Krimi am Freitag und Action am Samstag: Autokino in Bad Holzhausen feiert Premiere
Filmsound aus dem eigenen Radio

Preußisch Oldendorf (WB). Die Chipstüten knistern und rascheln, die Cola wird blubbernd mit dem Strohhalm geschlürft. Die Kinobesucher sind ganz unter sich – fast wie zu Hause in den eigenen vier Wänden.

Dienstag, 06.10.2020, 03:00 Uhr
Die Autos stehen dicht an dicht. Es regnet. Aber Kino an der frischen Luft ist möglich. Dank Autokino. Foto: Andreas Kokemoor

Der Sportverein SuS Holzhausen hat am Freitag- und Samstagabend in Kooperation mit dem Internet-Dienstleister Greenfiber und dem Dersakino sowie FB Eventservice aus Rahden, das die professionelle Veranstaltungstechnik hatte, zu einem besonderen Ereignis eingeladen: dem ersten Autokino in Bad Holzhausen. Auf einer zwölf mal sechs Meter großen aufblasbaren Großleinwand auf dem Parkplatz vor dem Sportplatz wurden der Krimi „Knives Out“ am Freitag und der Actionfilm „21 Bridges“ am Samstag gezeigt.

Es bot sich eine einzigartige Kulisse und Atmosphäre. Die Besucher saßen in ihren Fahrzeugen und schauten sich die Filme durch die Windschutzscheibe an. Der Ton kam aus den eigenen Radio- Lautsprecherboxen. Die entsprechende Frequenz wurde den Besuchern an der Einfahrt bekannt gegeben. Die Idee zu diesem Ereignis entstand coronabedingt und zufällig. Als Greenfiber vor ein paar Wochen in Bad Holzhausen auf dem großen Parkplatz zum Haus des Gastes und neben dem Sportpark des SuS eine Präsentation hatte, sprach SuS-Vorsitzender Holger Haake den 31-jährigen Geschäftsführer von FB Eventservice Fritz Büntemeyer wegen des Themas Corona und damit eingehergehender Einschränkungen an.

Riesiger Projektor

Haake berichtete, dass der SuS Holzhausen 100 Jahre alt geworden sei und eigentlich eine ganze Reihe von Veranstaltungen geplant hatte, die alle verschoben werden mussten. Außerdem hätte der Sportverein am Wochenende des 3. Oktober, dem Tag der Deutschen Einheit, sein Weinfest feiern wollen. Auch dieses musste abgesagt werden. Fritz Büntemeyer erläuterte, dass er nach Alternativen suchen und erfinderisch werden musste, um Veranstaltungen in Zeiten von Corona und den damit verbundenen Einschränkungen im öffentlichen Leben zu veranstalten. Zusammen mit dem Dersakino hatte er sich besonders mit dem Thema beschäftigt und in diesem Jahr deutlich mehr Autokinos organisiert als sonst.

Hier seien die Leute unter sich. In Rahden bei Kolbus oder in Minden hätten die Kino-Freunde aus der Region schon Autokinos erleben können. Open-Air-Kinos seien keine Seltenheit mehr. Die Anzahl dieser besonderen Filmvorführungen sei regelrecht nach oben geschossen. So sei der Rahdener Eventservice unter anderem sogar in Bremen, Hamm und am Alfsee gewesen. In Kürze könnten das Dersakino und FB Eventservices sogar beim Mallorca-Filmfestival zugegen sein.

Büntemeyer erklärte, dass ein einfacher Büro-Beamer natürlich nicht ausreiche. Der riesige Projektor mit einer Lüftung, die einem Ofenrohr gleicht, war auf einen großen Anhänger verfrachtet worden. Die Filme wurden auf zwei Festplatten vom Verleiher angeliefert. Auch die Technik dafür befand sich auf dem Anhänger. Die Datenträger waren so gesichert, dass sie nur an diesen beiden Tagen gezeigt werden durften. Durch eine breite Luke strahlte der Film wie ein Flutlicht auf die weiße Wand. Die Leinwand war ein großes Luftkissen. Es bot eine perfekte Bildqualität.

Popcorn, Nachos und Kaltgetränke

Für Popcorn, Nachos und Kaltgetränke hatte der Veranstalter gesorgt. Wenn jemand während der Vorführung Appetit hatte, so musste der Besucher nur einmal die Lichthupe betätigen und schon kam die Bedienung ans Auto.

Die Kinobesucher mummelten sich teilweise sogar in mitgebrachte Kuscheldecken, konnten sich während des Films unterhalten, ohne andere Gäste zu stören, und ans Handy gehen. Die Lautstärke konnte beliebig eingestellt werden. Einziger Nachteil war, dass nicht jeder eine Kino-Lautsprecher-Anlage in seinem Wagen hatte, so dass mitunter „nur“ stereo gehört werden konnte und nicht Dolby-Surround. Für die ganz frühen Gäste war es ein kleiner Nachteil, dass sie, zwar in der ersten Reihe stehend, fast zwei Stunden lang ins Leere schauen mussten.

Wenn Holger Haake jetzt die Planungen für das kommende Jahr aufnimmt, dann steht dort nicht nur die Jubiläumsfeier mit einem Jahr Verspätung, sondern auch ein erneutes Auto-Kino.

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