Musical bringt Zuschauer in der St.-Dionysius-Kirche in Preußisch Oldendorf zum Lachen und Klatsche
Luthers Liebesleben

Preußisch Oldendorf (WB). Katharina von Bora schaut in einen Spiegel. „Luther, Ihr reformiert alles, nur nicht Euer Leben“, beginnt sie. Denkt nach: Ja, so in etwa müsste es gehen. Katharina übt ihren Heiratsantrag an den 16 Jahre älteren Theologieprofessor und Mönch Martin Luther. Mit dem verbindet man heute vieles, allen voran die Reformation – nicht unbedingt aber eine aufreibende Liebesgeschichte. Dass es die aber auch gegeben hat, hat das Musical „Wenn Engel lachen …“ in der St.-Dionysius-Kirche am Freitagabend erzählt.

Montag, 02.11.2020, 03:00 Uhr
Katharina von Bora (Miriam Küllmer-Vogt) übt den Heiratsantrag an Luther. Das Musical in der St.-Dionysius-Kirche kam bei den Besuchern gut an. Foto: Joscha Westerkamp

Miriam Küllmer-Vogt (47), die gleichzeitig Pfarrerin, Sängerin und Schauspielerin ist, präsentierte in einer sehr ausdrucksstarken One-Woman-Show die Reformation von einer ganz anderen Seite: durch die Lebens- und Liebesgeschichte der Katharina von Bora – die vor allem als Frau des Reformators Martin Luther in die Geschichte eingegangen ist. Das Stück beginnt im Jahr 1524. Katharina von Bora, 25 Jahre alt, ist vor einem Jahr dem Kloster entlaufen, in dem sie 19 Jahre lang mehr oder weniger unfreiwillig als Nonne gelebt hat. Mit der Hilfe Luthers ist ihr zusammen mit einigen weiteren Nonnen die Flucht gelungen. Luther hat sie mit zwei weiteren Nonnen in Wittenberg untergebracht, wo Katharina nun als Magd bei Malermeister Lukas Cranach arbeitet.

„Wie ein Pferd“

All das erfahren die Zuschauer aus den Erinnerungen der Katharina. Ab da geht die Geschichte in die Gegenwart über und eine wilde Liebesgeschichte nimmt ihren Lauf: Zum einen erfährt Katharina, dass Luther in ihre Freundin Ave von Schönfeld verliebt ist, ebenfalls eine entlaufene Nonne. Zum anderen hat Katharina sich selbst mit dem Wittenberger Studenten Hieronymus Baumgärtner verlobt, einem Nürnberger Kaufmannssohn. Ihre Liebe ist nicht zu bremsen – bis Hieronymus Eltern die Verlobung mit einer entlaufenen Nonne nicht akzeptieren. Unter der Bedingung, dass Katharina für ihn ein gutes Wort bei Ave einlegt, gibt Luther ihrer Bitte nach, einen Brief an Hieronymus Eltern zu schicken. Immerhin hatte Luther auf der Wartburg bereits bewiesen, dass er mit Worten umgehen konnte. Nicht so aber in dem Brief: Die Nürnberger Eltern bleiben bei ihrer Ablehnung.

Und auch Luther „versagt“, Ave verlobt sich mit dem Mediziner Basilius Axt. Ein Moment der Verzweiflung. Um einen Versorger für Katherina zu finden, versucht Luther, sie an den Theologen Kasper Glatz zu vermitteln – der ihr aber so gar nicht zuspricht. „Er sieht aus wie ein Pferd!“, ruft Katharina in die Kirche und ahmt ihn wiehernd nach. „Ich will kein Pferd heiraten! Da heirate ich ja noch lieber Euch, Luther!“ Das Publikum lacht. Aber aus Verzweiflung denkt Katharina tatsächlich über die Hochzeit nach – und betet, um auch Gefühle für ihn zu empfinden. Und es gelingt: Nach und nach kann sie sich ein gemeinsames Leben besser vorstellen.

Langer Applaus

Wäre da nur nicht dieser Aberglaube, ein Mönch und eine Nonne würden einen „Antichrist“ zeugen. Katharina überwindet sich und tut, was unmöglicher nicht hätte sein können: Sie, eine Frau, eine Nonne noch dazu, stellt ihm, einem Mann und Mönch, einen Heiratsantrag. Er sagt zu. Es folgt ein gesprochener Epilog: Die beiden werden getraut, bekommen sechs Kinder. Katharina soll maßgeblich zur Reformation beigetragen haben, die fast gescheitert und in Verwüstung und Gewalt untergegangen wäre.

Das Stück endet in lang anhaltendem Applaus der etwa 40 Besucher in der Kirche. Besonders Mimik und Stimmgewalt von Miriam Küllmer-Vogt waren beeindruckend; genauso die Art, wie sie zu Stühlen, Staffeleien oder dem blanken Nichts sprach, als säßen da Luther, Meister Cranach oder Ave. 90 Minuten dauerte ihr Programm. Immer wieder sang sie musical-typische Lieder, begleitet von Pianist Peter Krausch, der an manchen Stellen auch als zweite Stimme mitsang. Auch Bibelausschnitte und Zitate aus Luthers Briefen an seinen „geliebten Herr Käthe“, wie er seine Frau genannt haben soll, fanden ihren Platz.

Etwa zur Hälfte des Musicals gab es einen zweiten, ganz anderen Programmpunkt des Abends: Der ehemalige Preußisch Oldendorfer Pastor Hans-Joachim Karrasch (87) stellte sein Buch über den 500 Jahre alten Passionsalter der Kirche vor, das einen Tag zuvor erschienen war (weiterer Bericht folgt). Pastor Michael Weber dankte dabei auch der mitwirkenden Susanne Schneider-Kettelför, die sämtliche redaktionelle Arbeiten übernommen hatte und Ludmila Henseler, die den Altar 2000 restauriert hat und ihn seither betreut. Zur Feier überreichte er allen dreien ein „symbolisches Exemplar“ und einen Blumenstrauß.

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