Helfer sammeln in privater Initiative die Tannenbäume ein – Abgabemöglichkeit am Samstag
Kirche sagt Aktion in letzter Sekunde ab

Preußisch Oldendorf (WB) -

Die Enttäuschung ist groß. Die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Preußisch Oldendorf hat ihre Tannenbaum-Aktion ganz kurzfristig absagen müssen. Die Corona-Handlungsempfehlungen der Evangelischen Kirche von Westfalen, die am Freitag verlängert und aufgefrischt worden waren, sowie ein dringender Appell des Superintendenten Dr. Uwe Gryczan hatten zu der Absage geführt. Für alle Bürger, die jetzt nicht wissen, wo sie ihren Tannenbaum entsorgen können, ist aber schon eine Lösung gefunden.

Montag, 11.01.2021, 18:06 Uhr
Bernd Kammann, ehrenamtlicher Mitarbeiter in der Kirchengemeinde, sammelt die alten Tannenbäume zusammen mit Sohn und Tochter am Samstag trotzdem ein – in privater Initiative. 225 Bäume kommen allein bei ihm zusammen. Insgesamt nehmen die vier Treckergespanne gut 600 Bäume mit. Foto: Andreas Kokemoor

 

„Wir haben erst am späten Vorabend von der Landeskirche die Nachricht bekommen, dass die Sammelaktion nicht gestattet ist“, erklärte Organisatorin Anke Streilein-Rohdenburg am Samstag im Gespräch mit dieser Zeitung. Die Kirchengemeinde sei sich ihrer Sache so sicher gewesen, auch wenn in der weiteren Umgebung viele andere Tannenbaumaktionen schon im Vorfeld abgesagt oder verschoben worden waren. Bis in die Nacht hinein habe sie zusammen mit Ordnungsamt, Bürgermeister und Kreiskirchenamt nach einer Lösung gesucht. Es half nichts.

Zuvor schon hatte Superintendent Dr. Uwe Gryczan aus seiner Meinung keinen Hehl gemacht: „Wir alle waren uns einig, dass jegliche nicht zwingend notwendige Gemeinschaftsaktion am besten völlig unterlassen wird. Kontaktvermeidung ist das Gebot der Stunde. Das gilt auch für das gemeinschaftliche Einsammeln von Weihnachtsbäumen. Unsere dringende Empfehlung ist, das nicht zu tun.“ Der Krisenstab des Kirchenkreises schließe sich dieser Empfehlung an.

Viele Konfirmanden und ehrenamtliche Helfer, die nicht rechtzeitig informiert werden konnten, erschienen am Samstagmorgen vergebens an der Kirche in Preußisch Oldendorf, wo Start sein sollte. Geplant waren Sammlungen in der Stadt, einschließlich Schweiz, Offelten, Engershausen, Harlinghausen sowie Getmold und Schröttinghausen. Die Organisatorin bedauerte die Absage.

„Wir hatten ein Konzept ausgearbeitet, von dem wir sicher waren, dass es den Corona-Schutzbestimmungen entsprechen und genügen würde“, sagte Streilein-Rohdenburg. Es wäre nicht zu persönlichen Kontakten der Sammler mit den Bürgern gekommen, versicherte sie. Anders als sonst hätten die Baumsammler nicht geklingelt und mit einer Spendendose Geld gesammelt. Bernd Kammann, ehrenamtlicher Mitarbeiter der Kirchengemeinde, erläuterte, dass Sicherheitsabstände eingehalten worden wären.

Auch die Tannenbaumaktion der Kirchengemeinden Bad Holzhausen und Börninghausen musste ausfallen. Pfarrer Steffen Bäcker: „Das mit dem Ordnungsamt vereinbarte Hygienekonzept hätte ein sicheres Einsammeln der Tannenbäume ermöglicht, das wurde aber von den kreis- und landeskirchlichen Stellen nicht berücksichtigt.“

Letztlich wurden viele der Bäume dennoch eingesammelt: privat und nicht organisiert – ebenfalls unter Corona-Schutzauflagen, wie die fleißigen Sammler betonten. Die Bäume hätten ja schon am Straßenrand gelegen. Selbstverständlich hätten die Sammler Masken getragen. Die Traktorengespanne seien pro Fahrzeug und Anhänger jeweils nur mit einer Person besetzt gewesen.

Auch zwei Tage nach der kurzfristigen Absage der Tannenbaumaktion ist der Ärger bei Bernd Kammann, der in vielen Bereichen ehrenamtlich in der evangelischen Kirchengemeinde tätig ist, riesengroß. Er kann nicht nachvollziehen, warum die Evangelische Kirche von Westfalen quasi in letzter Sekunde einen Rückzieher gemacht hat: „Wir hatten alles exakt vorbereitet, immer nach den Vorgaben der Corona-Schutzverordnung und in Absprache mit allen Verantwortlichen.“

Stattdessen sei von der Landeskirche, insbesondere von der Präses Annette Kurschus, massiver Druck auf die Aktiven in den Gemeinden ausgeübt worden: „Offensichtlich erwartet man Obrigkeitsgehorsam.“ Die evangelische Kirche baue sich auch weiterhin von unten nach oben auf, nicht umgekehrt: „Ich bin fassungslos über diese Arroganz.“ In vielen anderen Landeskirchen in Deutschland gebe es dieses strikte Vorgehen nicht.

Bernd Kammann hat zusammen mit Sohn und Tochter sowie weiteren freiwilligen Helfern die Sammelaktion privat durchgeführt: „Und da muss es mir wie ein Hohn vorkommen, dass im Radio auf WDR 2 den ganzen Vormittag über eine ähnliche Aktion berichtet wird. Nur wir dürfen das nicht.“ Auch mit der Tatsache, dass Gottesdienste grundsätzlich nicht gewünscht seien in diesen Zeiten, mag er sich nicht anfreunden.

Deshalb hat er sich entschieden, an die Öffentlichkeit zu gehen: „Wegducken und Schweigen hat in der deutschen Geschichte nie zu etwas Gutem geführt.“ Die evangelische Kirche befinde sich in einer Sackgasse, aus der sie dringend heraus müsse. Deshalb sei es nicht mehr akzeptabel, wie die Präses die Landeskirche leite: „Ich fordere den Rücktritt von Annette Kurschus.“

Es gibt für alle, die ihren Baum noch zu Hause stehen haben, eine andere Lösung. Alle verbliebenen Weihnachtsbäume aus allen Stadtteilen können am kommenden Samstag, 16. Januar, in der Zeit von 8 bis 12 Uhr am Wertstoffhof, Firma RD Recycling, an der Langenhegge 3 in Preußisch Oldendorf kostenlos abgegeben werden. Die Weihnachtsbäume müssen abgeschmückt sein und dürfen nicht mit anderen Grünabfällen vermischt werden, da sonst eine kostenfreie Annahme nicht möglich ist. Außerdem weist die Stadtverwaltung auf die geltenden Abstands- und Hygieneregeln hin, die natürlich ebenfalls eingehalten werden müssen.

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