Einwohner legen Blumen und Kerzen am Tatort in Preußisch Oldendorf ab Am Tag nach der tödlichen Attacke: Bürger zeigen sich bestürzt

Preußisch Oldendorf (WB). Einen Tag nachdem eine 54-jährige Frau an der Mindener Straße in Preußisch Oldendorf auf offener Straße erschossen wurde , zeigen sich die Einwohner schockiert von der Tat. An der Stelle vor der Eisdiele „Gentile“, wo die Frau am Sonntagnachmittag verstarb, sind am Montag Blumen und Kerzen niedergelegt worden.

Von Freya Schlottmann und Arndt Hoppe
Vor der Eisdiele „Gentile“ an der Mindener Straße haben Passanten am frühen Montagnachmittag Kerzen und Blumen niedergelegt. Am Sonntag war an dieser Stelle eine 54-Jährige verblutet, nachdem mutmaßlich ihr Mann auf sie geschossen hatte.
Vor der Eisdiele „Gentile“ an der Mindener Straße haben Passanten am frühen Montagnachmittag Kerzen und Blumen niedergelegt. Am Sonntag war an dieser Stelle eine 54-Jährige verblutet, nachdem mutmaßlich ihr Mann auf sie geschossen hatte. Foto: Freya Schlottmann

Der Ehemann des Opfers soll seine Frau ersten Erkenntnissen zufolge getötet haben. „Wir sind geschockt, dass sowas in Preußisch Oldendorf passieren kann“, sagte am Montag der Eigentümer des Gebäudes, in dem die Eisdiele, ein Fußpflegestudio und ein Lohnsteuerhilfeverein ansässig sind. Gemeinsam mit seiner Frau hat der Gebäudeeigentümer eine Kerze sowie ein Gesteck in Kreuzform auf den Stufen zur Eisdiele niedergelegt, um des Opfers zu gedenken. Einige Passanten, die am Montag vor der Eisdiele stehen blieben und schauten, was an dieser Stelle am Vortag passiert war, taten es ihnen gleich.

Wirklich greifbar sei diese Bluttat für viele Einwohner aber noch nicht, meinte Ira Perschel-Bredemeier, die das Fußpflegestudio in dem Haus betreibt. „Ich glaube, die Tat ist in den Köpfen der Menschen hier noch nicht wirklich angekommen. Deswegen wird jetzt auch viel darüber geredet“, sagte Perschel-Bredemeier.

Diskussion um Videoüberwachung könnte wieder befeuert werden

Auch Bürgermeister Marko Steiner zeigte sich auf Anfrage dieser Zeitung betroffen von dem dramatischen Ereignis. „Wie es nach den bisherigen Erkenntnissen aussieht, handelt es sich ja offenbar um eine Beziehungstat.“

Er könne sich vorstellen, dass die Diskussion über die Installation einer Videoüberwachung am Markt in Preußisch Oldendorf durch die dramatischen Ereignisse wieder befeuert werde. „Für mich stellt sich aber die Frage, ob die Tat nicht auch zu beklagen wäre, wenn wir eine Videoüberwachung hätten.“ Das halte er nicht für wahrscheinlich.

Im Übrigen sei es bei der Diskussion immer darum gegangen, Fälle von Vandalismus am Markt einzudämmen. Von den politischen Gremien war das Thema im Herbst vertagt worden. Einerseits weil Videoüberwachung für den gesamten öffentlichen Bereich des Marktplatzes nicht rechtlich zulässig wäre, sondern nur als Schutz städtischen Eigentums (Gebäudefassaden, Busbahnhof und das Realschulgelände). Hinzu kämen hohe Kosten für Installation (etwa 66.000 Euro), Sichtung des Bildmaterials und Wartung der Anlage. Aus Sicht der Verwaltung sei die Installation einer Videoüberwachung wirtschaftlich nicht vertretbar und nicht zielführend, da Täter oft nicht sicher identifiziert werden könnten. Die Politik vertagte das Thema und wollte von der Verwaltung prüfen lassen, was der Einsatz eines Wachdienstes kosten würde und ob dieser zielführend sein könnte.

Frage nach der Funktion einer Überwachung stellt sich

Daran zweifelt Bürgermeister Marko Steiner nach wie vor: „Ein Sicherheitsdienst würde eventuell zum Sicherheitsempfinden mancher Bürger beitragen. Aber er hätte nicht die Befugnisse der Polizei, etwa Personen festzuhalten oder dergleichen. Das wäre eine reine Präsenz.“ Zudem sei es die Frage, ob sich eine Kommune leisten könne, Geld für etwas auszugeben, das ohnehin in den Aufgabenbereich der Polizei falle.

Ein Menschenleben sei nicht in Euro auszudrücken, sagte Steiner. „Eine solche Tat ist immer dramatisch und schlimm, überall wo sie verübt wird.“ Es sei aber nicht anzunehmen, dass sich ein Täter wie im vorliegenden Fall von Überwachungsmaßnahmen von der Tat hätte abhalten lassen.

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