Taxi-Unternehmen leiden besonders unter den Corona-Maßnahmen Niemand ruft sie an

Preußisch Oldendorf (WB). Keine Veranstaltungen, keine Urlaubsreisen, keine Kneipengänge – viele Anlässe für eine Taxifahrt sind in der Corona-Krise passé. Das schadet auch dem Geschäft der heimischen Beförderungsunternehmen.

Von Friederike Niemeyer
Detlef Steinmann hofft auf bessere Zeiten. Der Taxi-Unternehmer aus Preußisch Oldendorf hat derzeit nur sehr wenige Fahrgäste. Die staatliche Hilfe lobt er.
Detlef Steinmann hofft auf bessere Zeiten. Der Taxi-Unternehmer aus Preußisch Oldendorf hat derzeit nur sehr wenige Fahrgäste. Die staatliche Hilfe lobt er. Foto: Kai Wessel/Archiv

„Die Krise macht sich schon derbe bemerkbar“, sagt Detlef Steinmann aus Preußisch Oldendorf. Seine drei Mitarbeiter hat er nach Hause geschickt, fährt fast nur noch allein. „Es gibt keine Laufkundschaft mehr. Ich fahre fast nur noch Einzelpersonen. Meist geht es um Krankentransporte zur Dialyse, zur Chemotherapie oder zu Bestrahlungen.“ Die ganze andere normale Nachfrage sei weggebrochen, berichtet Steinmann. Feiern und Veranstaltungen am Wochenende und nachts gibt es nicht mehr, und auch seine regelmäßigen Wochen-end-Touren mit dem Großraumtaxi ins Ruhrgebiet, um Pensionsgäste abzuholen und nach Bad Holzhausen zu bringen, sind weggefallen. Auch seine anderen beiden Pkw stehen jetzt vorwiegend auf dem Parkplatz.

Das Börninghausener Taxi-Unternehmen Klanke fährt seit Februar nur noch auf Bestellung und hat entsprechend auch den Fuhrpark auf sechs Autos reduziert – schon vor Corona, aufgrund des Fachkräftemangels, erzählt Marlies Klanke. Jetzt hilft diese Umstellung, denn seit Mitte März etwa sei es vorbei mit der Nachfrage und jedes Auto produziert ja laufende Kosten etwa für Versicherungen. Die Mitarbeiter sind bereits in Kurzarbeit.

Was bleibt, sind Krankentransporte

Neben den kurzfristigen Buchungen seien auch die regelmäßigen Fahrten für die heimischen Pensionen oder zu Tagespflegeeinrichtungen weggefallen. Was bleibt, sind auch bei Klanke vor allem Krankentransporte. „Wir fahren fast nur noch Einzelpersonen, keine Gruppen. Wenn ein Rollstuhlfahrer eine Begleitperson braucht, dann nehmen wir die größeren Fahrzeuge“, sagt Marlies Klanke. Da gehe es um den Schutz der Fahrgäste, aber auch um den der Fahrer. Die würden Masken tragen und die Autos regelmäßig desinfizieren. „Die Fahrgäste steigen nur noch hinten rechts ein, um nicht direkt hinter dem Fahrer zu sitzen“, sagt die Geschäftsführerin.

Sie hat übrigens großes Verständnis für die Regelungen. „Geschäftlich würde ich es natürlich begrüßen, wenn die Maßnahmen bald gelockert würden“, sagt Marlies Klanke. „Aber die Verbote finde ich schon sinnvoll.“

Auch Detlef Steinmann ist niemand, der jetzt jammert. Ihn schmerzt vor allem, dass die familiären Kontakte etwa zu den Enkeln so erschwert sind. Und er achtet mit Mundschutz und Desinfektion sehr darauf, dass er sich selbst nicht ansteckt. Als selbstständiger Kleinunternehmer fühlt sich Steinmann gut unterstützt vom Taxi-Verband sowie von der Politik. „Ich habe einen Liquiditätszuschuss beim Land beantragt und es hat nur ein paar Tage gedauert, bis ich ihn hatte“, sagt er. „Das ist mein Notgroschen, wenn es länger dauert.“ Denn dass alle Vorsichtsmaßnahmen schnell wieder aufgehoben werden, davon geht der Preußisch Oldendorfer nicht aus.

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