Unheimlicher Hintergrund verstärkt Spannung: Wilfried Bremermann liest aus Krimi Wenn am Nordpunkt eine Leiche hängt

Rahden  (WB). Ein einsamer, verlassener Ort in der dunklen, kalten Jahreszeit. Von Bäumen umgeben und in abendliche Finsternis getaucht, inmitten derer silhouettenhaft obskure bunte Stämme und Gegenstände in die Höhe ragen. Ein unheimliches, schauriges Areal – wie geschaffen für ein grausames Verbrechen.

Von Anja Schubert
Schaurig-schummrige Stimmung herrschte im Nordpunkthaus, als Wilfried Bremermann aus seinem Thriller las.
Schaurig-schummrige Stimmung herrschte im Nordpunkthaus, als Wilfried Bremermann aus seinem Thriller las. Foto: Anja Schubert

Ein solches erlebten etwa 70 Besucher am Nordpunkt in Preußisch Ströhen. Sie waren der Einladung der Heimatfreunde gefolgt, bei einer Lesung mit Autor Wilfried Bremermann Auszüge aus dem »Nordpunkt-Krimi« am Ort des Verbrechens zu erleben.

»Wir sind super zufrieden, dass das Angebot so gut angenommen wurde«, freute sich Heimatvereinsvorsitzender Bernhard Wietelmann über ein ausverkauftes Haus. Seit das Buch Anfang 2017 erschienen sei, habe man diese Lesung geplant.

Ein packender Thriller

»Das ist heute Abend keine Spaßveranstaltung, sondern ein packender Thriller«, stellte Wietelmanns Stellvertreter Timo Buschendorf in seiner Begrüßung heraus. Auch atmosphärisch hatten die Heimatfreunde vorgesorgt und zu unheimlicher Hintergrundmusik das Innere des Nordpunkthauses in verruchtes blau-rotes Licht getaucht.

Autor Wilfried Bremermann zeigte sich ebenfalls in bester Vorleselaune. »Es ist das erste Mal, dass ich an einem Ort des Geschehens lese. Das ist ein ungewohntes und tolles Gefühl.« Er liebe gerade die Lesungen in kleinem, persönlichen Rahmen, die auf Augenhöhe mit den Zuhörern stattfänden. »Als gebürtiger Rahdener war mir der Nordpunkt schon immer vertraut. Zu Preußisch Ströhen habe ich insbesondere ein enges Verhältnis, da ich in der örtlichen Stadtsparkassenfiliale seinerzeit meine Ausbildung begonnen habe«, sagte der heute in Hille lebende Hobbyautor, der berufsmäßig noch immer im Bankwesen zu Hause ist. Aus jener Zeit rührten noch viele Kontakte und Freundschaften, die ihm auch diesen Leseabend bescherten.

Für seine beiden Mühlenkreis-Krimis habe er erst die Handlung skizziert, dann die Schauplätze festgelegt, sagte Bremermann im Gespräch. »Es muss spannend und geheimnisvoll sein.« Die Schauplätze habe er während des Schreibens immer noch einmal besucht. »Es hätte sich ja inzwischen etwas Gravierendes verändern können.«

Publikum muss auch schmunzeln

Verändern – diese dichterische Freiheit nähme er sich dann doch ab und wann einmal. »Zum Beispiel habe ich mitten auf das Nordpunktgelände einen Maibaum gesetzt, an dem die Leiche baumelt«, erzählte der Autor schmunzelnd.

Zum Schmunzeln und zu anderen Heiterkeitsäußerungen hatten auch die Zuhörer immer wieder Gelegenheit. Denn Bremermann mischte in die packende Geschichte um Ermittlerin Lavinia häufig einen Funken Heiterkeit. »Du musst die Leute zum Lachen und zum Weinen bringen«, habe er sich das Motto von Rudi Carrell zu Eigen gemacht.

Bremermann skizzierte zunächst kurz seine Protagonistin Lavinia Borowski, die als Ermittlerin persönlich in einen Mordfall verstrickt wird. Dann machte er mit fünf Textauszügen die packende Handlung immer schmackhafter – mit dem Mord, der am Nordpunkt geschieht, Lavinia als Hauptverdächtige sowie scharfen Wortgefechten zwischen ihr und einem Kriminalkommissar. Ihre Unschuld nur mit Mühe beweisend, wird der Fall, je länger sie ermittelt, immer undurchsichtiger und gefährlicher.

Gut, dass das Team vom Moorhof Huck in der Pause zum Durchatmen eine kleine Stärkung bereit hielt und ebenfalls gut, dass der Autor nicht nur den Nordpunkt-Thriller für zu Hause im Gepäck hatte. Denn der eine oder andere Gast hatte in Sachen Heimatkrimi nun Blut geleckt.

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