»Kulisse ist traumhaft«: Teilnehmer und Besucher sind angetan vom Markt in Rahden Mittelalter regiert am Museumshof

Rahden-Kleinendorf (WB). Wer kennt es nicht? Das Handy klingelt, im Postfach warten einige E-Mails und auch sonst sind unzählige Dinge zu erledigen. Manch einer möchte da gerne die Zeit anhalten. Zu ihnen zählt auch Sebastian Schneemelcher. Der Oldenburger gehört zu jenen Freunden vergangener Zeiten, die es am vergangenen Wochenende zum mittelalterlichen Treiben auf den Museumshof verschlagen hat – »zur Entschleunigung«, wie er selbst sagt.

Von Florian Hemann
Mit Präzision am Werk: Peter Hamelmann hat den Besuchern gezeigt, wie einst Pfeilspitzen geschmiedet wurden. Er hat sich das alte Handwerk zum Hobby gemacht.
Mit Präzision am Werk: Peter Hamelmann hat den Besuchern gezeigt, wie einst Pfeilspitzen geschmiedet wurden. Er hat sich das alte Handwerk zum Hobby gemacht. Foto: Florian Hemann

Und mit dieser Einstellung war er nicht allein. Hunderte, meist ausgefallen kostümierte, Besucher zog es am Samstag und Sonntag oft von weither in das

Rahdener Freilichtmuseum. Im normalen Leben arbeiten sie etwa als Lehrer, Polizisten oder Bürokauffrauen. Doch an den Wochenenden wechseln sie die Kleidung und werden zu Gauklern, Krämern oder Handwerkern.

Einer von ihnen ist auch Peter Hamelmann. Sonst dreht sich für den 56-Jährigen beruflich fast alles um Zahlen, Daten und Technik. Anders ist es an den Wochenenden. Dann lässt der Informatiker den Computer links liegen und wird zu Peter, dem Schmied. Mit Hammer, Blasebalg und Pfeile hat er im Museumshof viele Blicke auf sich gezogen.

Schon Erfahrungen gesammelt

»Drei bis fünf Mal im Jahr bin ich auf solchen Märkten wie dem hier in Rahden«, sagt er im Gespräch mit dieser Zeitung. Die Hand hat er derweil am Metallstab, der in der 1800 Grad heißen Schmiedekohle liegt. »Ein paar Verletzungen hatte ich natürlich schon«, verrät er und fügt lachend hinzu: »Aber nur ganz kleine. Das bleibt nicht aus.«

Mit Präzision hat er vor den Augen der Zuschauer Pfeilspitzen hergestellt. Es lässt sich dabei nur erahnen, wie viel Übung dafür vonnöten ist. Vor zwölf Jahren hat er dieses Hobby für sich entdeckt. Die handwerkliche Arbeit sieht er als willkommene Abwechslung zur Tätigkeit als Informatiker.

»Es ist eine Flucht aus dem Alltag«, sagt der bereits erwähnte Sebastian Schneemelcher. Als Wächter hat er die Besucher an der Eingangspforte gemeinsam mit Timo Drewello willkommen geheißen. »Es ist einfach auch mal ganz schön, auf Elektronik zu verzichten. Stattdessen hat man hier dann Spaß mit Gleichgesinnten«, sind sich die beiden jungen Männer einig.

Kleiner aber feiner Mittelalgter-Markt

Von dem Markt in Rahden zeigen sie sich sehr angetan. »Er ist klein, aber fein und vor allem gut organisiert«, sagt Schneemelcher. Wie auch in den Vorjahren zeigten sich für den Erfolg des Treffens Museumshofleitung und der Verein »Die Recken zur Porta« verantwortlich. In diesem Jahr war es bereits die fünfte Auflage.

Was von den Besuchern vor allem gelobt wird, ist der Veranstaltungsort mit der Burgruine. »Das passt einfach unglaublich gut«, findet Katharina Bergmeier. Sie gehört mit ihrem Ehemann zu den zahllosen Händlern, die ihre Waren zum Verkauf angeboten haben: von der Holzmulle über den Bogen bis zu Kräuterpflanzen.

Am Sonntagabend endete das Mittelalterliche Treiben. So ging es für die Gaukler, Krämer und Handwerker wieder zurück ins Hier und Jetzt und in den Alltag als Lehrer, Polizist oder Bürokauffrau.

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