Das Ende einer Ära: Friseur Manfred Grimmelmann schließt Salon zum Ende des Jahres Erfolgsgeschichte mit ganz eigenem Stil

Rahden( WB). Zu sehen, wie sich Menschen durch Styling verwandeln können, das habe ihn schon immer fasziniert. Nach einer Weltkarriere entschied sich Manfred Grimmelmann im Jahr 1972 dazu, den Friseurbetrieb seiner Eltern in Rahden weiterzuführen. Für ihn eine »Ehrensache«. Nun geht mit der Schließung des Salons in der Weher Straße 8 eine Ära zuende.

Von Mareile Mattlage

Sein Vater, der populäre Perückenmacher Hans Grimmelmann, frisierte im Jahr 1929 US-Diva und Schauspielgröße Louise Brooks. 1931 gründete er das Geschäft in Rahden, seinerzeit noch im Henke-Haus, wo sich der Salon bis 1952 befand. Es folgte der Umzug in die Räume in der Weher Straße 8, bis heute der Standort des Geschäftes.

Manfred Grimmelmann wurde 1941 geboren und bekam die Leidenschaft für das Friseurhandwerk also quasi mit in die Wiege gelegt. »Im Salon meiner Eltern habe ich gelernt«, erklärte der heute 76-Jährige im Gespräch mit dieser Zeitung. Die Meisterprüfung legte er im Jahr 1964 ab.

Wanderjahre bis nach New York

Seine »Wanderjahre«, wie er es selbst nennt, führten den passionierten Coiffeur von München und Berlin über London und Paris sogar bis nach New York. Er arbeitete mit berühmten Friseuren zusammen, war bei Foto-Shootings dabei und verantwortete bei Fashion-Shows das Styling.

Wichtig in seinem Werdegang ist ihm die Haar- und Hautkosmetik-Linie »La Biosthétique«, zu der er 1966 kam und die er nach eigener Aussage mit bekannt machte. Unter anderem habe Grimmelmann die erste Ammoniak freie Haarfarbe für »La Biosthétique« mitentwickelt.

Besonders in Erinnerung ist ihm geblieben, wie er in den »verrückten« 1960er Jahren im Theater des Westens in Berlin Perücken für das Musical »Hair« anfertigte – und zwar aus bis zu drei Meter langen Haaren. In Rahden gehören die »Frisurenshows«, die in den 80er und 90er Jahren mit bis zu 400 Personen im Hotel Bohne veranstaltet wurden, zu seinen persönlichen Höhepunkten. Eigentlich könne er sich aber gar nicht auf ein bestimmtes Erlebnis festlegen, sagt Grimmelmann. »Mein ganzes Leben ist verrückt gewesen«, schmunzelt er.

Salon immer stilvoll gestaltet

Der stilvoll in Weiß- und Creme-Tönen gestaltete Salon in der Weher Straße ist nach der Übernahme durch Manfred Grimmelmann drei Mal umgebaut worden, zunächst zum Beginn im Jahr 1972. In 1985 kam der Wintergarten im hinteren Bereich hinzu, die letzte Renovierung erfolgte vor sieben Jahren in 2010. Mehr als 200 Lehrlinge sind seit 1972 bei Grimmelmann ausgebildet worden. Zu den Hochzeiten bestand das Team aus bis zu 22 Angestellten.

Der Einzugsbereich reicht laut Grimmelmann bis nach Hamburg und Bremen. Auch konnte er seit jeher bekannte Persönlichkeiten in seinem Salon begrüßen, zum Beispiel Schauspieler, die am Theater in Espelkamp gastierten. Unternehmer Paul Gauselmann ist seit 60 Jahren Stammkunde des Hauses.

Neben seiner Tätigkeit in Rahden ist Grimmelmann bis heute in ganz Europa unterwegs, sei es für Typberatungen, Seminare oder Foto-Shootings auf Mallorca. Den Salon in Rahden schließt er zum Ende des Jahres. »Ich habe leider keine Nachfolge gefunden«, erklärt der 76-Jährige, der zusammen mit seinem Lebenspartner in dessen Salon »La Hode« in Bückeburg aber weiter als Biosthétiquer tätig sein möchte.

Grimmelmann übt Kritik

An der aktuellen Entwicklung kritisiert Grimmelmann den Preisverfall und eine gewisse »Abflachung« des Friseurgewerbes im Bereich der Dienstleistungen. Manch einer könne heute kein Auge mehr vernünftig schminken oder mit einem Lockeneisen umgehen, meint Grimmelmann. Das heutige »Lohndumping« bezeichnet er als »unmoralisch«.

Das aktuelle Team bestehend aus drei Mitarbeiterinnen möchte sich nach der Schließung neu orientieren. Der Salon inklusive der darüber liegenden Wohnung ist von Merkur-Immobilien gekauft worden und steht ab 1. Januar 2018 zur Vermietung frei.

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