Straßen stehen unter Wasser – Hagelkörner zerbeulen Autos – Bäume entwurzelt­ – mit Video Unwetter richtet enorme Schäden an

Rahden/Espelkamp/Stemwede (WB). Das extrem starke Unwetter mit Hagel, Blitz und Donner sowie Starkregen hat am Freitagnachmittag, wie berichtet,  für Chaos im Norden des Altkreises Lübbecke gesorgt. Die Schäden sind nach ersten Feststellungen der Rettungskräfte enorm. Schuld daran ist auch eine Windhose, die im Bereich Espelkamp auftrat.

Von Dieter Wehbrink und Felix Quebbemann
Die riesige Eiche vor dem Paul-Gerhard-Haus stürzte auf das benachbarte Häuschen am Sportplatz, wo gerade Schüler am Feiern waren.
Die riesige Eiche vor dem Paul-Gerhard-Haus stürzte auf das benachbarte Häuschen am Sportplatz, wo gerade Schüler am Feiern waren.

Verkehr

Autofahrer konnten bei dem Gewittersturm nicht mehr weiterfahren, Straßen und Parkplätze standen unter Wasser, weil die bis zu sieben Zentimeter dicken Hagelkörner-Klumpen die Regen­wasser-Abläufe und Gullys der Straßen verstopften. An der L 770 und im Bereich Stemwede waren zahlreiche Bäume umgestürzt. Die Landstraße musste ebenso voll gesperrt werden wie die Twie­hauser Straße.

Gebäude

Bei der Firma Rila in Levern brachte das Unwetter ein Dach zum Einsturz. Erst im August des vergangenen Jahres hatte dort ein Starkregen schwere Schäden am Firmendach angerichtet. In der Rethlage in Destel beschädigten umgestürzte Bäume drei Wohnhäuser schwer. Dicke Eichen kippten dort um. »In mindestens einem Fall ist ein Gebäude nicht mehr bewohnbar«, sagte Gemeindebrandmeister Joachim Lübke vor Ort.

In der Rahdener Stadtsporthalle, so teilte ein Bürger unserer Zeitung telefonisch mit, sollen die Lichtkuppeln des Daches vom Hagel zerstört worden sein, so dass Wasser von oben eindringen konnte.

Hagel und Autos

Eine böse Überraschung erlebten viele Autobesitzer: Die dicken Hagelkörner, vom starken Sturm noch beschleunigt, hatten Dächer und Motorhauben der Fahrzeuge zerbeult. Kurz nach dem Ende der Niederschläge schauten sich in der Rahdener Innenstadt viele Autofahrer entsetzt ihre beschädigten Wagen an. Manche griffen zum Fotoapparat, um die Dellen auf dem Autodach für die Versicherung zu dokumentieren.

Keller

An vielen Stellen im Nordkreis waren Keller vollgelaufen. »Die Feuerwehren kommen nicht mehr hinterher – so viele Notrufe treffen derzeit in der Leitstelle ein«, sagte die Polizei in Minden.

Bahn

Die Eurobahn konnte aufgrund der Unwetterschäden zwischen Holzhausen und Rahden nicht mehr fahren: Auf den Gleisen lagen Bäume. Der Zug pendelte am Abend nur zwischen Bielefeld und Holzhausen.

Bäume umgestürzt – auch Glück gehabt

Am Paul-Gerhardt-Haus in Alt-Espelkamp stürzte die große Eiche im Eingangsbereich direkt auf das Häuschen am gegenüberliegenden Sportplatz. Zu dem Zeitpunkt befanden sich dort gerade Schüler einer siebten Klasse des Söderblom-Gymnasiums, um ihren Schulabschluss gemeinsam zu feiern. »Wir waren mit ungefähr 20 Kindern und 20 Erwachsenen hier«, sagte Heinrich Schmidt, Vater einer Schülerin. Einige hätten gar nicht mitbekommen, wie der Baum plötzlich umgestürzt sei. »Wie durch ein Wunder ist niemandem etwas passiert.«

Nur wenige Meter weiter fiel ein Baum auf ein Wohnhaus. Ein weiterer Baum stürzte auf einen Stall mit Bio-Hähnchen. »Ich glaube es nicht. Hier fielen Hagelkörner so groß wie Taubeneier«, erklärte der geschockte Besitzer. Überall in Alt-Espelkamp und in Vehlage waren die Einsatzkräfte der Feuerwehr damit beschäftigt, umgestürzte Bäume zu beseitigen.

Auf der Alten Waldstraße in Alt-Espelkamp ging gar nichts mehr. Die Straße wurde voll gesperrt, da direkt hinter dem Bahnübergang umgestürzte Tannen quer über den Schienen lagen. Die Feuerwehr Espelkamp sagte im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT, dass sie eine örtliche Einsatzleitung eingerichtet habe, um die Schadenslage zu sondieren. Die Espelkamper Rettungskräfte waren am Abend mit der gesamten Wehr im Einsatz, um die Straßen wieder freizuräumen.

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