Laientheater »Schatulle« beleuchtet verschiedene Facetten des Schauspiels Kurze Stücke für jeden Geschmack

Rahden (WB). »Kurz und gut« gehen Krimi, Absurdes, Lustiges oder Dramatisches problemlos unter einen Hut. »Kurz und gut« lässt sich beweisen, dass Goethe & Co. heutzutage nicht mehr unbedingt etwas mit literarischem Feingeist zu tun haben. »Kurz und gut« lassen sich in nur wenigen Minuten schauspielerisches Talent, Spielfreude und jede Menge Herzblut erkennen. »Kurz und gut« kann leichte Kulturkost einen Abend voller Kurzweil garantieren und das Publikum begeistern.

Von Anja Schubert
Visuelles Highlight: Goethes »Zauberlehrling« zelebrierte seine Kunst in anmutendem Schwarzlicht.
Visuelles Highlight: Goethes »Zauberlehrling« zelebrierte seine Kunst in anmutendem Schwarzlicht.

Sie glauben es nicht? – Dann sollten Sie sich am Samstagabend davon überzeugen, wenn das VHS-Laienspielensemble »Schatulle« seine letzte Aufführung »kurz und gut« auf die Bühnenbretter im Rahdener Bahnhof bringt.

Sollten die Namen großer Literaten jetzt noch abschreckend wirken – keine Bange! Sie werden feststellen, dass beispielsweise Goethes »Zauberlehrling« heute so gar nichts mehr mit dem trockenen Stoff von einst zu tun hat. Warum sonst sollte der ambitionierte Knabe seine Zauberkunst wohl in anmutendem Schwarzlicht zelebrieren? Auch sonst verbirgt sich hinter den nicht ganz so bekannten zwei bis 15-minütigen Geschichten nicht das, was man eigentlich so erwartet.

Motiviert und belohnt von Szenen- und lang anhaltendem Schlussapplaus öffnete das 13-köpfige Ensemble um Regisseurin Edith Stöver bereits am Donnertag und Freitag seine »Wundertüte« mit den verschiedenen Facetten der Theaterwelt. Kurzfristige Krankheitsausfälle wurden zudem durch ambitionierte Umbesetzungen wettgemacht. Die Idee der Inszenierung von Kurzszenen war ebenso brillant wie die Bearbeitung der Texte für die Bühne, mit der Edith Stöver und Friedlind Thane den Nerv des Publikums trafen.

Kurzgeschichten wie »Zimmer mit Frühstück« (Roald Dahl), »Silvester« (Franziska Polansky), »Die offene Tür« (Saki), »Einbruch« und »Alles in Ordnung« (beide Kusz) sowie Loriots unvergessene »Liebe im Büro« und weitere waren mal lustig, spannend, makaber, aufregend und traurig in Szene gesetzt. Eine Achterbahnfahrt aus Ereignissen, Gefühlen und Situationen – einleuchtend, skurril und paradox wie das Leben selbst. Und wer noch immer denkt, dass solch ein Kulturabend nur etwas für das gehobene Alter und literarische Feingeister ist, irrt gewaltig. Denn es zog selbst die junge Generation auf die Bühne und auch davor in den Zuschauerraum.

Nicht nur, wer mit seiner besseren Hälfte einen unbeschwerten Kulturgenuss ohne lange Genrediskussionen verbringen möchte, sollte sich die letzte Chance an diesem Abend nicht entgehen lassen. Gespielt wird ab 19.05 Uhr im Rahdener Bahnhof. Karten gibt es direkt an der Abendkasse.

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