Revierförster Jürgen Rolfs zeigt Neuanpflanzungen am Osterberg in Preußisch Oldendorf
„Wir wollen den Wald bunter machen“

Preußisch Oldendorf-Börninghausen (WB). „Ich habe da grade etwas sehr Interessantes entdeckt“, sagt Förster Jürgen Rolfs und entschwindet im Wald. Er bahnt sich seinen Weg durch Gestrüpp und Unterholz, bis er an einem schmalen Baum ankommt. Für den Laien ist dies ein Stamm wie einer von vielen, der sich in dem noch jungen Wald tummelt. Für den Förster ist es eine kleine Besonderheit. Denn bei diesem Baum, der sich gerade und zielstrebig nach oben windet, handelt es sich um eine junge Eiche. Diese steht am Rand eines Waldstückes unterhalb des Wittekindsweges in Börninghausen.

Samstag, 07.11.2020, 06:00 Uhr
Zusammen mit seiner Praktikantin Pauline Wolf unternimmt Revierförster Jürgen Rolfs regelmäßig Waldbegehungen. Auch wenn es in diesem Jahr wieder etwas mehr Regen gab, haben die letzten beiden Sommer den Bäumen zu schaffen gemacht. Foto: Eva Rahe

Jürgen Rolfs erklärt den Ursprung des Baums. Vom 18. auf den 19. Januar 2007 zog der Wintersturm Kyrill über Mitteleuropa. Er zerstörte viele Baumbestände im Wiehengebirge. So auch in diesem Bereich. „Die Eiche ist etwa zwölf Jahre alt“, sagt er. Nach Kyrill habe vielleicht ein Eichelhäher eine Eichel an genau dieser Stelle fallen gelassen und daraus sei die Eiche gewachsen. Nun gelte es, die Eiche zu fördern. Denn genau neben der Eiche, im Abstand von wenigen Metern, steht eine junge Buche. „Wenn wir die Buche wegnehmen, dann hat die Eiche genügend Platz, um sich zu entfalten. Sie wird in 80 Jahren ein tolles Bild abgeben“, erklärt Jürgen Rolfs.

Acht Meter Radius

Die Eiche wächst in einem natürlich verjüngten Wald, genau wie eine junge Kirsche, die ein paar Meter weiter steht. Auch sie ist jetzt gut zwölf Jahre alt und benötigt etwas Hilfe, um sich zu entwickeln. „Die Kirsche muss gegen ein paar Dauerläufer antreten“, so Rolfs. Neben der Kirsche wachsen hier Buchen, Erlen, Eschen, Lärchen und Birken. Im zweijährigen Rhythmus würden diese Flächen seit Kyrill kontrolliert durchgearbeitet. Damit die Kirsche groß werden und in 80 Jahren ihre gesamte Pracht entfalten könne, müssten auch hier einzelne Bäume weggenommen werden. Nach Möglichkeit solle die Kirsche in einem Radius von gut acht Metern genügend Platz dafür haben, erklärt Rolfs weiter. Dann sei die Umgebung an die Lichtbedürfnisse der Kirsche optimal angepasst. Würde man hier jetzt nicht nachhelfen, dann würde sie in 40 Jahren von einer nahe stehenden Buche überschattet. Kirschen hätten ein schönes Holz und eine elegante Form. „Aber vor allem hat sie eine tolle Blüte. Sie wird toll aussehen und den Wald bunter machen. Das ist es, was wir wollen.“

Wenn Jürgen Rolfs durch den Wald geht, dann denkt er an die Zukunft, nicht in Jahresschritten, sondern in Jahrzehnten oder mehr. Er selbst wird die besten Jahre all dieser jungen Bäume, die er jetzt pflanzt, hegt und pflegt, nicht miterleben. Trotzdem schlägt sein Herzblut für die jungen Waldstücke, die gerade erst in den Kinderschuhen stecken.

Opfer der Trockenheit

An diesem Tag ist der Wald von einem ständigen Dauernieselregen durchtränkt. „Wir gehen durch einen nassen Wald. Das ist mein Wetter“, freut sich Jürgen Rolfs. Er bleibt auf einer Fläche stehen, wo der Laie erstmal gar nichts sieht außer Gestrüpp und flaches Buschwerk. Die Fläche hat den unspektakulären Namen „Aufforstung 54094 20 003“. Diese Fläche sei jetzt ein Jahr alt, erklärt der Förster. Sie sei eine der Flächen, die dem Borkenkäferbefall durch die trockenen Jahre zum Opfer gefallen sei.

Wenn man diese Fläche nun etwas genauer unter die Lupe nimmt, dann zeigt sich hier eine Vielfalt an kleinen jungen Bäumen. Neben Himbeeren wachsen Buchen, Tannen oder Douglasien. Und Förster Rolfs entdeckt eine europäische Weißtanne. „Die hat ihren Ursprung dahinten“, erklärt er und deutet in ein nahe gelegenes Waldstück. Dort steht, etwa 80 Meter entfernt, der Mutterbaum. Seine Samen seien bis hierhin geweht. Diese jungen Pflanzen werden zum Beispiel gegen Wildverbiss geschützt. „Wenn wir hier gar nicht helfen würden, würden nur sehr wenige der jungen Bäume überleben“, erklärt der Förster.

Kosten verdoppelt

Auf dieser Fläche hatten sie im März auch selber Bäume angepflanzt. Aus Angst, dass die jungen Bäume ein weiteres trockenes Jahr nicht überstehen, habe man sie mit Ballen gesetzt. Das sei eine Kostenverdopplung gewesen. Aber die Bäume hätten das trockene Frühjahr gut überstanden. Für Jürgen Rolfs waren die vergangenen heißen Sommer eine Herausforderung. Die Folgen sind auch in diesem Jahr, in dem es wieder mehr Regen gab, noch immer gravierend. Das sei schwer für die privaten Waldbesitzer, denn das, was ihre Großeltern einmal angepflanzt hätten, wäre nun nichts mehr wert. „Wir haben hier alte Fichten stehen, die 140 Jahre alt sind – also ganz stolze Bäume – und die werden für wenig Geld verkauft.“

Eigentlich könne man für das Geld, das man aktuell für die Bäume bekäme, gerade mal den Abtransport zahlen, erklärt er. Trotzdem möchte er Mut machen, den Wald jetzt wieder neu aufzuforsten. Viele Waldbesitzer seien unsicher, was sie machen sollten bezüglich der Folgen des Klimawandels. „Aber wir brauchen einen Kick, um jetzt weiter zu machen. Wir müssen neue Wege finden, neue Motivationen schaffen“, erklärt er und bietet jedem seine Hilfe an, sich über Möglichkeiten der Wiederaufforstung zu informieren. Mehr Infos gibt es auch auf der Internetseite www.waldbauernverband.de.

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