50 Bürger beim Breitbandgespräch in Dorfgemeinschaftshaus Alte Schule
Hedemer hoffen auf schnelles Internet

Preußisch Oldendorf-Hedem (WB/eva). Wenn Hedems Bürger über das Internet reden, dann steigt die Stimmung. Aber nicht im positiven Sinne. Bei vielen ist die Unzufriedenheit so groß, dass es der Verzweiflung nahe kommt. Und die Nerven lagen auch an diesem Abend bei vielen blank.

Montag, 16.03.2020, 07:00 Uhr
Uwe Krabbe (von links, Geschäftsführer Internexio) und Michael Reimann (Internetbeauftragter, Stadt Preußisch Oldendorf) beantworten Fragen der Bürger. Foto: Eva Rahe

Am Donnerstag hatte die Dorfgemeinschaft zusammen mit dem Projekt „Digitales Dorf Hedem“ zum Breitbandgespräch ins Dorfgemeinschaftshaus Alte Schule eingeladen. Zu Gast waren der Gigabit-Koordinator des Kreises Enrico Nauen, der Internet-Beauftragte der Stadt Preußisch Oldendorf Michael Reimann und Uwe Krabbe, Geschäftsführer von Internexio, der von Ina Strohmann, Büroleiterin bei Internexio, begleitet wurde.

Es gibt drei mögliche Szenarien

Die gut 50 Interessierten aus Hedem und dem Nachbarort Vehlage hörten gespannt zu, als Enrico Nauen über die drei Möglichkeiten berichtete, die derzeit im Gespräch sind, um die so genannten grauen Flecken im Altkreis Lübbecke auszubauen. Graue Flecken sind all die Gebiete, die derzeit nicht im Ausbauszenario des Kreises erfasst sind. In einer kurzen Einführung stellte Enrico Nauen dar, wie sich die aktuelle Förderung gestalte, wieso in diesen Förderplan keine neuen Anschlüsse mehr eingeplant werden könnten und wieso Hedem letztendlich von der aktuellen Fördermaßnahme ausgeschlossen sei. Grund hierfür sei die Firma EifelNet, die in Hedem die Hoheit über die Kabelverzweiger (KVz) habe.

Eine der brennendsten Fragen der Dorfbewohner war, was passieren würde, wenn keiner mehr einen Vertrag bei Eifel-Net hätte. Enrico Nauen antwortete darauf, dass es dann ja immer noch keinen neuen Anbieter geben würde, der in Hedem ausbaut, denn das würde keiner kostenlos machen. Denn Eines sei klar: „Die alten Kupferkabel, die von den Kabelverzweiger-Kästen ausgehen, sind heute keine Option mehr, wenn man schnelles Internet will.“

Für den noch ausstehenden Ausbau in Hedem, der mehr oder weniger den gesamten Dorfkern betrifft, gibt es nach Enrico Nauen drei mögliche Szenarien. Die erste Möglichkeit sei, die anstehende nächste Bundesförderung abzuwarten. Diese würde voraussichtlich im kommenden Sommer anstehen und einen Ausbau im Gigabit-Bereich bedeuten. „Wo es noch keine Gigabit-fähige Förderung gibt, wird ausgebaut. Hedem hat dann eine sehr gute Chance, schnelles Internet zu bekommen.“ Einziges Problem hierbei sei der Zeitfaktor. Wenn das Förderprogramm öffentlich sei, müsse es erst mal auf den Weg gebracht werden. Es könne dann gut und gern zwei Jahre dauern, bis angefangen werde zu bauen. Zudem sei Preußisch Oldendorf dann in der Situation, dass sich die Stadt mit zehn Prozent an den Kosten beteiligen müsste.

Neue Trasse wäre der „Strich der Hoffnung“

Das zweite Szenario habe den Charme, dass es zeitnah umgesetzt werden könne, so Nauen. „Durch den Ortskern von Hedem wird derzeit eine Trasse gelegt, die unser grüner Strich der Hoffnung ist“, sagte er mit Blick auf die Karte. Da die aktuellen Anschlusskosten pro Haushalt bei 7500 Euro lägen und der Ausbau dementsprechend teuer sei, sehe das zweite Szenario eine Kooperation mit der Stadt vor. In diesem sogenannten Public-Privat-Partnership, kurz PPP-Modell, würde die Stadt Preußisch Oldendorf eine Partnerschaft mit der Firma Internexio eingehen und hätte dann 51 Prozent der Anteile. Vorteil: Die Stadt wäre auch zur Hälfte Besitzer des Netzes in Preußisch Oldendorf und würde von Verkauf und Vermietung profitieren. Sie müsste allerdings auch zur Hälfte für die Kosten bürgen.

Uwe Krabbe von der Firma Internexio erklärte, dass sie bei dieser Variante mit dem Ausbau sofort loslegen könnten, wenn die Rahmenbedingungen stimmten. Es läge ein Plan vor, der jedes Haus im Altkreis Lübbecke erfassen würde. Dieser Plan würde eine zehn Gigabit-Leitung in jedes Haus vorsehen. Dazu würde Internexio das nötige Glasfaser bereit stellen. Preußisch Oldendorf hätte dann ein Glasfasernetz, das zu den modernsten Europas gehören würde. Als Beispiele für diese Variante nannte Uwe Krabbe die Ortschaften Bardowick und Gellersen bei Lüneburg, wo Internexio nach solch einem Modell derzeit ausbauen würde.

Michael Reimann erklärte, dass er diesen Ausbauplan noch nicht vorliegen hätte, dass die Stadt aber grundsätzlich für solche Pläne offen wäre. Sein Tipp sei aber, erst einmal die neuen Förderpläne des Bundes abzuwarten.

Schnelle Verbindung vor allem auf dem Land notwendig

Enrico Nauen fügte an, dass beide Varianten ihren Charme hätten. Variante zwei würde zusammen mit einer Vermarktung über Vorverträge laufen. Zwar würde dieses Konstrukt auch ein paar Risiken für die Gemeinde bieten, aber auch bei einer Bundesförderung müssten zehn Prozent Eigenanteil aufgebracht werden. Eine dritte Variante, nach der Internexio eigenverantwortlich in Hedem ausbaut, wurde von Uwe Krabbe abgelehnt. „Ein eigenwirtschaftlicher Ausbau in Hedem ist unwahrscheinlich, denn das Teure sind die Anschlüsse im Ort, nicht der Streckenbau“, erklärte er. Auf die Nachfrage eines Bürgers, welche Erfahrung das Unternehmen mit der Hilfe beim „Buddeln“ durch Privatleute oder die Kommune habe, erklärte Krabbe, das würde er ausschließen. „Das Legen von Leerrohren für das Glasfaser ist absolute Facharbeit.“

Reimann sagte, dass die Stadt bis zum Ende des Jahres zu einer Entscheidung kommen wolle. Im Anschluss an den Vortrag entbrannte im Dorfgemeinschaftshaus eine hitzige Diskussion über die aktuelle Situation. Ein Bürger brachte die allgemeine Meinung auf den Punkt, als er sagte: „Was nützt mir schnelles Internet in Preußisch Oldendorf Stadt oder Lübbecke, wenn ich hier auf dem Land schnelles Internet brauche? Ich muss hier Home-Office machen, gerade jetzt, wo Corona die Runde macht. Um hier in Hedem gut leben zu können, brauche ich gutes Internet.“

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