Holsing-Vital-Klinik in Bad Holzhausen hat aus Corona-Ausbruch im März Konsequenzen gezogen
„Wir haben die Lage hier im Griff“

Bad Holzhausen (WB) -

„Das hat es in der Firmengeschichte noch nicht gegeben“, sagte Verwaltungschefin Gabriele Schnabel. In der Tat: Im April musste die Holsing-Vital-Klinik in Bad Holzhausen kurzerhand schließen – die Konsequenz aus einem großen Corona-Ausbruch gleich zu Beginn der Pandemie. 26 der insgesamt 165 Mitarbeiter waren positiv getestet worden. Doch inzwischen habe man die Lage längst wieder im Griff. Seit dem ersten Vorfall habe es keine weiteren Infektionen gegeben, hieß es am Montag im Rahmen eines Pressegesprächs.

Montag, 07.12.2020, 16:44 Uhr
Erläuterten die Situation in der Holsing-Vital-Klinik in Bad Holzhausen: (von links) Chefärztin Dr. Gudrun Horbach, Geschäftsführer Jens F. Holsing, Chefarzt Dr. Bogumil Pajak, Heike Holsing, Mitglied des Krisenstabs, Pflegedienstleitung Silke Hein und Verwaltungsleiterin Gabriele Schnabel. Foto: Stefan Lind

 

Die Zeit der Schließung sei effektiv genutzt worden, um die Rehabilitation unter Coronaregeln zu planen und vorzubereiten, erklärten Gabriele Schnabel und Geschäftsführer Jens F. Holsing: „Die Wegeführung innerhalb des Hauses wurde geändert, Ein- und Ausgang sind jetzt zum Beispiel getrennt. Besucher sind nicht zugelassen. Die Gruppen wurden verkleinert, was einen doppelten Personaleinsatz nach sich zieht. Rehasport ist nicht möglich, das Café bleibt weiterhin geschlossen. Im Speisesaal sitzt jetzt jeder Patient allein. Dadurch ist es notwendig, in zwei Etappen zu essen.“

Dass das Haus einige Wochen lang geschlossen bleiben musste (der Betrieb lief wieder am 4. Mai an), bedeutete aber auch, dass alle Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt wurden. Gabriele Schnabel: „Das war ein ziemlicher Schock für uns.“ Jens F. Holsing erinnert sich: „Das Haus war so leer, es kam mir richtig gespenstisch vor.“ Wichtig aber: Kein einziger Beschäftigter habe entlassen werden müssen.

Der interne Krisenstab, der sich regelmäßig jede Woche trifft, hat das Infektionsgeschehen bei Holsing Vital analysiert und weitere Maßnahmen auf den Weg gebracht. Inzwischen gibt es bei Patienten und Mitarbeitern eine tägliche Abfrage der Symptome. Seit Mai dürfen Patienten nur anreisen, wenn sie das negative Ergebnis eines PCR-Abstrichs, der nicht älter als 48 Stunden ist, vorlegen können. Bei Symptomen wie Halsschmerzen wird sofort ein PCR-Test durchgeführt; der Patient begibt sich umgehend in Quarantäne. Sollte der Wocheninzidenzwert im Kreis Minden-Lübbecke weiterhin hoch bleiben – wovon auszugehen ist – sollen ab Mitte Dezember alle Patienten und patientennahen Berufsgruppen einmal pro Woche mit Hilfe eines Schnelltests untersucht werden.

Die Auslastung liege derzeit bei 50 bis 60 Prozent, so Holsing, deutlich unter den sonst üblichen Werten. Er rechnet zum Jahreswechsel mit noch niedrigeren Zahlen, „deshalb haben wir auch für Dezember und Januar erneut Kurzarbeit angemeldet“.

Das Ärzteteam bei Holsing Vital hat eine Studie durchgeführt, inwieweit sich bei den 26 Mitarbeitern, die am Covid-19-Virus erkrankt waren, Antikörper gebildet haben. Die Ergebnisse dieser Untersuchung wurden ebenfalls am Montag vorgestellt. 3 der 26 Kranken hatten keine Antikörper ausgebildet. Der niedrigste Wert, bei denen, die Antikörper gebildet hatten, lag bei 2,09, der höchste bei 12,9 (ab 1,1 gelten Antikörper als nachweisbar). Weitere 70 Mitarbeiter, die im März negativ getestet worden waren, nahmen ebenfalls an der Studie teil. Erstaunliches Ergebnis: Bei drei von ihnen waren Antikörper festzustellen. In einem Fall, so hat es eine anschließende Befragung ergeben, muss es bereits im Januar eine Infektion mit dem Virus gegeben haben.

Ende Oktober folgte bei den 26 positiv getesteten Mitarbeitern eine weitere Untersuchung. Zu diesem Zeitpunkt waren bei vier Betroffenen keine Antikörper mehr zu finden. Bei allen anderen, bei denen Antikörper nachgewiesen worden waren, hatten diese sich im Verlauf von drei Monaten schon um gut die Hälfte reduziert. „Die Idee, eine Infektion ziehe eine automatische Immunisierung nach sich, ist also nicht richtig“, betonte Chefarzt Dr. Bogumil Pajak. Die Ergebnisse der Studie könne man als Hinweis auf die Notwendigkeit stetig wiederkehrender Impfungen verstehen.

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