Porta-Klinik wird Anlaufstelle für Notfälle im Kreis – Altenheime halten Regeln strikt ein Pflegebedürftige rücken in den Fokus

Bad Oeynhausen/Preußisch Oldendorf (WB). Alte Menschen bedürfen in dieser Zeit eines besonderen Schutzes. Das machen die Beispiele der Infektionswelle in einem Paderborner Altenheim oder auch in Wolfsburg deutlich.

Von Arndt Hoppe
In normalen Zeiten ist die Porta-Klinik in Bad Oeynhausen eine Reha-Einrichtung. Während der Corona-Krise soll sie zeitlich begrenzt als zentrale Einheit der Notfallversorgung für Pflegebedürftige in besonderen Notsituationen dienen. Dort können bis zu 65 Patienten ohne und 45 mit Symptomen einer Coronainfektion in getrennten Bereichen versorgt werden.
In normalen Zeiten ist die Porta-Klinik in Bad Oeynhausen eine Reha-Einrichtung. Während der Corona-Krise soll sie zeitlich begrenzt als zentrale Einheit der Notfallversorgung für Pflegebedürftige in besonderen Notsituationen dienen. Dort können bis zu 65 Patienten ohne und 45 mit Symptomen einer Coronainfektion in getrennten Bereichen versorgt werden. Foto: Louis Ruthe

Auf die Frage, ob auch der Kreis Minden-Lübbecke, wie in Paderborn geschehen, seine Regelungen verschärfen will, erklärt Pressesprecherin Sabine Ohnesorge: „Seit Inkrafttreten der Coronaschutzverordnung am 23. März sind Besuche in Pflegeeinrichtungen landesweit grundsätzlich untersagt, wenn sie nicht der medizinischen oder pflegerischen Versorgung dienen oder aus Rechtsgründen (zum Beispiel Begutachtung durch Betreuungsrichter) erforderlich sind. Ausnahmen sind nur in besonderen Situationen (zum Beispiel bei akuten Palliativsituationen) vorgesehen.“ Im Kreis gelte außerdem die Vorgabe, dass alle Bewohner und Mitarbeiter von Pflegeeinrichtungen, die respiratorische Symptome haben, grundsätzlich getestet werden.

Hilfe auch für ambulante Pflegebedürftige

Doch nicht nur die stationäre Pflege beschäftigt den Kreis, auch die ambulante Versorgung von älteren Pflegebedürftigen. Wie kann sie im Notfall sichergestellt werden? Was ist, wenn Krankenhäuser ältere Menschen entlassen und eine ambulante häusliche Betreuung nicht ausreicht – oder im Verlauf der drohenden Krise nicht gewährleistet werden kann? Wie können Pflegedienste und Krankenhäuser entlastet werden?

„Wir deklinieren verschiedene Szenarien durch. Im Zuge dessen stellt sich die Frage, wo Patienten, die ambulant nicht mehr gepflegt werden können, im Kreisgebiet zentral behandelt werden könnten“, sagt Landrat Ralf Niermann. „Hierfür hat sich die Porta-Klinik in Bad Oeynhausen zur Verfügung gestellt, die durch den aktuell geltenden Aufnahmestopp für Reha-Patienten ihren regulären Betrieb schrittweise reduzieren muss und dadurch entsprechende Kapazitäten frei hat.“

Kreis springt in besonderen Notfällen ein

Krankenhäuser oder Pflegedienste, die für ältere Menschen keine Anschluss- oder generell ihre pflegerische Versorgung nicht mehr gewährleisten können, sollen sich nach Ausschöpfung aller üblichen Möglichkeiten und Wege an den Kreis wenden. Von dort wird dann zentral über die zeitlich begrenzte Notfallversorgung in der zentralen Pflegeeinheit in Bad Oeynhausen entschieden. Dort können bis zu 65 Patienten ohne und 45 mit Symptomen einer Coronainfektion in getrennten Bereichen versorgt werden. „Damit haben wir ein Reservoir geschaffen, auf das wir im Notfall zugreifen könnten“, ergänzt Dezernent Hans-Joerg Deichholz. „Wir wollen so gut es geht vorbereitet sein, wenn die Fallzahlen weiter steigen sollten.“

Auch die Altenheime und stationären Pflegeeinrichtungen im Altkreis wissen sehr wohl um die Bedeutung der Schutzmaßnahmen. Stellvertretend für viele andere sprach diese Zeitung mit Katja Lammert, der Leiterin des Vitalis Wohnparks in Preußisch Oldendorf. „Bei uns kommt schon seit zwei Wochen kein Besucher mehr rein – seitdem die Schulen geschlossen wurden“, sagt sie. „Zunächst erlaubte die offizielle Regelung, dass eine Person pro Bewohner bis zu einer Stunde pro Tag zu Besuch kommen durfte. Aber das wäre organisatorisch gar nicht leistbar gewesen.“ Deshalb habe ihre Einrichtung von Anfang an den Zugang von Besuchern komplett untersagt. Natürlich sei das für alle eine Herausforderung, aber bislang nähmen die Bewohner die Situation gut auf.

Mangelware Schutzmasken – Aufruf zu Hilfe

Auch an die strengen Regeln für Neuaufnahmen halte sich das Haus strikt, erklärt Lammert: „Alle, die neu aufgenommen werden, müssen zunächst einen Corona-Abstrich machen, und bleiben erst einmal 14 Tage in Quarantäne.“ Herausfordernd sei die Zeit auch für die Mitarbeiter wegen der strengeren Hygienevorschriften („Stets einen Mundschutz zu tragen, ist nicht so angenehm“). Auch auf psycho-sozialer Ebene sei ein großer Einsatz gefordert: „Weil keine Besucher mehr kommen dürfen, bemüht sich unser Personal, den Menschen besonders viel Zuwendung zu geben.“

Doch in einer anderen Hinsicht hofft der Vitalis Wohnpark auf Unterstützung: bei der Ausstattung mit Schutzkleidung. „Die ist gerade sehr schwer zu bekommen. Und die Pflegeheime sind am Ende der Kette des Bedarfs, an der natürlich die Krankenhäuser ganz oben stehen.“ Deshalb hat die Einrichtung einen Aufruf an die Bevölkerung gestartet, dem Heim selbstgemachte Schutzmasken zukommen zu lassen. „Es haben sich auch schon ganz viele gemeldet und uns selbstgemachte Masken gebracht. Dafür sind wir sehr, sehr dankbar“, sagt Katja Lammert. Diese Hilfe werde aber weiterhin benötigt. Masken können gern per Post an den Vitalis Wohnpark, Jahnstraße 6 in Preußisch Oldendorf, gesendet werden. Sicherlich sind auch andere Altenheime dankbar für eine solche Hilfe.

Anleitungen zum Erstellen selbstgemachter Atemmasken und über Infos rund um die Materialien, die für Masken den größtmöglichen Schutz bieten, gibt es laut Vitalis zum Beispiel im Internet unter www.maskeauf.de .

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