Gastronomie in der Corona-Krise – Solidarität in Bad Holzhausen
„Gäste dürfen wieder kommen“

Bad Holzhausen (WB). Trotz der Lockerungen der Corona-Beschränkungen läuft der Betrieb in Gaststätten und Pensionen in Bad Holzhausen nur zögerlich an. Die beiden Betriebsleiter Alena Blankenstein und Jürgen Stork werben dafür, dass Familienfeiern und Kleingruppentreffen wieder stattfinden können.

Donnerstag, 02.07.2020, 06:05 Uhr aktualisiert: 02.07.2020, 06:10 Uhr

Die Sicherheitsmaßnahmen könnten im Kurort ohne Probleme eingehalten werden. „Wir haben hier viel Platz und sind nah an der Natur, das ist unser Vorteil“, erklärt Alena Blankenstein. Sie und ihre Mutter Sabine betreiben das gleichnamige Landhaus mit Pension und Restaurant. Im Gastraum ist viel Platz. „Die Leute sind sehr vorsichtig geworden“, sagt Alena Blankenstein. Viele ihrer Stammgäste  wüssten oft nicht, ob man überhaupt schon wieder ausgehen und sich in einem Restaurant verabreden könne.

Gäste werden bestmöglich geschützt

Laut der aktuellen Corona-Schutzverordnung des Landes NRW können sich bei geselligen Veranstaltungen wie Hochzeiten, Taufen oder Geburtstagen 50 Personen treffen. Für kleine Gruppen gilt, dass sich auch ohne besonderen Grund zehn Personen verabreden dürfen. Nach diesen Regeln ist es also grundsätzlich wieder möglich, sich mit Freunden oder Kollegen im Restaurant zu verabreden und ein paar gemütliche Stunden miteinander zu verbringen. Für Alena Blankenstein ist es keine Frage, in ihrem Betrieb alles dafür zu tun, dass die Gäste so gut wie möglich geschützt werden, aber gleichzeitig einen angenehmen Aufenthalt bei ihnen haben. Durch ihre großzügigen Räume kämen sich die Gäste eigentlich kaum „ins Gehege“, erklärt sie.

Servicepersonal trägt Masken

Zunächst müssten sich Gäste telefonisch anmelden. Vor Ort würden sie nach dem Hände-Desinfizieren an den Tisch begleitet. Am Platz könnten sie ihre Masken abnehmen, sich normal unterhalten und ihr Essen genießen. Auf allen Wegen, zum Beispiel zur Toilette, müssten dann wieder Masken angelegt werden. Das Servicepersonal trage immer Masken. Alena Blankenstein bereitet Sorge, dass ihre Reservierungsbücher mehr oder weniger leer sind. Vor der Krise seien sie oft auf drei Monate ausgebucht gewesen: „Das ist nun vorbei. Alle unsere Mitarbeiter sind in Kurzarbeit.“ Im Betrieb seien nur noch sie und ihre Mutter. Anfragen von Übernachtungsgästen kämen eher kurzfristig. „Trotz der Corona-Soforthilfen ist die Situation sehr angespannt“, erklärt sie. Ähnlich sieht es Jürgen Stork. Er leitet den Familienbetrieb Pension Haus Stork. Auch bei ihm läuft der Bereich der Tagesgäste verhalten. Viele kleinere und größere Gruppen hätten abgesagt. Neue Termine seien nicht vereinbart worden. Zum Schutz der Gäste trägt alle im Service Masken. Zudem wurde ein Einbahnstraßen-System eingerichtet und das Café ist momentan nur für Übernachtungsgäste offen.

Sie kommen nicht, weil sie den vollen Preis zahlen, aber nicht alles in Anspruch nehmen können.

Jürgen Stork

Die Stammgäste gehörten meist zur Generation 60 plus, sagt Stork. Viele kämen aus dem Ruhrgebiet und seien froh, wenn sie am Wiehen die Natur genießen und sich bewegen könnten. Anderen fehle aber das Veranstaltungsprogramm im Ort. „Sie kommen nicht, weil sie den vollen Preis zahlen, aber nicht alles in Anspruch nehmen können“, sagt Jürgen Stork. Er sei froh, dass der Touristikverein Bad Holzhausen wieder einen kleinen Veranstaltungskalender aufgelegt hat. Auch die Einführung der elektronischen Kurkarte habe nun den positiven Effekt, dass Übernachtungsgäste sicher und ohne großen Aufwand registriert werden könnten und die Stadt bei Bedarf schnell informiert werden könne.

Plötzlich gibt es eine große Nachfrage nach Stellplätzen für Campingmobile.

Jürgen Stork

Für Jürgen Stork birgt die Corona-Krise aber auch positive Überraschungen. „Plötzlich gibt es eine große Nachfrage nach Stellplätzen für Campingmobile“, sagt er. Für Camper gebe es deshalb jetzt ein eigenes Zimmer, das sie zum Duschen und Frischmachen nutzen können. Außerdem stellt er ein größeres Interesse von jungen Familien fest, die früher mit ihren Eltern selbst hier zu Gast gewesen seien. „Plötzlich erinnern sie sich an ihre Kindheitsurlaube in Bad Holzhausen und möchten die alte Gemütlichkeit genießen“, erklärt er. Das sei schon sehr nett. Jürgen Stork bedankt sich ausdrücklich für die große Solidarität unter den Bad Holzhausern. Weil viele das Angebot der Pension „Essen auf Rädern“ genutzt hätten, sei wenigstens etwas Geld in die Kasse gekommen. „So konnten wir unsere Auszubildende halten und ihr ihren Abschluss ermöglichen“, sagt er. Da die angehende Hauswirtschafterin neben den Familienmitgliedern die einzige Mitarbeiterin im Haus gewesen sei, habe sie eine besonders intensive Betreuung gehabt. „Wir sind alle sehr stolz, dass sie ihre Prüfungen bestanden hat.”

Neuer Lockdown wäre fatal

Während es planungstechnisch schwierig bleibe, sei die größte Angst unter den Betrieben, dass es im Herbst einen zweiten Lockdown geben könnte, erklärt Jürgen Storck. „Sollte der kommen, dann ständen viele hier vor dem Aus“, sagt der Gastwirt. Auch Alena Blankenstein glaubt, dass ein zweiter Lockdown fatal wäre. Deshalb sei es für alle wichtig, die Sicherheitsvorkehrungen rigoros einzuhalten. Für ihren Betrieb genauso wie für Bad Holzhausen. „Wir versuchen positiv zu bleiben“, sagt Alena Blankenstein. „Anders geht es nicht.“

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