Nach 20 Jahren in Preußisch Oldendorf: Bezirksbeamter Erhard Fricke geht in Rente – Nachfolger steht fest
Der Abschied rückt näher

Preußisch Oldendorf (WB). Wenn in Preußisch Oldendorf die Bezeichnung »bekannt wie ein bunter Hund« berechtigt ist, dann bei Erhard Fricke. Nahezu jeder kennt den Polizisten, der seit 45 Jahren seinen Dienst in der Stadt und den Ortsteilen verrichtet. In wenigen Wochen geht er in Rente.

Samstag, 07.09.2019, 12:00 Uhr
Erhard Fricke ist seit 20 Jahren Ansprechpartner für die Bürger in Preußisch Oldendorf. Zum 1. Oktober geht der Polizeihauptkommissar in den Ruhestand. Foto: Silke Birkemeyer

An seine ersten Tage auf der Polizeischule in Stukenbrock erinnert Erhard Fricke sich noch gut. 1974 begann er seine Ausbildung, die mit dem heutigen Standard aber nicht mehr vergleichbar sei. »Es war eine geschlossene Unterbringung mit Mehrbettzimmern in Baracken aus dem Krieg mit militärischen Zügen.« Mit dem Zug ging es von Bad Holzhausen nach Bielefeld und von dort im Sammeltransport nach Stukenbrock. Sonntags musste er bis 22 Uhr da sein, die Haare kurz geschnitten, marschieren üben: ein Alltag wie in der Bundeswehr. »Damals war das so«, sagt Fricke. Es sei eine andere Zeit gewesen.

Nach der Ausbildung wurde Fricke in die damalige Bundeshauptstadt Bonn abkommandiert – für Objekt- und Personenschutz. Bei Hans-Dietrich Genscher, dessen Haus er bewachte, sei er am Geburtstag des Politikers sogar ins Haus eingeladen worden. »Genscher war ein menschlicher Typ. Bei ihm war’s angenehm.«

Herz hängt an der Heimat

Es folgten Jahre in Wuppertal. Dort bearbeitete Fricke das gesamte Einsatzspektrum. Doch sein Herz hing an der Heimat – und an seiner Frau Christel. Und so führte sein Weg 1980 in die Lübbecker Wache. Nun wurden Fricke nicht nur Blechschäden, sondern Fälle von größerer Tragweite übertragen, auch schwerste Unfälle. »Wenn ich heute über Land fahre, kann ich die Geschehnisse noch ganz genau den einzelnen Kreuzungen zuordnen. Vieles ist auch nach so langer Zeit noch präsent – das hat sich richtig eingebrannt.« Nie vergessen werde er einen Verkehrsunfall mit mehreren Toten und ein Beziehungsdrama im Altkreis, bei dem der Täter eine Ex-Freundin, eine Geisel und sich selbst tötete. »Das hing uns Einsatzkräften noch ziemlich lange nach«, sagt Fricke.

Am 1. Oktober 1999 begann Erhard Fricke als Nachfolger von Wolfgang Koch im Alter von 42 Jahren seinen Bezirksdienst im Polizeibüro an der Kirchstraße 1. Er stärkte die Verbindung der Polizei zu Grundschulen und Kindergärten, zu Vereinen und Gewerbetreibenden. Nach 20 Jahren Dienst ist Fricke mit sich im Reinen und sagt: »Das habe ich wohl ganz ordentlich hingekriegt.« Er kennt sein Revier, die großen und kleinen Übeltäter, die Ausreden, die Fragen, die auch in der Freizeit nicht aufhören. »Hier in Preußisch Oldendorf bekomme ich so ziemlich alles mit, was hinter den Kulissen läuft«, sagt Fricke.

In seiner Dienstzeit sei ihm Vieles gut gelungen, sagt er. »Die tägliche Arbeit, das was man von den Leuten zurückbekommt, ist am Ende die größte Belohnung.« Erhard Fricke bezeichnet die Arbeit im Polizeidienst als die beste Arbeit, die er sich vorstellen könne. »Man hat viel Spielraum und die Nähe zu den Menschen– es ist eine tolle Tätigkeit.«

Vieles zu kurz gekommen

Ab dem 1. Oktober beginnt eine neue Zeit. Haus, Hof und Garten wollen auf Vordermann gebracht, Reisen sollen geplant werden. Aber zuallererst wolle er das Familienleben, die Zeit mit seiner Frau und die vor sechs Monaten geborene erste Enkeltochter genießen. In 45 Jahren Dienst am Menschen sei Vieles zu kurz gekommen. Seine Frau hat zumindest bis zum 2. Oktober Zeit, sich auf das neue Leben mit einem Ganztags-Pensionär einzustellen. Der Zufall will es, dass am 1. Oktober noch eine von Kollegen geplante Brauereibesichtigung in Lübbecke ansteht.

Seinen Nachfolger, einen Kollege aus dem Altkreis, kennt Fricke gut. Er freut sich, dass die Frage der Nachbesetzung geregelt ist. Gegen die personellen Engpässe bei der Polizei, die sich, so Fricke etwa 2004 abgezeichnet hätten, hat er mit Kollegen vor dem Landtag in Düsseldorf demons­triert. Sollte es Bestrebungen geben, die Stelle in Preußisch Oldendorf zu streichen, wäre er der erste, der sich zu Wort melden würde.

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