Konrektor der Sekundarschule Preußisch Oldendorf in den Ruhestand verabschiedet
„Die Jahre hier waren Sahnehäubchen“

Preußisch Oldendorf (WB). „Ich werde die Zeit nicht vergessen“. Mit diesen Worten verabschiedete sich der Konrektor der Sekundarschule, Christoph Dietrich, am letzten Schultag vor den Sommerferien in den Ruhestand.

Montag, 06.07.2020, 12:00 Uhr
Konrektor Christoph Dietrich am Ende der Abschiedsfeier: Zu den Geschenken gehörte ein für ihn gestaltetes Buch. „Ich werde es mit einem Wein und einem Taschentuch lesen“, sagte er.

Schulleiter Christian Schäffer hatte das Kollegium nach der Zeugnisausgabe an die Schülerinnen und Schüler in der dritten Schulstunde zu einer Dienstbesprechung eingeladen. Wegen der Corona-Pandemie fand diese Besprechung unter Berücksichtigung der Hygieneregeln in der Aula statt. Es ging darum, wie es nach aktuellem Kenntnisstand nach den Sommerferien im Schulbetrieb weitergehen soll. Im Anschluss wurde Doreen Simes verabschiedet, die ihren Berufsfreiwilligendienst nach einem Jahr beendet hat.

Im Mittelpunkt stand jedoch die Verabschiedung von Christoph Dietrich. Seinen Ausstand möchte er allerdings erst geben, wenn sich die Pandemie beruhigt hat – möglicherweise erst im nächsten Jahr. Christoph Dietrich war drei Jahre lang Konrektor der Sekundarschule Preußisch Oldendorf. Seinen Dienst begann er 1984 an der Jahn-Realschule in Lübbecke. Er hatte, wie er selbst sagte, wenig Ambitionen und wählte die EDV als seinen Schwerpunkt. 1999 bekam er das Angebot, zweiter Konrektor zu werden, womit er niemals gerechnet habe.

Stelle hat ihn menschlich und beruflich erfüllt

Etwas schmunzelnd meinte er, er habe damals den Verdacht gehabt, dass ihm diese Stelle angetragen wurde, da man ungeliebte Arbeit abladen wollte. Nachdem er das Angebot mit seiner Frau besprochen hatte, nahm er die Stelle an. Es folgte ein einschneidendes Ereignis im Jahr 2011, in dem die Stadt die Auflösung der Realschule beschlossen hatte. Dies fand Christoph Dietrich sehr schade, aber „der Mensch vergisst schnell und gewöhnt sich an neue Situationen“, meinte er. Die Art und Weise, wie die Schule dann jedoch aufgelöst wurde, ging auch an ihm nicht vorbei.

Nachdem 2015 die Information bekannt wurde, dass aus dem Gebäude ein Flüchtlingsheim entstehen sollte, hatten die Lehrkräfte zwei Tage Zeit, die Schule vollständig zu räumen, um in der Pestalozzi-Schule untergebracht zu werden. An dieser Stelle reagierte Christoph Dietrich sehr emotional, und man merkte, dass ihm die Schule viel bedeutet hat. Als 2017 dann die letzten Schülerinnen und Schüler die Bildungseinrichtung verlassen hatten, bekam er als „Auslaufmodell“, wie er sich selbst bezeichnete, das Angebot der Konrektorenstelle in Preußisch Oldendorf. Nach einem netten Gespräch mit Schulleiter Christian Schäffer nahm er die Stelle an.

„Ich kam aus einfachen schulischen Strukturen in ein komplexes System, musste viel lernen, Zeit investieren und mein eigenes System entwickeln“, beschrieb er seine erste Zeit an der neuen Schule. Zu den Vorzügen dieser Schule zählte Christoph Dietrich das angenehme Schulklima und das nette Kollegium. Er habe die Entscheidung nicht einen Tag bereut und sei glücklich und stolz. Die Stelle habe ihn menschlich und beruflich erfüllt. Mit dem Satz „33 Jahre war ich an der Schule in Lübbecke, aber die letzten drei Jahre hier waren das Sahnehäubchen“ blickte Christoph Dietrich positiv auf seine Schullaufbahn zurück.

Bücherlesen und Reisen

Sein Dank richtete sich an die beiden Sekretärinnen Annette Bredemeier und Silke Junghans, mit denen er viele kleine und nette Gespräche als Raumnachbarn führte, an Schulleiter Christian Schäffer für seinen vorbehaltlosen Empfang und ein stressfreies und wertschätzendes Miteinander, an das Schulleitungsteam, das ihm durch Kompetenz viel Arbeit abgenommen habe, und an das Kollegium für die angenehme Atmosphäre und Zusammenarbeit. An dieser Stelle konnte er die ein oder andere kleine Träne nicht unterdrücken.

Nun freue er sich darauf, morgens keinen Wecker stellen zu müssen, auf Planungsfreiheit hinsichtlich seiner Freizeitaktivitäten, aufs Bücherlesen und Reisen. Und darauf, den Rest einfach auf sich zukommen zu lassen. Schulleiter Christian Schäffer bedankte sich bei ihm für die angenehme Zusammenarbeit und freute sich für Dietrich, dass er „frisch in einen neuen Lebensabschnitt gehen könne“. Der Lehrerrat in Person von Ruthild Tegeler, Ulrike Schäfer und Markus Bergmeier bedankte sich ebenfalls für die tolle Arbeit und sagte, dass in der Ruhe die Kraft liege, die er doch bitte weiterhin beibehalten solle. Anschließend spielte Ines Hellberg auf der Gitarre und sang das Lied „Komm doch mit in dein nächstes Leben“.

Ergänzt wurde die angenehme Stimmung und Atmosphäre durch ein Gedicht von Irmela Buschmann, das mit „Es war allen klar, dass er ein Glücksgriff war“ begann und mit „Eines werden wir schon jetzt wissen: Wir werden dich sehr vermissen“ endete. Zum Abschluss erhielt Christoph Dietrich seine Urkunde, ein kleines Geschenk, einen Blumenstrauß und ein Buch, das durch selbst gestaltete Seiten von jedem Mitglied des Kollegiums und weiteren Weggefährten entstanden ist. „Ich werde es mit einem Wein und einem Taschentuch lesen“, sagte Konrektor Christoph Dietrich abschließend.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7481657?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198399%2F2516040%2F
Bisher kaum corona-infizierte Lehrer und Schüler in NRW
Wie hier in Bayern sollen Schüler in NRW zunächst bis Ende August im Unterricht eine Maske tragen müssen – obwohl in Nordrhein-Westfalen bisher kaum Schüler und Lehrer positiv auf das Virus getestet worden sind, wie eine Abfrage des Landes ergab. Foto: Sven Hoppe/dpa
Nachrichten-Ticker