Stadt verfügt über zwei Geschwindigkeitsmessgeräte - Anlieger können Anfragen stellen
Tempomessung auf Bürgerwunsch

Getmold/Preußisch Oldendorf (WB). Manch ein Spaziergänger, der in den vergangenen Wochen am Kanalweg in Getmold mit dem Hund Gassi gegangen ist, hat vermutlich seinen Augen nicht getraut: Da steht ein Geschwindigkeitsmessgerät mit Anzeige, das Autofahrer informiert: „Sie fahren ... km/h.“ Da stellen sich dem Betrachter einige Fragen: „Wie kommt das hierhin? Wieso steht das da? Und gäbe es nicht sinnvollere Ecken in der Stadt, wo solch ein Gerät eingesetzt werden könnte oder sollte?“ Auch in den sozialen Medien hat die Tafel bereits für Diskussionen gesorgt.

Mittwoch, 11.11.2020, 06:00 Uhr
Der Kanalweg in Getmold lädt mit seiner Breite und Geradllinigkeit so manchen zum Rasen ein. Seit einigen Wochen steht dort ein Geschwindigkeitsmessgerät mit Anzeigetafel. Es soll Fahrer auf ihr zu hohes Tempo aufmerksam machen. Das Messgerät gehört der Stadt Preußisch Oldendorf. Anlieger können die Aufstellung an besonderen Gefahrenstellen beantragen. Foto: Andreas Kokemoor

Eine Anfrage beim Ordnungsamt der Stadt Preußisch Oldendorf bringt Licht ins Dunkel. „Dieses Gerät gehört der Stadt“, erklärt Erik Pollert, stellvertretender Fachbereichsleiter Ordnung und Soziales. Jeder Bürger der Stadt hat die Möglichkeit, das Messgerät bei Bedarf anzufordern. „Und das hat ein Anlieger am Kanalweg getan“, sagt Pollert. Selbstverständlich stellt das Ordnungsamt die Tafel nicht auf, ohne zu entscheiden, ob es an der fraglichen Straße sinnvoll ist. „Das ist aus meiner Sicht am Kanalweg durchaus der Fall“, sagt er. Zwar sei zu vielen Tageszeiten wenig Verkehr auf der Straße. Aber es gebe durchaus in den Morgenstunden, wenn Lastverkehr zu den Firmen des Gewerbegebietes unterwegs sei, typischerweise ein größeres Verkehrsaufkommen. Zudem verleite die lange gerade Straße manchen Autofahrer dazu, etwas zu sehr aufs Gas zu treten.

Nicht Tempodaten

„Die angezeigte Geschwindigkeit soll die Fahrer darauf aufmerksam machen, wie schnell sie sind“, sagt Erik Pollert. Man erhoffe sich davon, dass die betreffenden Fahrer ihre Geschwindigkeit dem erlaubten Tempo anpassen. „Insofern zeigen wir mit dem Aufstellen des Messgerätes auch dem betroffenen Bürger: Wir lassen dich nicht im Stich“, sagt er.

Doch das Gerät zeigt nicht nur das Tempo an. „Es speichert auch die ermittelten Daten der Vorüberfahrenden. Außer der Geschwindigkeit registriert es, zu welcher Uhrzeit gemessen wird und zu welcher Fahrzeuggruppe das Gefährt gehört, zum Beispiel Lastwagen, Auto oder Mofa.“ Diese Werte kann die Stadt auch der Kreispolizeibehörde zur Verfügung stellen. Weil auf der Tafel die Geschwindigkeit aufblinkt, werden die ermittelten Werte von der Polizei nicht als Grundlage für die Datenerfassung für die entsprechende Straße verwendet. „Eben weil die Fahrer ihre Geschwindigkeit entsprechend anpassen und so das Ergebnis verfälscht wird“, erläutert Pollert.

Zweites Gerät ohne Anzeige

Allerdings verfügt die Stadt auch über ein zweites Geschwindigkeitsmessgerät. Und das hat keine Tafel, sondern registriert sozusagen unbemerkt, mit welchem Tempo an der Straße gefahren wird, wo es platziert ist. „Das Gerät haben wir zum Beispiel an der Ziegeleistraße in Preußisch Oldendorf im Einsatz gehabt, weil wir immer wieder Beschwerden von Anliegern hatten, dass dort zu schnell gefahren wird“, sagt Erik Pollert. An der Ziegeleistraße wurden auf Bestreben der Bewohner von der Stadt zwei Betonklötze aufgestellt, um die Fahrbahn zu verengen. In einer Bürgerfragestunde des Rates hatte eine Anliegerin gefragt, ob es möglich sei, noch mehr solcher Klötze zu postieren, um die Autos und speziell Lastwagen auszubremsen. Bürgermeister Marko Steiner machte damals deutlich, dass noch geeignete Plätze für weitere Hindernisse ermittelt werden müssten. Denn diese könnten nicht beliebig platziert werden. Es werde aber weiter daran gearbeitet.

Die Werte, die das Messgerät ohne Anzeige ermittelt, sind dieselben wie bei den Geräten mit Anzeige: Geschwindigkeit, Uhrzeit, Datum und Fahrzeugtyp. Der Unterschied ist, dass die Polizei diese Daten für die Beurteilung des Verkehrsgeschehens an der jeweiligen Straße verwenden kann. Das Aufstellen der Geräte übernimmt der städtische Bauhof im Auftrag des Ordnungsamtes. „Aber die Programmierung ist mit einem recht großen Aufwand verbunden“, sagt Erik Pollert. So müsse zum Beispiel das Tempolimit am Aufstellungsort eingestellt werden, ob dort 30, 50 oder 70 Kilometer pro Stunde gefahren werden darf.

Erik Pollert sowie alle Kolleginnen und Kollegen in allen Teilen der Stadtverwaltung sind in diesen Tagen vorrangig mit Corona und den Folgen beschäftigt. „Da rückt der Straßenverkehr ein wenig in den Hintergrund. Aber er bleibt natürlich eine der zentralen Aufgaben des Ordnungsamtes“, betont Pollert.

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