Zwei Jahre lang hat Dieter Besserer am Buch zur Geschichte Oldendorfs gearbeitet
Von Kaiser Karl bis zur Gebietsreform

Preußisch Oldendorf (aha). Seit wann gibt es Oldendorf? Wann und wieso bekam die Stadt den Zusatz »Preußisch«? Und wieso macht eigentlich die Hauptstraße einen Bogen um die Kirche? Antworten auf diese und viele weitere Fragen gibt Preußisch Oldendorfs »Stadthistoriker« Dieter Besserer auf 847 Seiten.

Sonntag, 09.06.2019, 10:00 Uhr
Ein »Jahrhundert-Werk«: 847 Seiten umfasst Dieter Besserers neues Buch zur Geschichte Preußisch Oldendorfs. Dafür hat er Hunderte von Akten und historischen Quellen studiert. Foto: Arndt Hoppe

Sein Buch »300 Jahre Stadtrechte Preußisch Oldendorf – 1050 Jahre ›Aldenthorpe‹« ist 2017 von der Stadt in Auftrag gegeben worden und im Mai zum Jubiläum veröffentlicht worden. Die Darstellung reicht von der ersten Erwähnung des Ortes zur Zeit Karls des Großen im Jahr 772 bis in die Neuzeit. »2017 habe ich mit den Schreibarbeiten angefangen«, sagt Besserer. »Doch eigentlich reichen die Vorarbeiten schon Jahrzehnte zurück.«

Schon als Kind an Geschichte interessiert

Bereits als Junge habe er sich für Geschichte interessiert. »Ich habe mir die Nase am Schaufenster des Buchladens platt gedrückt«, sagt der 74-Jährige. Während andere Kinder nach dem aktuellen ›Rechenbegleiter‹ Ausschau gehalten hätten, habe der kleine Dieter auf neue Geschichtsbücher spekuliert. Diese Begeisterung für die Historie begleitet den Preußisch Oldendorfer nach wie vor. »Als ich 1982 Stadtheimatpfleger wurde, war das für mich der Impuls, mich intensiver mit der heimischen Geschichte zu befassen«, sagt der gelernte Ingenieur für Maschinenbau und Fertigungstechnik. Mehrere historische Werke hat er seit dem verfasst, von Dorfchroniken bis hin zu Werken über die Burg Limberg oder die jüdische Geschichte der Stadt. Ungezählte Stunden hat Dieter Besserer dafür in Archiven und hinter dem eigenen Schreibtisch verbracht.

»Auch das neue Buch ist kein Abklatsch von anderen Büchern, sondern beruht sehr stark auf archivarischen Studien«, sagt Besserer. Die Original-Quellen stammen zum großen Teil aus dem Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, den Staatsarchiven in Münster und Detmold, sowie aus dem kommunalen Archiven von Minden und Lübbecke. Über die Jahrzehnte hinweg hat sich in meinem Keller ein eigenes Archiv von mehr als 600 Ordnern angesammelt. »Im Archiv in Münster kennt man mich schon seit den 70-er Jahren«, sagt Besserer. »Aber für das neue Buch habe ich natürlich auch vieles im Stadtarchiv Preußisch Oldendorf gefunden.«

»Quellen lesbar machen«

Seit dem Besserer den Auftrag vor zwei Jahren erhielt, hat er bis zur Veröffentlichung jeden Tag an dem Werk gearbeitet. Anlass und Hauptaugenmerk des Buches ist zwar Verleihung der Stadtrechte vor 300 Jahren. Aber das Kapitel über die Erhebung Oldendorfs zur Stadt durch ein Edikt des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm I. ist in die größeren historischen Zusammenhänge eingebunden. »Geschichtsschreibung ist immer eine Interpretation. Mein Ziel war es, die Quellen lesbar zu machen und politische Zeitströmungen aufzuzeigen«, erklärt Besserer.

So habe er die Darstellung auch in den Kontext der fränkischen Reichsgeschichte unter Karl dem Großen und Widukind gestellt. »Der Bogen, den die Hauptstraße heute noch um die Kirche macht, hat in dieser Zeit seinen Ursprung«, sagt er. Entlang der Südseite des Wiehens sei nämlich eine fränkische Heerstraße verlaufen. »Da die Franken Christen waren und die Soldaten eine geistliche Erziehung genießen sollten, wurde eine Militärkapelle eingerichtet. Aus dieser entstand nach und nach die St.-Dionysius-Kirche. Die Straße wurde in der Folge um die zugehörige Begräbnisstätte herumgeführt.«

Chronologie und besondere Aspekte

Die Spanne von 1050 Jahren beschreibt Besserer zunächst auf 230 Seiten chronologisch. Darüber hinaus nimmt er danach zahlreiche weitere Aspekte genauer unter die Lupe. Dazu gehören unter anderem Stadtverfassung, Finanzen, Bildungswesen sowie Feuerlösch- und Bestattungswesen. Eigene Kapitel erhalten zudem Handel und Gewerbe, Religionsgemeinschaften, Vereinswesen, Parteipolitik und Kommunales sowie die »neue« Stadt seit der Gebietsreform von 1973.

Im Übrigen habe das Wort »Preußisch« im Ortsnamen Oldendorf nichts mit der Erhebung zur Stadt durch den Preußenkönig 1719 zu tun. »Bis ins 19. Jahrhundert hieß es noch ›Oldendorf unter dem Limberg­‹. Ab 1823 taucht im Mindener Amtsblatt der Zusatz ›Pr.‹ auf«, erzählt Besserer.

Seinen Dank richtet der Autor an die zahlreichen Spender und an Rainer Höke von Kölle-Druck. »Wenn er das finanzielle Risiko nicht übernommen hätte, wäre das Buch nie erschienen.« Erhältlich ist es bei Kölle-Druck, im Bürgerbüro im Preußisch Oldendorfer Rathaus und in der Bücherstube Lübbecke.

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