Stuckteile lösen sich von der Decke der St.-Dionysius-Kirche in Preußisch Oldendorf – Sanierung in Planung
Es bröckelt im Altarraum

Preußisch Oldendorf (WB). Denkmäler sind immer eine Baustelle für die Ewigkeit. So auch die St.-Dionysius-Kirche in Preußisch Oldendorf. Nach den umfangreichen Sanierungen an den Emporen und im Innenraum im vergangenen Jahr haben nun herunterfallende Stuckteile den Pastor und die Handwerker auf den Plan gerufen.

Samstag, 05.10.2019, 08:00 Uhr aktualisiert: 07.10.2019, 13:24 Uhr
Mitten über dem Altar ist ein großes Tuch aufgespannt worden, dass herabfallende Putzstücke auffangen soll. Pastor Michael Weber vermutet, dass die vergangenen heißen Sommer die Grundmauern ausgetrocknet und so für Risse gesorgt hätten.

Den Zeitpunkt der Entdeckung kann Pastor Michael Weber auch nach neun Monaten noch genau benennen. »Am nächsten Tag hätten die Kindergartenkinder beim Gottesdienst am zweiten Advent hier gesungen. Bei den Vorbereitungen dazu lösten sich kleine Teile des Stucks in den oberen Gewölben im Altarraum«, erinnert er sich. Nachfolgend fielen immer wieder Stuck, Putz und kleine Steinpartikel ab und zwangen die Entscheider in der Gemeinde zum Handeln.

Beschädigungen haben sich über den Sommer weiter ausgedehnt

Seit Dezember 2018 hängt nun ein großes Netz im Vorderteil der Kirche und scheint nach der langen Zeit irgendwie schon fester Bestandteil zu sein. Seit dem Vorfall werden die Stellen über und neben dem Altar, aber auch andere brüchige und mit Rissen durchzogene Stellen beobachtet. Zum Teil sind es unscheinbare kleine Risse, an anderen Stellen sind die Beschädigungen, die sich über den Sommer Stück für Stück weiter ausgedehnt haben, gut sichtbar. Die einzig sinnvolle Erklärung für diese Entwicklung liegt nach Aussage des Pastors in der Trockenheit, zum Beispiel im sinkenden Grundwasserspiegel als Folge der vergangenen beiden Sommer.

Die klimatischen Bedingungen hätten die Kaiserfindlinge und Bruchsteine der Grundmauern trocken gelegt und erst für poröse Stellen und dann für kleine Abbrüche gesorgt, so Weber. »Wenn die Grundmauern trocken fallen zieht diese Trockenheit nach oben«, erläutert er das Phänomen. Auf der Nordseite mit Schattenbildung und Bäumen seien die Schäden geringer als auf der Südseite. Jetzt könne man nur gezielt beobachten, wie sich die Schadstellen im Sommer und Winter entwickelten.

Dass es auf der anderen Seite auch feuchte Stellen im Kirchenraum, insbesondere an den Säulen, gab, scheint auf den ersten Blick erst einmal widersprüchlich. Aber hier handelt es sich um Schäden, die über viele Jahrzehnte durch aufsteigende Feuchtigkeit (die sogenannte Kapillarwirkung) entstanden und zum Sanierungsfall geworden sind.

Pastor hat bereits selbst auf dem Bau gearbeitet

Bei Untersuchungen der Kirchengemeinde für die geplante Sanierung des Kirchplatzes durch die Stadt Preußisch Oldendorf gab es eine weitere Entdeckung für Michael Weber. Das 1905 an den Westturm angebaute Spritzenhaus der Feuerwehr verfügte wohl über zwei große Wasserbecken, die unter dem jetzigen Kirchenvorplatz liegen und durch eine Mauer im Inneren getrennt sind. Beide Becken wären zwischenzeitlich leer gewesen und wurden untersucht, haben sich aber schnell wieder durch das Grundwasser aufgefüllt. Diese Wassermengen würden aber nicht reichen, um die historische Bausubstanz zu versorgen.

Pastor Weber weiß, wovon er spricht, wenn es ums Bauen und Sanieren geht. In seiner Zeit als Pastor in der Egelner Mulde in der der Magdeburger Börde war er für acht Kirchengemeinden und somit auch acht Kirchen, zwei Kapellen, drei Orgelsanierungen und viele andere kirchliche Baubereiche zuständig. Insgesamt 20 Objekte betreute er in der Zeit und hatte durchschnittlich 15 Baustellen. »Eigentlich war immer irgendwas zu tun«, sagt der Pastor und passionierte Baumeister. Von Kindesbeinen an mit dem Malerhandwerk vertraut, verdiente er auch im Studium sein Geld »auf dem Bau«. Das kommt der Gemeinde heute zugute, denn Michael Weber ist nicht nur ein interessierter Verwalter der Gebäude, sondern auch darüber hinaus ein kompetenter und lernwilliger Ansprechpartner für die unterschiedlichen Gewerke.

Seine Kompetenz ist und bleibt auch in den kommenden Jahren gefragt. Er ist ständig in Kontakt mit dem Denkmalschutz und den Hütern des Brandschutzes, kontrolliert die Entwicklung der Risse, plant den aufwändigen Umbau des Gemeindehauses – nach den Vorgaben des Brandschutzes im sechsstelligen Bereich– und eine Sanierung der Fenster in der Nähe der Orgel mit zweitem Fluchtweg für die Organistin. Er nimmt es gelassen, dass gerade nicht alles perfekt ist. Auch das Publikum bei Konzerten oder die Besucher der Gottesdienste, so sagt er, haben eigentlich kein Problem. Der Chor jedoch würde sich aus Gründen des Schallfanges eine baldige Besserung wünschen. Und ja, ohne Netz sieht die Kirche wirklich schöner aus.

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