Nach Chemikalienfund: Polizei ruft zu Wachsamkeit auf
Die kriminelle Lust am Land

Preußisch Oldendorf (WB). Das friedliche Landleben in Börninghausen ist durch den Chemikalienfund in Unruhe geraten. Dass Kriminelle im beschaulichen Dorf wahrscheinlich eine große Drogenküche betrieben haben, schien bis vor einer Woche unvorstellbar. »Allgemein bietet der ländliche Raum für manche Kriminelle durchaus sogar Vorteile«, sagt Kreispolizeisprecher Ralf Steinmeyer.

Mittwoch, 08.05.2019, 07:30 Uhr aktualisiert: 08.05.2019, 10:19 Uhr
Die idyllische Landschaft trügt. In den vergangenen Jahren hat die Polizei immer wieder Drogenplantagen im Kreis Minden-Lübbecke entdeckt. In Börninghausen sind zahlreiche Behälter mit Chemikalien gefunden worden. Foto: Louis Ruthe

So erinnert Steinmeyer daran, dass in den vergangenen Jahren zum Beispiel immer wieder Drogenplantagen im Kreis Minden-Lübbecke entdeckt wurden. »Erst kürzlich gab es ein großes Ermittlungsverfahren in Zusammenarbeit mit Hannover, bei dem Cannabis-Pflanzungen in Rahden, Espelkamp und Petershagen gefunden wurden«, sagt Steinmeyer (wir berichteten). Auch davor habe es bereits ähnliche Funde in Niedermehnen und Gestringen gegeben.

Leerstände und Anonymität

Es gebe einige Faktoren, die Kriminelle aufs Land zögen, erläutert der Polizeisprecher. »Hier ist die Fläche vorhanden. Es gibt auch mehr leer stehende Gebäude als in vielen Städten«, sagt der Polizeisprecher. Alte Hofstätten böten oft Möglichkeiten in Form von Ställen, Scheunen oder anderen Hofgebäuden. »Offenbar glauben die Kriminellen, dass sie dort ungestört ›arbeiten‹ können«, sagt er. »Dabei klingt es zunächst wie ein Widerspruch, dass Kriminelle aufs Land ziehen: Man denkt, auf dem Land kennt jeder jeden und in der Stadt gibt es mehr Anonymität.« Dies sei aber vielfach nicht der Fall. »Die Alteingesessenen kennen sich auf dem Dorf, aber wenn ein Auswärtiger einen Raum anmietet, suchen die Einheimischen erfahrungsgemäß nicht unbedingt den Kontakt«, sagt Steinmeyer.

Immer wieder komme es vor, dass Nachbarn der Polizei im Nachhinein von Dingen berichten, die ihnen aufgefallen seien. »Wir hören dann oft von Zeugen Sätze wie: ›Ich habe da was gesehen und ich habe mich auch gewundert.‹ Wir als Polizei würden uns wünschen, dass sich die Leute schon vorher an uns wenden, wenn sie etwas Ungewöhnliches bemerken«, sagt Steinmeyer. Und er ermutigt die Bürger: »Scheuen Sie sich nicht anzurufen. Das hat aus meiner Sicht auch nichts mit Denunziantentum zu tun. Und es muss sich niemand Sorgen machen, weil er einen Verdacht äußert.«

»Gelebte Sozialkontrolle«

Die Polizei könne einem Verdacht eben nur nachgehen, wenn sie davon wisse. Wenn etwa irgendwo zu merkwürdigen Zeiten regelmäßig Transporte oder nächtliche Aktivitäten beobachtet würden, könne das ein lohnender Hinweis sein. »Oder wenn ein Mieter den Wunsch nach Barzahlung äußert, kann ihn auch das verdächtig machen.« Ralf Steinmeyer betont, dass er sich damit keineswegs für eine pauschale Vorverurteilung von Zugezogenen ausspreche. »Ich verstehe das eher als gelebte Sozialkontrolle.«

Insgesamt kann Ralf Steinmeyer aber die Bürger beruhigen: »Es ist durchaus nicht so, dass der Kreis Minden-Lübbecke eine Hochburg für Kriminelle ist. Gerade der Fall in Börninghausen ist ganz und gar kein alltäglicher Fall.« Sollte sich der Verdacht bestätigen, dass das Chemikalienlager mit einer Drogenküche im Zusammenhang stehe, sei damit vermutlich auch eine andere Gruppe von Kriminellen in Verbindung zu bringen als bei den Hanf-Plantagen. »Damit ist eine ganz andere Ausrüstung und ein anderes Know-how verbunden.«

Unbeobachtete Flächen

Andererseits gebe es auch andere kriminelle Machenschaften, denen große unbeobachtete Flächen auf dem Land zugute kommen könnten. »Vor einigen Jahren ist zum Beispiel eine Autoschieberbande im Tanklager in Preußisch Oldendorf aufgeflogen.« Ralf Steinmeyers Empfehlung lautet: »Ruhig mal den gesunden Menschenverstand einschalten. Mehr ist gar nicht gefragt.«

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