete man seit 2015 einen Rückgang von 25 Prozent. Problematisch seien auch die Märkte in Russland, im Nahen Osten und in Südeuropa. Ursachen für diese Entwicklung sieht Büntemeyer darin, dass in Nordamerika die Druckereien als Abnehmer der Buchbindesysteme eine starke Konsolidierung durchführen. »Die Druckindustrie ist durch die digitale Konkurrenz labil. Negative Wirtschaftsnachrichten, Handelskriege und die gestiegenen Zinsen in den USA nannte Büntemeyer als weitere Gründe für die unerfreulichen Absatzrückgänge.

Und davon sei auch Kolbus betroffen. »Zwar hat Kolbus das Geschäft mit Buchbindesystemen aufgegeben, aber das Unternehmen liefert fast alle Komponenten an Müller-Martini. »Wir haben noch weitere große Abnehmer, zum Beispiel Produzenten von Landwirtschafts- oder Kunststoffverarbeitungsmaschinen, aber deren Aufträge müssen, auch wenn sie bereits erteilt sind, erst vorbereitet werden. Das kann nicht ad hoc erfolgen.«

»Keine Kündigungen«

Das sei auch nicht die erste Absatzkrise bei den Buchbindesystemen. »Dank der Umstrukturierung steuern wir nicht auf eine Katastrophe zu«, erläuterte Büntemeyer, der betriebsbedingte Kündigungen ausschloss.

Als gut bezeichnete der Kolbus-Geschäftsführer das Geschäft bei den Verpackungsmaschinen, besonders durch sensationelle Zuwächse der Internethändler. »Denen können wir schnell Maschinen liefern, auf denen sie die gewünschten Verpackungen in kleinen, mittleren und großen Größen produzieren.« Darüber hinaus profitiere man vom Trend: weg vom Kunststoff hin zur Wellpappe. »Diese Sparte befindet sich weltweit im Aufwind.

»Keine Angst vor Brexit«

Die Fertigungshalle im englischen Werk in Bedfordshire in England.

Die Fertigungshalle im englischen Werk in Bedfordshire in England.

Deshalb entschloss sich Kolbus, – entgegen dem Trend, sprich trotz des drohenden Brexits – die britische Gesellschaft »Autobox Machinery« plus Tochtergesellschaft »British Converting Solutions« zu übernehmen. »BCS-Autobox ist unter anderem führender Hersteller von Maschinen für die Produktion von Kartons aus Wellpappe und entwickelt Spitzentechnik für Kartonproduktion in Kleinauflagen. Kolbus komplettiert damit die Neuausrichtung auf Packmitteltechnologie«, teilte die Firma mit.

Negative Auswirkungen eines Brexits für Kolbus befürchtet Büntemeyer nicht: »Zum einen haben meinen Informationen zufolge, beide große Parteien, Konservative und Labour unter der Hand den Unternehmen versichert, dass es sich nur um einen Volksverdummungsbrexit handele. Die Wirtschaft müsse sich keine Sorgen machen, es gebe nur ein bisschen Brexit, um das Wahlvolk nicht zu vergrätzen. Inzwischen wird das aber ganz schön brenzlig. Die könnten einen Brexit aus Versehen bekommen – bei dem, was dort jetzt in der Politik passiert.«

»Auf der sicheren Seite«

Aber verlassen habe sich Kolbus nie auf die vermeintlichen politischen Versprechungen, da das Unternehmen nicht betroffen sei. »Wir liefern Teile nach England und England Maschinen nach Deutschland und zwar einmal pro Woche.« Bei Verzögerungen von 24 Stunden nach dem Brexit habe das für den Lieferzeitraum von einer Woche keine Bedeutung. Stark betroffen seien dagegen Autohersteller, die auf schnelle, minütliche Anlieferungen angewiesen seien. Also auch wenn der Brexit kommt, sieht Büntemeyer Kolbus auf der sicheren Seite.

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