Kirchengemeinden wollen nach Gewalttat gemeinsam „etwas Gutes entgegen setzen“
Ökumenischer Gottesdienst nach Bluttat in Preußisch Oldendorf

Preußisch Oldendorf (WB/aha). Nach der Gewalttat vom vergangenen Sonntag stehen viele Preußisch Oldendorfer noch unter Schock. Pfarrer Michael Weber von der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde war als Notfallseelsorger vor Ort, nachdem ein Mann seine Ehefrau mitten am Tag im Herzen der Stadt erschossen hatte. „Das Thema bewegt nach wie vor die Menschen im Ort“, sagt der Pfarrer auf Anfrage dieser Zeitung. Im Gespräch beschreibt er seine Erlebnisse in dieser Woche: „Selbst Grundschüler haben mich in diesen Tagen auf der Straße auf den Vorfall angesprochen. Ich merke, das beschäftigt die Kinder und also auch die Familien.“

Freitag, 10.01.2020, 07:00 Uhr
Nachdem am Sonntag eine Frau auf offener Straße erschossen wurde, ist seelsorgerischer Beistand gefragt. Deshalb laden alle Gemeinden in Preußisch Oldendorf zu einen ökumenischen Gottesdienst am Sonntag, 19. Januar, in der St.-Dionysius-Kirche ein. Foto: Arndt Hoppe

Im Namen seiner Gemeinde hatte Weber erklärt: „Wir sind tief bestürzt und erschüttert über den Mord am 5. Januar in Preußisch Oldendorf.“ Weil der Pfarrer erkannte, wie sehr die unbegreifliche Tat die Menschen aufwühlt, ergriff er die Initiative, um der Situation in der Stadt seelsorgerisch zu begegnen. Weber regte einen ökumenischen Gottesdienst mit der katholischen Kirchengemeinde, der Gemeinde Neues Leben und der Freien Evangelischen Gemeinde in Preußisch Oldendorf an.

„Mit dieser Idee habe ich offene Türen eingerannt“, sagt der Pfarrer. Schnell wurde ein Termin für diesen Gottesdienst in der St.-Dionysius-Kirche gefunden. Die Sanierungen der Kirche seien ausgesetzt. „Wir möchten am Sonntag, 19. Januar, in dem ökumenischen Fürbittgottesdienst um 10 Uhr gemeinsam mit den anderen Gemeinden für die Familie, für die Helfer und Zeugen und mit allen, die mitbeten wollen, die Geschehnisse besonders vor Gott tragen“, erklärt Weber. Parallel zum Gottesdienst werde eine Kinderbetreuung angeboten.

Viele Menschen such den Dialog

Im Gespräch fügt er hinzu: „Dem Bösen, das hier geschehen ist, möchten wir etwas Gutes entgegensetzen.“ Der Pfarrer betont, dass er es für wichtig hält, alle Menschen zu diesem Gottesdienst einzuladen. „Sie sollen einen Ort und eine Zeit haben, mit dem Geschehenen umzugehen. Ein Ritual wie ein Gottesdienst kann wichtig sein“, sagt Weber. Er freue sich, dass der Gottesdienst vom Posaunenchor und der Organistin musikalisch begleitet werde.

Im Gespräch mit dieser Zeitung berichtet Weber, dass er mit vielen Menschen in der Stadt den Dialog gesucht habe: „Es sind ja viele betroffen, die vor Ort waren, oder jemanden kennen, der involviert war.“ Er hebt hervor: „Wo es geht, leisten Notfallseelsorger und Seelsorgerinnen in Zusammenarbeit mit dem Opferschutz und dem Weißen Ring Beistand und Begleitung für die Betroffenen.“ Er selbst und eine Kollegin der Notfallseelsorge seien alarmiert worden und hätten sich vor Ort um Familienangehörige, Augenzeugen und Ersthelfer gekümmert. Gleichzeitig sei von der Feuerwehr eine Fachkraft zur psycho-sozialen Betreuung im Einsatz gewesen. „Das Netzwerk der Helfenden hat sehr schnell funktioniert, so dass alle Beteiligten aufgefangen werden konnten.“

Die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde greift die Geschehnisse bereits im Gottesdienst an diesem Sonntag, 12. Januar, um 10 Uhr im Gemeindehaus auf. „Ich werde mich in der Predigt mit der Frage befassen: Jemanden zu töten, was bedeutet das und was steht dahinter?“, sagt Weber.

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