Brandstiftung an der Langenhegge: Asylbewerber steht vor Gericht
Wer sagt die Wahrheit?

Preußisch Oldendorf/Minden (WB). Ende März dieses Jahres hat die Feuerwehr einen Brand im Flüchtlingsheim an der Langenhegge gelöscht. Niemand wurde verletzt. Jetzt muss sich der mutmaßliche Brandstifter (35) vor Gericht verantworten. Laut Anklage soll der gebürtige Ägypter noch weitere Straftaten begangen haben – von Diebstahl bis hin zu gefährlicher Körperverletzung.

Sonntag, 01.09.2019, 06:00 Uhr aktualisiert: 02.09.2019, 08:24 Uhr
Ende März dieses Jahres ist im Asylbewerberheim an der Langenhegge ein Feuer gelegt worden. Unter Verdacht steht ein 35-jähriger Ägypter. Vor Gericht bestritt er die Tat. Foto: Wessel

Amtsgericht Minden, Saal 223: In Handschellen wird Mustafa S. aus der Untersuchungshaft auf die Anklagebank geführt. Zwei Justizbeamte lassen ihn nicht aus den Augen. In der Nacht zum 31. März soll der Angeklagte in der Asylbewerber-Unterkunft an der Langenhegge mit Spiritus ein Feuer entfacht haben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm auch vor, beim Maispaß einen Bekannten mit einem Messerstich verletzt zu haben. Im Edeka-Markt an der Friedhofstraße wird er zudem eines Diebstahls im Warenwert von etwa 25 Euro beschuldigt. Als er erwischt wurde, soll er randaliert haben und Personal mit Flaschen und Getränkekisten beworfen haben.

Obwohl er sich an keinen Kistenwurf erinnern konnte, räumte Mustafa S. den Diebstahl im Supermarkt zu Prozessbeginn ein. Die Körperverletzung und den Vorwurf der Brandstiftung bestritt er, wie sein Anwalt Sascha Haring dem Schöffengericht erläuterte: »Er sagt, er war das nicht.« Die Brandstiftung sei ihm von Mitbewohnern des Heims in die Schuhe geschoben worden. Einige dort hätten ihn nicht gemocht. Sie hätten ihn denunziert, um ihn loszuwerden. Tatsächlich kam im Prozess heraus, dass sich das Bedauern über die Festnahme des »Unruhestifters« im Heim wohl in Grenzen gehalten hat.

Verwirrung um die Sprache

Für die Verständigung mit dem Angeklagten war ein Dolmetscher nötig. Mustafa S. hat die Schule nach der 5. Klasse verlassen. Er arbeitete als Barkeeper in einem Hotel, trinkt nach eigenem Bekunden viel Alkohol und spricht kaum Deutsch. Ob er außer Arabisch auch Englisch spricht, wurde im Prozess zu einer wichtigen Frage.

Ein afrikanischer Zeuge, ebenfalls Bewohner des Asylbewerberheims, will nämlich kurz vor dem Feuer ein Gespräch mit Mustafa S. geführt haben. In diesem Gespräch habe der Angeklagte Ihm gegenüber erklärt, dass er alles kaputt machen werde. Dabei soll der Angeklagte gesagt haben: »Wenn ihr nicht aufpasst, werde ich hier ein Feuer legen.« Dieses Gespräch soll auf Englisch geführt worden sein, so der Afrikaner. In direktem Widerspruch zu diesem Belastungszeugen stand kurz darauf die Aussage eines weiteren Asylbewerbers arabischer Herkunft. Er erklärte nicht nur, dass er dem Angeklagten eine Brandstiftung nicht zutraue, sondern auch, dass der Angeklagte überhaupt kein Englisch spreche.

In das Sprachenwirrwarr konnte der Hausmeister, ein weiterer Zeuge, kein Licht bringen. Er habe nie persönlich mit dem Angeklagten gesprochen. Der Hausmeister konnte aber bestätigen, dass Mustafa S. einige Tage vor dem Feuer eigenmächtig das spätere Brandzimmer gegen ein freistehendes Zimmer in einem anderen Container getauscht hatte. »Ich habe ihm ausrichten lassen, dass das ohne eine Genehmigung vom Sozialamt nicht geht«, erklärte der Hausmeister. Der Angeklagte hätte folglich in sein altes Zimmer zurückkehren müssen. Im Raum steht der Verdacht, dass der Angeklagte den Brand in seinem alten Zimmer legte, um eine Rückkehr in sein altes Zimmer unmöglich zu machen.

Prozess vertagt

Da der Angeklagte sein Türschloss am alten Zimmer ausbaute und am neuen Zimmer einbaute, war das Brandzimmer in der Tatnacht unverschlossen. Der Einsatzleiter der Feuerwehr bestätigte vor Gericht, dass die Einsatzkräfte ins Zimmer gelangten, ohne ein Schloss öffnen zu müssen. Somit hätte auch jeder andere Heimbewohner in das Zimmer hinein gelangen können.

Im Gegensatz zur Frage, ob sich der Angeklagte der schweren Brandstiftung schuldig gemacht hat, stellte sich die Situation beim Diebstahl klarer da. Mitarbeiter des Supermarktes berichteten, wie sie den Angeklagten beim Diebstahl erwischt hätten. »Als wir ihm sagten, dass gleich die Polizei kommt, wurde er plötzlich nervös«, schilderte eine Mitarbeiterin. Kurz darauf habe der Angeklagte im Getränkelager randaliert. Dabei sei er auch auf einen Kistenstapel geklettert. »Als er eine Bewegung machte, um eine Flasche auf uns zu werfen, brach der Kistenstapel unter ihm zusammen«, so die Mitarbeiterin. Der Angeklagte sei mit den Kisten zu Boden gestürzt. Sekunden später habe er Flaschen und eine Kiste in ihre Richtung geworfen, berichteten die Zeugen.

Nach achtstündiger Verhandlung wurde der Prozess vertagt. Er soll am 6. September fortgesetzt werden.

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