Pfarrer Hans-Joachim Karrasch (87) legt Führer über den Passionsaltar vor
„Der Abschluss seines Lebenswerks“

Preußisch Oldendorf (WB). 34 Jahre lang war Hans-Joachim Karrasch Pastor in der Preußisch Oldendorfer St.-Dionysius-Kirche. Nichts hat ihn dabei so fasziniert wie der Passionsaltar mit seinen 13 geschnitzten Reliefs – jetzt hat er zu dessen 500-Jahr-Feier ein Buch darüber veröffentlicht.

Dienstag, 03.11.2020, 04:18 Uhr aktualisiert: 03.11.2020, 04:20 Uhr
Bei der offiziellen Vorstellung des Buchs über den Passionsaltar in der St.-Dionysius-Kirche: (von links) Redakteurin Susanne Schneider-Kettelför, Autor und Pfarrer i. R. Hans-Joachim Karrasch, Pastor Michael Weber und Restauratorin Ludmila Henseler. Foto: Joscha Westerkamp

„Als ich das erste Mal in der Kirche stand, konnte ich kaum glauben, dass ich bald vor diesem Altar predigen durfte“, erzählt Karrasch (87). Von 1962 bis 1996 war er Pastor der Gemeinde; das Buch sei der „Abschluss seines Lebenswerkes“, so der amtierende Pastor Michael Weber bei der offiziellen Vorstellung des Buches. Die war am Freitagabend in der Kirche – natürlich vor dem Altar.

Hilfe kam aus Berlin

Zwei Jahre, nachdem Karrasch mit dem Schreiben begonnen hatte, bekam er einen Schlaganfall. Er konnte das Buch nicht mehr selbstständig fertigstellen. Hilfe erhielt er aus Berlin. „Ich wusste, dass es ein Herzenswunsch von ihm ist“, sagt Susanne Schneider-Kettelför (54), die ursprünglich aus Preußisch Oldendorf kommt und jetzt als Journalistin und Diplom-Medienberaterin in der Hauptstadt arbeitet. Der Kontakt zu Karrasch bestand schon lange: „Da war es natürlich auch mir ein Herzenswunsch, das Buch zusammen mit ihm fertigzustellen.“

Der Passionsaltar sei „ein ganz gewaltiges Kunstwerk“, so Susanne Schneider-Kettelför, „ein Schatz der Stadt.“ Mit dem Buch wolle sie auch zu eigener Betrachtung einladen. Die Journalistin übernahm die redaktionellen Arbeiten am Buch und stellte zusammen mit dem Geistlichen fertig, was noch fehlte. Karrasch ist ihr dafür wirklich dankbar: „Susanne ist wie ein Engel“, sagt er bei der Vorstellung. Die Veröffentlichung hätte zu keinem passenderen Zeitpunkt kommen können – denn der Altar feiert in diesem Jahr nicht nur Jubiläum, sondern wurde auch zusammen mit der barocken Orgel der Kirche in die Liste der national bedeutsamen Kulturdenkmäler Deutschlands aufgenommen. Pfarrer Michael Weber: Der Oldendorfer Passionsalter spiele „eine entscheidende Rolle für die Entwicklung der Altäre in Norddeutschland.“

Spende aus den USA

Finanziert wurde das Buch durch 500 Euro von der „Stiftung zur Förderung der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Preußisch Oldendorf“ und 2000 Euro von Jonathan Sokolow aus den USA. Wie es zu dieser Spende kam, erklärt er selbst am Ende des Buches: Seine Familie habe seit dem frühen 18. Jahrhundert Wurzeln in Preußisch Oldendorf gehabt und zur jüdischen Gemeinde gehört, schreibt er. Viele Familienmitglieder seien auf dem jüdischen Friedhof beigesetzt. Nachdem Hans-Joachim Karrasch nach dem Zweiten Weltkrieg vor der Roten Armee nach Preußisch Oldendorf geflüchtet war, freundete er sich mit dem einzigen Juden an, der hier den Holocaust überlebt hatte. „1987 schändeten Nazi-Sympathisanten den jüdischen Friedhof von Preußisch Oldendorf“, schreibt Sokolow weiter. Karrasch habe sich seitdem sehr stark für die Erinnerung an die Geschichte der Juden in Preußisch Oldendorf eingesetzt. „Deshalb ist es mir eine Freude, die Veröffentlichung des Buches zur 500-Jahr-Feier des Passionsaltars zu unterstützen und damit eine Brücke zwischen unseren Religionen zu bauen“, endet Sokolow.

Das Buch ist unter dem Titel „Der Oldendorfer Passionsaltar“ im Verlag „Schnell + Steiner“ erschienen. Im Buchhandel kostet es 15 Euro, im Gemeindebüro ist es gegen eine Spende zu erwerben. Auf 80 Seiten geht Hans-Joachim Karrasch mit beeindruckender Tiefe auf die verschiedenen Reliefs des Altars ein und bietet dazu eine Menge an theologischem Hintergrundwissen. Zu jedem beschriebenen Teil sieht man ein großes Foto, aufgenommen von Profifotograf Andreas Lechtape. Unter anderem gibt es ein ausführliches Interview mit dem Kunsthistoriker Dr. Oliver Glißmann und der Diplom-Restauratorin Ludmila Henseler, die vor 20 Jahren den Altar restauriert hat und ihn seither betreut. „Das Buch ist auch etwas für die jüngeren Leute, zum Beispiel die Konfirmanden“, sagt der Autor.

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